# taz.de -- Präsidentschaftswahl in Brasilien: Bolsonaro darf das Land vorerst nicht verlassen
       
       > Flávio Bolsonaro geht juristisch gegen Lulas Sieg vor, seine Partei
       > erkennt das Wahlergebnis nur unter Vorbehalt an. Trump spricht von
       > Manipulation.
       
 (IMG) Bild: Flávio Bolsonaro muss wegen laufender Ermittlungen aufgrund des Verdachts auf Geldwäsche seine Reisepässe abgeben
       
       dpa | Die rechte Partei des unterlegenen brasilianischen
       Präsidentschaftskandidaten Flávio Bolsonaro hat [1][den Wahlsieg] des
       linken [2][Amtsinhabers Luiz Inácio Lula da Silva] anerkannt – allerdings
       nur unter Vorbehalt. Sie forderte am Tag nach der Abstimmung eine Klärung
       offener Fragen zum Wahlprozess. Flávio Bolsonaro, der das Land wegen einer
       Gerichtsentscheidung vorerst nicht verlassen darf, will eine vierte
       Amtszeit Lulas mit juristischen Mitteln verhindern. Politische
       Rückendeckung bekommt er von US-Präsident Donald Trump, der das
       Wahlergebnis „manipuliert“ nannte.
       
       „Wir erkennen das vom Obersten Wahlgericht (TSE) verkündete Ergebnis der
       Präsidentenwahl an, sind jedoch der Ansicht, dass die aufgeworfenen Fragen
       angemessen geklärt werden müssen“, erklärte der Vorsitzende von Bolsonaros
       Liberaler Partei (PL), Valdemar Costa Neto. Die Partei kritisiert, dass
       Sozialleistungen früher als geplant ausgezahlt wurden – nämlich kurz vor
       der Abstimmung am Sonntag.
       
       Unmittelbar nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses hatte Flávio Bolsonaro
       noch erklärt, die Niederlage nicht anzuerkennen und die Annullierung der
       gesamten Wahl beantragen zu wollen. Am Montag änderte er dann seine
       Strategie – er will nun nicht mehr das Wahlergebnis an sich, sondern Lulas
       Wahlkampfführung juristisch prüfen lassen. So will er erreichen, dass Lula
       und Vizepräsident Geraldo Alckmin wegen angeblichen Missbrauchs politischer
       und wirtschaftlicher Macht im Wahlkampf nicht vereidigt werden dürfen.
       Seine Niederlage räumte Bolsonaro nicht ausdrücklich ein.
       
       ## Trump springt Bolsonaro bei
       
       Auch US-Präsident Trump befeuerte die Zweifel des rechten Lagers an einem
       rechtmäßigen Ablauf und Ausgang der Abstimmung. „Ich habe zwar keine Partei
       ergriffen, aber es wirkte wie eine weitere manipulierte Wahl“, sagte der
       US-Präsident vor Journalisten. „Wissen Sie, Wahlen müssen unanfechtbar
       sein, und für mich sah es sehr schlecht aus.“ Auf welcher Grundlage Trump
       das offizielle Wahlergebnis anzweifelt, ließ er offen. Seine eigene
       Niederlage bei der US-Präsidentenwahl 2020 will der Republikaner bis heute
       nicht anerkennen, obwohl seine Betrugsvorwürfe seither zigfach widerlegt
       wurden.
       
       Trump hatte sich im Konflikt mit Brasiliens Justiz klar hinter Flávios
       Vater Jair Bolsonaro gestellt. Die Verurteilung des früheren Präsidenten zu
       mehr als 27 Jahren Haft wegen Beteiligung an einem versuchten Staatsstreich
       kritisierte Trump scharf. Obwohl er und der Ex-Militär Jair Bolsonaro als
       politische Verbündete gelten, hielt sich der US-Präsident im Wahlkampf mit
       öffentlicher Unterstützung für dessen Sohn Flávio zurück.
       
       Bei der Stichwahl am Sonntag setzte sich der 80-jährige Lula mit 51,8
       Prozent der Stimmen gegen Flávio Bolsonaro durch, der 48,2 Prozent erhielt.
       Sollte der Widerstand der Rechten erfolglos bleiben, kann der
       Linkspolitiker im Januar seine vierte Amtszeit antreten.
       
       ## Geldwäsche-Vorwürfe: Bolsonaro muss Pässe abgeben
       
       Neben juristischen Auseinandersetzungen zur Wahl selbst beschäftigt Flávio
       Bolsonaro auch ein laufendes Geldwäscheverfahren. Der im rechten Lager
       verhasste Richter des Obersten Gerichtshofs, Alexandre de Moraes, ordnete
       am Montag an, die Reisepässe des unterlegenen Präsidentschaftskandidaten zu
       annullieren und ihm die Ausreise zu untersagen.
       
       Die Bundespolizei forderte den 45-Jährigen nach dessen Angaben zur Abgabe
       der Dokumente auf, nachdem er seinen Vater besucht hatte, der infolge
       seiner Haftstrafe unter Hausarrest steht. Flávio Bolsonaro führte die
       Anordnung auf eine Äußerung seines in den [3][USA] lebenden Bruders Eduardo
       zurück. Dieser hatte vor der Wahl eine Ausreise Flávios im Fall einer
       Wahlniederlage befürwortet.
       
       „Ich habe nie daran gedacht, das Land zu verlassen. Ich werde meine
       Reisepässe abgeben und mich gegen diese Absurdität wehren, die ein klarer
       Versuch ist, mich einzuschüchtern“, sagte Flávio Bolsonaro in einem Video.
       
       In dem Verfahren geht es um mutmaßliche Geldwäsche im Zusammenhang mit
       Unternehmen und Online-Sportwetten. Die Bundespolizei fand nach eigenen
       Angaben Hinweise auf eine Verbindung Flávio Bolsonaros zu einem Bankkonto
       der Firma eines ebenfalls beschuldigten Anwalts. Bolsonaro bestreitet dies.
       
       27 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
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