# taz.de -- Frontex wird Abschiebeagentur: Schrilles „Invasions“-Gerede
       
       > Die irreguläre Migration geht zurück, die EU-Grenzschutzagentur wird
       > trotzdem ausgebaut. Migrant:innen werden als Machtoption
       > instumentalisiert.
       
 (IMG) Bild: Viermal mehr Grenzpolizisten, während die Zahl der Grenzübertritte auf ein Fünftel zusammengeschnurrt sind
       
       Wussten Sie, dass in diesem Jahr bisher ein Drittel weniger Menschen als im
       Vorjahreszeitraum irregulär, also ohne Einreiseerlaubnis in die EU gekommen
       sind? Dass es 2023 noch fünfmal so viele waren? Nein? Der nun schon
       [1][Jahre anhaltende Rückgang der irregulären Grenzübertritte] – erkauft
       etwa durch die Kollaboration mit Folterern wie in Libyen oder immer
       [2][unverhohlener durchgeführten Pushbacks] – ist kein großes öffentliches
       Thema. Stattdessen wird gewohnt hochtönend immer weiter Handlungsdruck
       suggeriert.
       
       Und so legte am Dienstag EU-Innenkommissar Magnus Brunner dar, wie sich die
       [3][EU-Grenzschutzagentur Frontex] weiterentwickeln soll: doppeltes Budget,
       30.000 Grenzschützer:innen statt wie bisher 7.000
       EU-Grenzschützer:innen, und die mit erheblich weitergehenden Befugnissen
       als heute. Nicht wenige fühlen sich angesichts solcher Aussichten an die
       US-Abschiebepolizei ICE erinnert. Viermal mehr Grenzpolizisten also,
       während die Zahl der Grenzübertritte auf ein Fünftel zusammengeschnurrt
       sind. Doch die EU-Kommission hält die Gelegenheit gerade für günstig, ihre
       schon lange gehegten Pläne zum Aufbau einer vollwertigen EU-Grenzpolizei
       voranzutreiben.
       
       Denn da ist die Angst vor russischen Nadelstichen, die rechtsextreme,
       prorussische Akteure stärken sollen. Der Kampf gegen die irreguläre
       Migration wird da zu einer Frage der Sicherheit, indem die Migrant:innen
       oft als „hybdride Gefahr“ deklariert und so instrumentalisiert werden.
       
       Dann gibt es die Erkenntnis, sich mit Migrationsbewegungen angreif- und
       erpressbar gemacht zu haben – siehe die Aktionen von Marokko oder der
       Türkei. Und schließlich die wachsende Neigung der Konservativen, mit den
       Rechtsextremen im Parlament gemeinsame Sache zu machen. Dass der
       Migrationsdruck immer weiter sinkt, wird weder thematisiert, um das
       schrille „Invasions“-Gerede der extremen Rechten zu entkräften, noch wird
       das zum Anlass genommen, die Abschottungsspirale zu bremsen – im Gegenteil.
       
       28 Oct 2026
       
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