# taz.de -- Brasilien nach der Wahl: Wahlverlierer Bolsonaro setzt sich in die USA ab
       
       > Flávio Bolsonaro ist nach wilder Flucht in den USA gelandet, Trump heißt
       > ihn herzlich willkommen. In Brasilien ordnet sich die Rechte bereits neu.
       
 (IMG) Bild: Nichts mehr zu sehen: Fotografen vor dem Eingang der Residenz von Flávio Bolsonaro in Brasília
       
       Brasiliens [1][unterlegener Präsidentschaftskandidat] Flávio Bolsonaro ist
       am Mittwochmorgen mit seiner Familie in Miami gelandet. Der Kanal
       CNN-Brasilien berichtete in einer Live-Übertragung von der Ankunft in den
       USA. Bilder zeigen, wie der Senator, seine Ehefrau und zwei Töchter aus
       einer Gulfstream-Maschine steigen.
       
       Hinter Regenschirmen verborgen steigen wenig später Menschen in eine
       schwarze Limousine, die sich daraufhin entfernt. Ob Flávio und Familie sich
       im gleichen Wagen befinden, ob er seinen Bruder Eduardo aufsuchen wird oder
       wie seine weiteren Pläne aussehen, bleibt unklar. Bislang hat sich der
       Wahlverlierer weder geäußert noch einen Pressetermin in Aussicht gestellt.
       
       Bereits am Dienstag hatten Medien wie die Tageszeitung Folha de São Paulo
       und der TV-Sender Globo TV die Flucht des Senators gemeldet. Bestätigt
       hätten dies sowohl dessen Stiefmutter Michelle als auch nicht namentlich
       genannte Verbündete und Vertreter der US-Regierung. Einige Stimmen hatten
       sogar gemeldet, der Wahlverlierer sei bereits am Dienstag in Miami
       gelandet.
       
       Vermutlich hat es sich bei den widersprüchlichen Aussagen zur Flucht um
       gezielte Falschinformationen gehandelt, die vom tatsächlichen Vorgehen
       ablenken sollten. Nach aktuellen Informationen der argentinischen
       Einwanderungsbehörde Migraciónes ist Flávio dienstagnachts mit seinem
       italienischen Pass über Land eingereist. Seine Ehefrau und die beiden
       Töchter legten ihre brasilianischen Reisepässe vor. Sie flogen in derselben
       Nacht über Ecuador weiter Richtung Miami, wobei die Maschine es vermied,
       den brasilianischen Luftraum zu überfliegen.
       
       ## Trump bezeichnet Brasiliens Wahl als „manipuliert“
       
       Kurz zuvor hatte US-Präsident Donald Trump zugesichert, er werde Flávio und
       seiner Familie Aufenthaltsvisa erteilen. Er habe gehört, Bolsonaro sei in
       Argentinien, wisse aber nicht, wo genau er sich aufhalte. Falls der
       Politiker in die USA einreise, sei er aber total damit einverstanden. Zuvor
       hatte Trump die Wahl in Brasilien als „sehr seltsam“, „manipuliert“ und
       „korrupt“ bezeichnet, ohne dafür Beweise vorzulegen.
       
       In seiner Videobotschaft vom Montag [2][hatte Bolsonaro noch angekündigt,
       er werde die Opposition führen]; er denke nicht daran, das Land zu
       verlassen und werde, wie vom Obersten Bundesrichter gefordert, seine Pässe
       abgeben. Verbündete hatten geäußert, ihm von einer Landesflucht abgeraten
       zu haben. Sattdessen hätten sie ihm nahegelegt, seine Wahlniederlage
       anzuerkennen und sich der Opposition zu widmen.
       
       Wie Flávio, war bereits dessen Vater Jair nach seiner Wahlniederlage 2022
       in die USA ausgereist. Flávios Bruder Eduardo Bolsonaro zog 2025 ebenfalls
       in die USA, wo er sich bei Trump für Strafzölle für brasilianische Waren
       einsetzte.
       
       ## Die Stunde der Michelle Bolsonaro?
       
       Verbündete des flüchtigen Flávio Bolsonaro, wie der Abgeordnete Nikolas
       Ferreira, führen dessen heimliche Ausreise auf die Entscheidung des
       Obersten Bundesrichters Alexandre de Morães zurück, der [3][am Montag
       verfügt hatte, Flávio müsse seine Pässe abgeben] und dürfe das Land nicht
       verlassen. Die Entscheidung wird von Bolsonaro-Anhängern als politische
       Verfolgung interpretiert.
       
       CNN berichtete am Mittwoch, in der Abgeordnetenkammer ändere sich gegenüber
       dem Vortag der zunächst noch kritische Diskurs vor allem innerhalb der PL,
       der Partei des unterlegenen Kandidaten. Inzwischen unterstütze eine
       Mehrheit die Ausreise des Senators und bezeichne ihn als „ebenso verfolgt“
       wie sein Vater Jair nach dessen Wahlniederlage 2022.
       
       Schon am Dienstag, als es in Brasilien noch keine offizielle Bestätigung
       für die Flucht Flávios gab, suchte die Rechte nach neuen
       Führungspersönlichkeiten. Der Vorsitzende der PL traf sich unter anderem
       mit Michelle Bolsonaro, der zur Senatorin gewählten Ehefrau des wegen eines
       Putschversuches verurteilten Jair Bolsonaro.
       
       Michelle war vor der Entscheidung für Flávios Kandidatur ebenfalls im
       Gespräch als Präsidentschaftskandidatin und verfügt über eine eigene
       Anhängerschaft vor allem unter Frauen und Evangelikalen.
       
       28 Oct 2026
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Christine Wollowski
       
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