# taz.de -- Nach Flucht in die USA: Bolsonaro stilisiert sich zum Opfer
       
       > Nach seiner heimlichen Ausreise nach Florida wirft Flávio Bolsonaro
       > Wahlsieger Lula „abscheulichen Wahlbetrug“ vor und vergleicht sich mit
       > Charles de Gaulle.
       
 (IMG) Bild: Angekommen: Bolsonaro in Miami
       
       dpa | Nach seiner illegalen Ausreise in die USA prangert der
       [1][unterlegene brasilianische Präsidentschaftskandidat Flávio Bolsonaro]
       „abscheulichen Wahlbetrug“ der Linken an und will aus dem Ausland die
       Opposition in seiner Heimat anführen. Drei Tage nach seiner Wahlniederlage
       landete der trotz Ausreiseverbots wegen Geldwäsche-Ermittlungen ins Ausland
       geflohene Rechtspolitiker im US-Bundesstaat Florida – und richtete
       kämpferische Worte an seine Anhänger. Zudem wetterte er gegen die
       brasilianische Justiz, die er als Handlanger des [2][linken Präsidenten und
       Wahlsiegers Luiz Inácio Lula da Silva] betrachtet.
       
       „Ich möchte klarstellen: Ich bin nicht aus Brasilien geflohen. Ich habe das
       Land im Interesse Brasiliens verlassen und mich einem Ausnahmezustand
       entzogen, um der Anführer sein zu können, den mein Volk verdient“, schrieb
       Bolsonaro nach Ankunft in Miami in einem offenen Brief an seine rund 220
       Millionen Landsleute in Brasilien, den er auf der Plattform X postete.
       
       In einer ersten Fassung der Mitteilung hatte sich der 45-jährige Senator
       gar zum „wahren“ und „gewählten Präsidenten“ des größten und
       wirtschaftsstärksten Landes in Lateinamerika erklärt. Doch kurz darauf zog
       er die erste Version zurück, um seine Formulierungen abzuschwächen – und
       sich in der neuen Fassung nur mehr „Anführer“ Brasiliens zu nennen. Seine
       ursprüngliche Wortwahl hätte ihm womöglich Probleme mit der brasilianischen
       Justiz einhandeln können. Die hatte bereits seinen Vater, den von 2019 bis
       2023 regierenden Präsidenten Jair Bolsonaro, wegen eines versuchten
       Putsches zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt.
       
       „Politisch motivierte Hexenjagd“ 
       
       Er sei nicht der Erste, der fernab seiner Heimat für sein Land kämpfen
       müsse, schrieb Flávio Bolsonaro. Als Beispiel nannte er Charles de Gaulle,
       der im Zweiten Weltkrieg gegen Nazi-Deutschland von London aus die Bewegung
       „Freies Frankreich“ geführt habe.
       
       „Gegen mich liegt kein Haftbefehl vor, weil ich kein Verbrechen begangen
       habe. Was es gibt, ist eine politisch motivierte Hexenjagd“, erklärte der
       Ex-Kandidat. „Zum Schweigen gebracht, inhaftiert oder zensiert wie mein
       Vater, hätte ich diese Führungsrolle nicht übernehmen können“, erklärte er
       mit Blick auf die 27-jährige Haftstrafe für Jair Bolsonaro, der derzeit
       unter Hausarrest steht.
       
       [3][Der Sieg Lulas] – unter diesem Namen ist der Präsident allen
       Brasilianern und auch international bekannt – sei unrechtmäßig gewesen und
       nur mit Hilfe eines korrupten Justizsystems erfolgt, so Bolsonaro. Nun
       wolle er vom Ausland aus sicherstellen, dass Lula kein „diktatorisches
       Regime“ in Brasilien festige.
       
       Vor seiner Ausreise in die USA war Bolsonaro einer Anordnung des Obersten
       Gerichts in Brasilien nicht nachgekommen, seine Reisepässe binnen 24
       Stunden abzugeben – obwohl er dies zunächst öffentlich zugesagt hatte. Er
       weist die Vorwürfe zurück und spricht von politischer Verfolgung. Seine
       rechte Partei hat Lulas Wahlsieg hingegen anerkannt – wenn auch nur unter
       Vorbehalt. Sie fordert eine Klärung offener Fragen zum Wahlprozess.
       
       Rückendeckung von Milei und Trump 
       
       Bolsonaro dankte dem rechtspopulistischen argentinischen Staatschef Javier
       Milei und US-Präsident Donald Trump für deren Unterstützung. Milei soll
       seinem brasilianischen Verbündeten eine Ausreise in die USA über
       Argentinien ermöglicht haben. Argentinischen Behördenangaben zufolge reiste
       Bolsonaro trotz Ausreiseverbots auf dem Landweg ins Nachbarland und flog
       von dort nach Ecuador. Von Ecuador aus ging es dann offenkundig weiter nach
       Miami.
       
       Unmittelbar nach der Wahl hatte Bolsonaro politische Rückendeckung von
       Trump bekommen, der das Wahlergebnis ebenfalls „manipuliert“ nannte und
       seine eigene Niederlage bei der US-Präsidentenwahl 2020 bis heute nicht
       akzeptiert. Bolsonaros früher ebenfalls in Brasilien politisch aktiver
       Bruder Eduardo lebt bereits seit Längerem in den USA. Gegen ihn liegt ein
       Haftbefehl der brasilianischen Behörden vor.
       
       Flávio Bolsonaro steht nach Justizangaben im Visier der
       Strafvollzugsbehörden, weil er sich der Geldwäsche im Zusammenhang mit
       Unternehmen und Online-Sportwetten schuldig gemacht haben soll. Sein Mandat
       als Senator, das ihn wegen der Immunitätsregeln vor einer Festnahme
       schützt, läuft zum 31. Januar 2027 ab.
       
       29 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Praesidentschaftswahl-in-Brasilien/!6225258
 (DIR) [2] /Brasilien-nach-der-Stichwahl/!6225261
 (DIR) [3] /Wahl-in-Brasilien/!6225017
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Brasilien
 (DIR) Flávio Bolsonaro
 (DIR) Luiz Inácio Lula da Silva
 (DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
 (DIR) Präsidentschaftswahl
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Brasilien und der Regenwald: Vergesst kurz die USA – und schaut nach Brasilien
       
       Der Wahlsieg Lula da Silvas in Brasilien ist nicht nur ein Erfolg gegen den
       Bolsonarismus. Sondern auch eine Hoffnung für den Regenwald.
       
 (DIR) Brasiliens Wahlverlierer haut ab: Lügner und Feigling
       
       Flávio Bolsonaros Flucht ist ein Schuldeingeständnis – er will seine Haut
       retten. Doch für Wahlsieger Lula könnte der Schritt zum Problem werden.
       
 (DIR) Brasilien nach der Wahl: Wahlverlierer Bolsonaro setzt sich in die USA ab
       
       Flávio Bolsonaro ist nach wilder Flucht in den USA gelandet, Trump heißt
       ihn herzlich willkommen. In Brasilien ordnet sich die Rechte bereits neu.
       
 (DIR) Nach der Wahl in Brasilien: Die Verlierer erkennen die Niederlage an
       
       Die Partei von Brasiliens Wahlverlierer Flávio Bolsonaro erkennt Lulas
       Wahlsieg an. Gegen den unterlegenen Kandidaten selbst wird wieder
       ermittelt.