# taz.de -- Brasiliens Wahlverlierer haut ab: Lügner und Feigling
       
       > Flávio Bolsonaros Flucht ist ein Schuldeingeständnis – er will seine Haut
       > retten. Doch für Wahlsieger Lula könnte der Schritt zum Problem werden.
       
 (IMG) Bild: Winke, winke: Flávio Bolsonaro am Tag der Stichwahl
       
       Er hat es wieder getan. Er kann offenbar nicht anders als zu lügen. Am
       Montag behauptet er noch, er denke nicht daran, sein Land zu verlassen. Da
       war seine Ausreise vermutlich längst geplant. Nun ist er weniger als 48
       Stunden [1][nach seiner Wahlniederlage ins Ausland geflohen]; das genaue
       Land war zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses unklar. Flávio Bolsonaro ist
       nicht nur ein notorischer Lügner, er ist auch ein Feigling. Zuerst wollte
       er das Wahlergebnis nicht akzeptieren. Dann schien er sich zu fügen und
       wollte die Opposition organisieren. Und am Dienstag war er plötzlich nicht
       mehr da.
       
       Flávios Flucht ist ein indirektes Schuldeingeständnis, über das dessen
       billige Rhetorik des politisch Verfolgten nicht hinwegtäuschen kann. Der
       unterlegene Kandidat lässt Parteifreunde und Fans gleichermaßen im Stich,
       um seine eigene Haut zu retten. In Brasilien droht ihm eine
       Gefängnisstrafe, wenn er seine parlamentarische Immunität Ende Januar
       verliert. In den USA wäre er willkommen: Verbündete sagen, die US-Regierung
       werde ihm ein Visum ausstellen.
       
       ## Plant er eine Art Exilregierung?
       
       Die Partei des Flüchtlings versucht derweil, sich neu zu ordnen. Manche mag
       Flávios Abwesenheit freuen, so kann sich die PL vom Bolsonaro-Clan
       emanzipieren, es entsteht Platz für Wechsel in der Führung.
       
       Dass ausgerechnet Bundesrichter Alexandre de Moraes die Ausreise untersagt
       hat, ist für viele Rechte ein Grund mehr, dessen Amtsenthebung zu fordern –
       [2][der Richter hatte einst den Vater Bolsonaros zu einer Haftstraße
       verurteilt].
       
       Noch ist nicht klar, ob es US-Außenminister Rubio war, der die Flucht
       unterstützte. Sollte sich die US-Regierung ernsthaft für den Senator
       engagieren, könnte daraus noch vor Beginn von Lulas vierter Amtszeit eine
       Krise entstehen, die dessen ohnehin schwierige Position angesichts des
       rechts dominierten Kongresses nicht vereinfacht. Manche befürchten, der
       Verlierer könne eine Art Exilregierung anstreben.
       
       28 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Brasilien-nach-der-Wahl/!6225570
 (DIR) [2] https://www.reuters.com/world/americas/brazils-incoming-right-wing-congress-takes-aim-judge-who-jailed-bolsonaro-2026-10-16/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Christine Wollowski
       
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