# taz.de -- Bundespolizist über Frontex: „Niemand rechnet mit Konsequenzen“
       
       > Die EU schottet sich immer weiter vor Flüchtenden ab, und Deutschland
       > macht mit. Was das bedeutet, hat Jonas Blume im Einsatz bei Frontex
       > erlebt.
       
 (IMG) Bild: Eine Beamtin der Bundespolizei mit einem griechischen Kollegen im Frontex-Einsatz auf der Insel Lesbos 2016
       
       Jonas Blume* hat sich im Frühjahr 2026 bei der taz gemeldet. Er heißt
       eigentlich anders, sein echter Name ist der taz bekannt, es fanden mehrere
       Gespräche mit ihm statt. Um Blume Identität zu schützen, bleiben einige
       Details im Text vage, etwa Zeit und Ort der Vorfälle, die er schildert. Zur
       Verifikation seiner Aussagen hat die taz verschiedene Personen aus Blumes
       Umfeld befragt, unter anderem eine seiner Kolleginnen bei der Bundespolizei
       und eine ehrenamtliche Helferin, die ihm in einem Flüchtlingscamp begegnet
       ist. Der taz liegen außerdem verschiedene Dokumente vor, die Blumes
       Karriere als Bundespolizist sowie seinen Einsatz für die
       EU-Grenzschutzagentur Frontex belegen. 
       
       taz: Herr Blume, [1][Frontex leiht sich regelmäßig Einsatzkräfte von den
       EU-Staaten aus]. So auch Bundespolizisten wie Sie. Was haben Sie bei den
       Einsätzen erlebt? 
       
       Jonas Blume: Ich war mehrmals für Frontex an den EU-Außengrenzen im
       Einsatz. Unsere Aufgabe war es, die lokale Polizei beim Grenzschutz zu
       unterstützen. Dabei habe ich viele schlimme Erfahrungen gemacht.
       
       taz: Welche? 
       
       Blume: Zum Beispiel haben die Kollegen gezielt Masken aufgezogen und ihre
       Maschinenpistolen herausgeholt, wenn wir eine Gruppe Geflüchteter gefunden
       haben. Die Leute haben geweint, die Eltern haben ihre Kinder gehalten.
       Keiner außer mir hat versucht, die Menschen zu beruhigen. Früher habe ich
       gedacht, der deutsche Staat und die EU sorgten dafür, dass mit Flüchtlingen
       menschlich umgegangen wird. Dieser Glaube ist Stück für Stück
       zusammengebrochen.
       
       taz: Und trotzdem haben Sie für Frontex weitergearbeitet? 
       
       Blume: Der Einsatz ging einige Wochen. Ich habe aber angefangen, in meiner
       Freizeit in ein Flüchtlingslager zu fahren, und habe mich dort mit einigen
       der Bewohner angefreundet. Die Menschen waren unter sehr schlechten
       Bedingungen untergebracht. Auf mich wirkte das so, als sollten sie zermürbt
       werden, um andere abzuschrecken.
       
       taz: Die Helfer*innen waren sicher begeistert, dass plötzlich ein
       Frontex-Mann im Lager stand. 
       
       Blume: Soweit ich weiß, war ich der erste Polizist, der sich bei den NGOs
       hat blicken lassen. Entsprechend skeptisch wurde anfangs auf mich reagiert.
       Aber sie haben gemerkt, dass ich es ernst meine. Mich hat sehr beeindruckt,
       wie gut die NGOs organisiert waren. Sie haben gelegentlich Clowns in das
       Lager bestellt für die Kinder. Es gab sogar ein [2][Frauenhaus]. Ich habe
       dann dort Pakete gepackt und gespendete Klamotten sortiert. Es gibt mir bis
       heute Hoffnung, wie die Zivilgesellschaft überall dort einspringt, wo der
       Staat versagt.
       
       taz: Erst Frontex, dann [3][Flüchtlingshelfer] – klingt nach dem Drehbuch
       eines deutschen Spielfilms. Oder einem persönlichen Bruch . Was ist da
       passiert? 
       
       Blume: Als ich zwei afghanische Flüchtlinge persönlich kennengelernt hatte,
       hat das in mir sehr viel bewegt. Ich habe Schritt für Schritt verstanden,
       dass die vielen Berichte über Menschenrechtsverletzungen an den Grenzen
       wahr sind.
       
       taz: Und Ihre Kollegen haben das einfach nicht gesehen? 
       
       Blume: Es war erschütternd, wie wenig meine Arbeitskollegen sich dafür
       interessiert haben. Die waren in ihrer Freizeit schick essen und haben
       tolle Wanderungen gemacht. Vermutlich beschäftigen sich die meisten
       Polizisten nicht mit dem Unrecht oder reden es sich schön, weil die
       Wahrheit schwer zu ertragen ist und sicherlich das eigene Leben schwieriger
       macht. Ich konnte das nicht: einfach meinen Job machen und keine weiteren
       Fragen stellen.
       
       Konfrontiert mit Blumes Berichten teilt ein Frontex-Sprecher mit, man nehme
       solche Vorwürfe „sehr ernst“. Rassistisches oder diskriminierendes
       Verhalten sei mit den Standards der Organisation unvereinbar. Um
       Verdachtsfälle zu identifizieren und zu überprüfen, gebe es unabhängige
       Kontrollmechanismen. 
       
       In den vergangenen Jahren [4][dokumentierte eine Vielzahl von
       Medienberichten immer wieder das Fehlverhalten von Frontex] und seinen
       Beamt*innen. Die Agentur soll etwa Gewaltexzesse nationaler Grenzschützer
       ignoriert haben und insbesondere in Griechenland systematisch örtliche
       Einsatzkräfte bei sogenannten Pushbacks unterstützt haben, bei denen
       Geflüchtete rechtswidrig mit Gewalt über Grenzen zurückgetrieben werden. 
       
       Allen Skandalen zum Trotz erhöhten die EU-Mitgliedstaaten das Budget von
       Frontex massiv auf über 1,2 Milliarden Euro im Jahr. Auf
       menschenrechtsbezogene Angelegenheiten entfallen davon nur 2,38 Millionen
       Euro. 
       
       taz: Sie scheinen bei Frontex fehl am Platz gewesen zu sein. Wie sind Sie
       dort überhaupt gelandet? 
       
       Blume: Ich weiß nicht, ob Frontex damals schon so in der Kritik stand wie
       heute. Wenn ja, war es mir nicht bewusst. Und wenn man von den moralischen
       Problemen nichts weiß, dann klingt der Einsatz wie eine coole Sache. Man
       bekommt etwa das doppelte Gehalt, und die Auslandserfahrung ist gut für die
       Karriere. Ich war etwas naiv.
       
       taz: Trotz Ihrer Erfahrungen beim ersten Einsatz waren Sie später erneut
       bei Frontex. Warum? 
       
       Blume: Ich hatte wohl verdrängt, wie schwierig der erste Einsatz für mich
       war. Es hat mich aber auch einfach interessiert, wie sich die Lage dort
       entwickelt hat. Auf der Hinfahrt hat ein Kollege das Wort „Ölauge“ benutzt,
       um über nichtweiße Leute zu reden. Das war ein erstes Tief. Aber so richtig
       abwärts ging es, als ich am ersten Einsatztag einen Zeitungsartikel gelesen
       habe, in dem es um uns ging.
       
       taz: Um Frontex? 
       
       Blume: Es ging um einen Pushback, an dem Frontex mitgewirkt hat.
       Aufgegriffene Flüchtlinge seien der örtlichen Polizei übergeben worden, die
       die Menschen dann zurück über die Grenze gezwungen habe. Das war
       superheftig. Ich hatte mir geschworen, mich niemals an so etwas zu
       beteiligen. Jetzt konnte ich in der Zeitung lesen, dass meine Arbeit genau
       darauf hinauslief.
       
       taz: Hat Sie das überrascht? 
       
       Blume: Ja, ich dachte vorher wirklich, dass die Polizei sich in meinem
       Einsatzgebiet an Recht und Gesetz hält. Ich bin mit dem Zeitungsartikel
       dann zu meinem Chef gegangen. Er hat mir zugestimmt, und wir sind zu seinem
       Vorgesetzten gegangen. Der argumentierte aber, das sei schon okay. Wie die
       lokalen Behörden mit den Flüchtlingen umgingen, sei deren Sache. Sie würden
       uns ja eh wegschicken, weil sie bei den Pushbacks keine Zeugen haben
       möchten.
       
       taz: Wie ging es weiter? 
       
       Blume: Ich habe lange mit mir gerungen und versucht, mit Kollegen darüber
       zu reden und sie für das Thema zu sensibilisieren. Eine Kollegin hat sich
       dafür bedankt. Ein anderer Kollege hat gesagt, ich sei mit meiner
       Einstellung falsch bei der Bundespolizei. Es gebe zwischen Theorie und
       Praxis eben einen Unterschied. Wie kann man so eine Einstellung haben? Aber
       das Schlimme ist, dass er recht hat: Es gibt an den EU-Außengrenzen ja
       wirklich einen riesigen Unterschied zwischen dem, wie es offiziell sein
       sollte, und dem, wie es ist.
       
       taz: Wie haben Sie das verarbeitet? 
       
       Blume: Als ich zurück in Deutschland war, konnte ich nicht mehr schlafen
       und war völlig neben mir. Ich hatte übertriebene Ängste und konnte
       einfachste Tätigkeiten nicht ausführen. Das Schlimmste war das Gefühl,
       meine Werte zu verraten. Ich habe nie wieder einen Frontex-Einsatz gemacht.
       
       Frontex bestreitet, dass sich die Organisation oder einzelne ihrer
       Beamt*innen an Pushbacks beteiligt haben. Auf Blumes Vorwürfe antwortet
       ein Sprecher der taz, gemeldete Vorfälle oder Medienberichte darüber würden
       „im Rahmen der Überwachungs- und Berichterstattungsmechanismen der Agentur
       geprüft“, anschließend würden „geeignete Folgemaßnahmen“ ergriffen. 
       
       Die deutsche Bundespolizei teilt zu etwaigen Verstrickungen ihrer
       Beamt*innen in solche Vorfälle mit, Hinweise würden „den vorgesehenen
       Melde- und Prüfwegen zugeführt und aufgeklärt“. Trotz der Medienberichte
       über systematische rechtswidrige Pushbacks durch Frontex entsandte die
       Bundespolizei im laufenden Jahr rund 300 Beamt*innen zu Einsätzen der
       Agentur. 
       
       taz: Sie haben ja nicht nur für Frontex an den EU-Außengrenzen gedient,
       sondern auch als Bundespolizist an den deutschen Grenzen. Wie war das? 
       
       Blume: Es gab einige heftige Situationen. Wir waren in Süddeutschland
       eingesetzt und haben an der Autobahn kontrolliert. Ein Kollege hat mir auf
       seinem Handy ein Foto von einer nackten Frau gezeigt, die zutätowiert war
       mit Hakenkreuzen. Ob das nicht geil sei? Ich habe das meinem Zugführer
       gemeldet und wurde von dem aber einfach abgewimmelt. Der Kollege sei ja
       eigentlich ein Guter. Danach hatte ich das Gefühl, ich sei in der Einheit
       nicht mehr erwünscht.
       
       taz: Weil Sie den Vorfall gemeldet haben? 
       
       Blume: Ja. Die Leute in einer Einheit kennen sich ja. Und ich glaube, viele
       waren so eingestellt wie der Mann, der mir das Foto gezeigt hat. Zumindest
       schien es niemanden zu stören.
       
       taz: Warum denken Sie das? 
       
       Blume: Es gab viele solcher Situationen. Eine Gruppe Kollegen stand
       zusammen, und einer hat erzählt, beim Arzt habe sich letztens ein
       Flüchtling vorgedrängelt. Sollte man kastrieren, meinte der Kollege. Ein
       paar haben gelacht, niemand hat etwas dagegen gesagt außer mir. Dabei ist
       doch klar: Solche Leute gehören nicht in die Polizei. Und gleichzeitig
       fällt es mir schwer, damit umzugehen. Ich mochte den, der das gesagt hat,
       sogar irgendwie. Ich glaube, das kann man nicht nachvollziehen, wenn man da
       nicht drinsteckt und mit den Leuten so viel Zeit verbringt.
       
       taz: Hat sich der [5][Rassismus einiger Ihrer Kollegen] auch direkt im
       Verhalten gegenüber Flüchtenden niedergeschlagen? 
       
       Blume: Es gab eine Situation, die mir sehr im Gedächtnis geblieben ist, das
       muss 2015 an der deutschen Grenze gewesen sein. Als ich dazugekommen bin,
       lag ein Schwarzer Mann gekrümmt auf dem Boden und hat geschrien. Er hat uns
       angebettelt, dass er Bauchschmerzen hat und es nicht mehr aushält. Ich
       wollte einen Krankenwagen rufen. Mein Kollege sagte dann, dass wir keinen
       Krankenwagen rufen, weil „in dem Bananenland“, wo der Mann herkomme, auch
       kein Krankenwagen in 20 Minuten käme.
       
       taz: Und dann? 
       
       Blume: Ich habe den Krankenwagen trotzdem rufen lassen, ohne dass der
       Kollege es mitbekommt. Er hat es aber gemerkt und mich angeschrien. Ich sei
       ein Gutmensch und Grünen-Wähler. Er wollte wirklich auf mich losgehen und
       musste von Kollegen zurückgehalten werden.
       
       Mit den Vorwürfen Blumes konfrontiert, antwortet eine Sprecherin der
       Bundespolizei, sie könne zu derartigen Fällen keine Angaben machen, da die
       Schilderungen nicht ausreichten, um sie etwaigen registrierten Vorfällen
       zuzuordnen. Grundsätzlich gelte, dass die Bundespolizei ihre Aufgaben
       „unter Beachtung rechtlicher Vorgaben“ ausführe und dies „immer ungeachtet
       von Hautfarbe, Geschlecht, Religion oder in Anknüpfung sonstiger
       Anhaltspunkte wie ethnischer Herkunft“. 
       
       taz: Warum sind Sie eigentlich zur Bundespolizei gegangen? 
       
       Blume: Ich war sehr jung und wollte einen abwechslungsreichen Beruf mit
       Menschen und Sport. Außerdem habe ich einen hohen Gerechtigkeitssinn. In
       meiner Familie galt ein Beruf im Staatsdienst als gute Idee. Im Nachhinein
       denke ich mir: Immerhin bin ich nicht zur Bundeswehr gegangen – selbst wenn
       die Entscheidung, zur Polizei zu gehen, ja auch nicht so toll war.
       
       taz: Sind Sie ein politischer Mensch? 
       
       Blume: Ich war schon immer gegen Faschismus, aber nie auf Demos. Ich war
       vielleicht auch deswegen nicht richtig sensibilisiert, was Themen wie
       Rassismus und Polizeigewalt angeht. Das hat sich mit der Zeit aber
       geändert.
       
       taz: Wie war [6][die Ausbildung]? 
       
       Blume: Ich habe schnell gelernt, dass man keine Widerworte äußert und sich
       unterordnet, wenn man weiterkommen möchte. Wir sind viel im Gleichschritt
       marschiert. Immer wieder mussten wir zur Strafe auch antreten, wie beim
       Militär. Eine gängige Strafe waren „Deutsche“. So hießen bei uns die
       Liegestütze. Als ich später in den gehobenen Dienst aufstieg, hatten wir
       Dozenten, deren Positionen ich problematisch fand. Einer davon war Stephan
       Maninger, ein Professor für Sicherheitspolitik. Er gehört zu den
       Gründungsmitgliedern des Trägervereins des Instituts für Staatspolitik und
       schrieb in neurechten Medien von „Ethnosuizid“ und „Demographie als Waffe“.
       Ich verstehe nicht, warum man solche Personen bei der Bundespolizei
       beschäftigt, geschweige denn als Dozenten einsetzt.
       
       Stephan Maninger ist ein deutsch-südafrikanischer Wissenschaftler für
       Sicherheitspolitik. Er gehörte zu den Gründern des rechtsextremen Instituts
       für Staatspolitik und veröffentlichte Texte in der rechten Wochenzeitung
       Junge Freiheit. Die Gewerkschaft der Polizei bezeichnete ihn 2025 als
       „ausgewiesenen Extremisten“. Nachdem seine Verbindungen nach rechts
       öffentlich wurden, beurlaubte ihn die Bundespolizeiakademie zunächst.
       Mittlerweile [7][lehrt er dort aber wieder.] Im Mai 2026 wurde er gar zum
       Professor auf Lebenszeit ernannt. Auf explizite Nachfrage der taz bei der
       Bundespolizei äußerte diese sich nicht zum Fall Maninger.
       
       taz: Seit Frühjahr 2025 gehen Beamte [8][auch an den deutschen Grenzen mit
       Pushbacks gegen Asylsuchende] vor, wobei das Bundesinnenministerium lieber
       von Zurückweisungen spricht. Sickert das Unrecht der EU-Außengrenzen nach
       Deutschland ein? 
       
       Blume: Das Verwaltungsgericht Berlin hat in mehreren Fällen entschieden,
       dass diese Zurückweisungen rechtswidrig sind. Eigentlich müsste jeder
       Bundespolizist bei rechtlichen Bedenken remonstrieren.
       
       taz: Remonstrieren? 
       
       Blume: So heißt es im Beamtenrecht, wenn man zum Vorgesetzten geht und
       Bedenken über einen Befehl äußert, der einem rechtswidrig scheint.
       
       Die Zurückweisungen an den deutschen Außengrenzen laufen weiter. Dabei
       wurden laut offiziellen Angaben bis Juni 2026 insgesamt rund 42.000
       Menschen abgewiesen, darunter mindestens 2.000, die explizit um Asyl
       gebeten hatten. Eine Sprecherin der Bundespolizei beantwortete die
       Nachfragen der taz zum Agieren der Beamt*innen bei den Zurückweisungen
       nicht direkt, teilte aber mit, diese würden stets „unter Beachtung
       rechtlicher Vorgaben“ arbeiten. 
       
       Kürzlich hatte die Bundesregierung zugeben müssen, dass Gerichte, die sich
       mit der Praxis beschäftigten, bisher in jedem einzelnen Fall entschieden,
       dass die Zurückweisung Schutzsuchender rechtswidrig ist. Das
       Bundesinnenministerium argumentiert, diese Entscheidungen würden nur für
       einzelne Kläger und nicht allgemein gelten. 
       
       taz: Warum remonstrieren die Beamten Ihres Erachtens nicht? 
       
       Blume: Ein paar werden vielleicht Gewissensbisse haben. Aber ich bin mir
       sicher, dass viele Polizisten voll dahinterstehen. Und solange das Vorgehen
       politisch gedeckt ist, rechnet niemand mit Konsequenzen. Man muss nur auf
       die EU‑Außengrenzen schauen und die systematischen Pushbacks dort.
       Natürlich entsteht der Eindruck, dass rechtswidriges Handeln folgenlos
       bleibt, während der Einsatz für die Rechte der Flüchtlinge der eigenen
       Karriere schaden kann.
       
       taz: Denken Sie, das ist ein strukturelles Problem in der Bundespolizei? 
       
       Blume: Ich weiß, dass meine Erfahrungen subjektiv sind und es große
       Unterschiede zwischen Dienststellen gibt. Aber immer, wenn ich Probleme
       angesprochen habe, war Ablehnung die Folge und teils handfeste Nachteile.
       Das scheint mir ein strukturelles Problem. Dahinter steckt auch die Frage,
       wer die Polizei kontrolliert. Momentan sind es andere Polizisten, die bei
       Fehlverhalten ermitteln. Das ist ein Interessenkonflikt. Und wenn jemand
       das anspricht, kommt immer gleich das Argument, das bediene einen
       Generalverdacht gegen alle Kollegen. Dabei ist es genau umgekehrt: Mit dem
       Verweis auf einen Generalverdacht jeden Vorwurf abzuwehren, scheint mir
       ziemlich verdächtig.
       
       Aktualisiert am 19.10.2026. In einer früheren Fassung des Textes wurde
       statt des Pseudonyms „Jonas Blume“ das Pseudonym „Jonas Müller“ verwendet.
       Es gibt allerdings einen Bundespolizisten der tatsächlich Jonas Müller
       heißt, und mit dem Interviewpartner der taz nichts zu tun hat. Um keine
       Missverständnisse aufkommen zu lassen wurde das Pseudonym geändert. d. R.
       
       18 Oct 2026
       
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