# taz.de -- Berliner Linken-Abgeordnete Vanessa Emde: Umgang mit Emde ungeklärt
> Der Linken-Fraktionsvorstand sieht weiterhin keine Arbeitsgrundlage mit
> Vanessa Emde. Ihr droht ein Fraktionsausschluss oder die Aufforderung,
> ihr Mandat zurückzugeben.
(IMG) Bild: Vanessa Emde am Rande der Sitzung mit dem Fraktionsvorstand am Dienstag
Die Berliner Linksfraktion hat am Dienstag keine Entscheidung über die
[1][umstrittene Abgeordnete Vanessa Emde] getroffen. Die in Neukölln direkt
gewählte Emde hatte sich am Mittag in geschlossener Sitzung etwa anderthalb
Stunden mit dem Fraktionsvorstand ausgetauscht, später wurde auch in der
Sitzung der Fraktion über sie beraten. Zu einer Lösung gekommen ist man
dabei nicht. In einer Meldung am Abend hieß es: „Der Fraktionsvorstand
sieht auch nach diesem Gespräch eine gemeinsame Arbeitsgrundlage als nicht
gegeben an.“
Emde hatte bereits vor zwei Wochen eine gemeinsame Vereinbarung der
Fraktion zum Themenkomplex Nahost, die sie selbst unterschrieben hatte, in
einem Video quasi aufgekündigt. Entgegen der Beschlusslage war sie darin
erneut für eine Einstaatenlösung in Nahost eingetreten, statt den Konsens
von Partei und Fraktion – Zweistaatenlösung und Eintreten für das
Existenzrecht Israels – zu vertreten. Offenbar war Emde nun nicht bereit,
ihre Distanzierung zu widerrufen.
Als Konsequenz kündigte der Fraktionsvorstand an: „Daraus resultierende
Prozesse werden wir in den Gremien weiter beraten.“ Eines davon wird wohl
erneut die Fraktion sein, die nächsten Dienstag wieder zusammenkommt. Dort
kann ein Antrag auf Ausschluss Emdes gestellt werden, für dessen Annahme es
einer Zweidrittelmehrheit bedarf.
Zugleich wird Emde wohl auch Thema im Landesvorstand der Linken. Informiert
über die Vorgänge ist dieser bestens: Denn die beiden Parteivorsitzenden
Maximilian Schirmer und Kerstin Wolter sind auch Mitglieder des
Fraktionsvorstandes und haben an dem ergebnislosen Gespräch mit Emde
teilgenommen.
## Verstoß gegen Mandatsträgervereinbarung
Grundlage für die Befassung im Parteigremium ist die von Emde, genauso wie
von allen anderen Kandidat:innen der Linkspartei, bereits vor der Wahl
unterschriebene Mandatsträger:innenvereinbarung. Darin verpflichten sich
alle zukünftigen Abgeordneten, sich an die Grundsätze der Partei, also das
Erfurter Programm, aber auch an das Wahlprogramm zu halten und dies „aktiv
zu vertreten“.
Die Vereinbarung regelt, dass bei Verletzung der „Pflichten gegenüber der
Partei“ zunächst der Dialog geführt werden muss. Bei „fortgesetzter
Nichterfüllung der Verpflichtungen“ sollen die Vorstände der Landes- oder
Bezirkspartei den jeweiligen Parteitagen „Vorschläge für den Umgang“
unterbreiten. Im Raum steht dabei die Aufforderung an Emde, das gewonnene
Mandat an die Partei zurückzugeben. Eine Handhabe, die Abgeordnete dazu
verpflichten, gibt es gleichwohl nicht.
28 Oct 2026
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(DIR) Erik Peter
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