# taz.de -- Rechtsextremer Anschlag in Frankreich: Behalten Sie Pengo Bossio Wangi in Erinnerung!
> Während die Proteste in Frankreich die Schlagzeilen bestimmen, geht ein
> rassistischer Terrorakt im Land unter. Das befeuert die Gewalt.
(IMG) Bild: Trauer um Pengo Bossio Wangi am 25. Oktober in Trappes
Wenn Sie an die letzten Wochen in Frankreich denken, haben Sie vielleicht
die Hunderttausenden Demonstrierenden vor Augen, die vielerorts die Straßen
füllen; denken Sie an brennende Barrikaden und Polizist*innen, die
gewalltvoll versuchen, ihre Vorstellung von Kontrolle zu bewahren.
Vielleicht denken Sie auch an das brennende Rathaus in Limoges oder daran,
wie Plünderer Luxuswaren aus Chanel-Filialen tragen. Aber Sie sollten auch
an Pengo Bossio Wangi denken.
Der 26-Jährige wurde vergangene Woche bei einem Anschlag [1][erschossen].
Er war MMA-Amateur-Boxer und er war Schwarz. Fünf weitere Personen wurden
schwer verletzt. Darunter ein 11-jähriges Mädchen, sie hat laut ihrer
Mutter ein Hidschāb getragen, acht Kugeln haben sie getroffen.
Auf Menschen wie sie hatte es Kevin T. abgesehen mit seiner rassistischen,
islamfeindlichen Terrorattacke. Mit dem Auto ist der Täter durch die
Gemeinden Trappes und La Verrière bei Paris gefahren, hat mit einem
Maschinenpistole über Hundert Schüsse auf Passant*innen abgegeben und
dabei gezielt Schwarze und arabische Menschen angegriffen. Bei ihm wurde
ein Exemplar von „Mein Kampf“ gefunden, gegen ihn ermittelt nun die
Anti-Terror-Staatsanwaltschaft.
Auch diese Ereignisse gehören zu der Frage, was da gerade in Frankreich
passiert. Dem Anschlag geht ein gesellschaftliches Klima voraus.
Rassistische Parolen, befeuert von der extremen Rechten, allen voran den
führenden Politiker*innen des Rassemblement National (RN), haben
zugenommen. Die Proteste sind nur eine neue Projektionsfläche, die
Ressentiments in politischer Breite auszuleben.
## Als wolle man die Augen verschließen
Nach Informationen der französischen Tageszeitung Le Monde soll Kevin T.
angegeben haben, die geplünderten Ladenbesitzer von den Ausschreitungen am
17. Oktober rächen zu wollen. Die Sprache und Parolen der extremen Rechten
werden die Debatten auch bis zur Präsidentschaftswahl prägen.
Trotzdem dominierte am Wochenende in den Medien die Frage, ob es bei den
landesweiten Protesten, dem „Akt II“, erneut zu Ausschreitungen käme. Nur
wenige schauen nach Trappes zu dem Attentat und den Hunderten Menschen, die
sich am Samstag dort in Trauer versammelt haben, oder auf die zahlreichen
Kundgebungen gegen Rassismus.
Als wolle man die Augen verschließen davor, wie tief Rassismus unsere
Gesellschaft durchdrungen hat und den Rechtsruck prägt; ob in Deutschland
oder Frankreich.
Nach den Ausschreitungen am 17. Oktober dominiert das Narrativ, die
Einwander*innen und Menschen mit Migrationsgeschichte seien schuld.
Zumal die extreme Rechte seit Jahren an der Erzählung vom Feind im Inneren
arbeitet, den sie durch Migrant- und Muslim*innen definiert. Der
Parteivorsitzende des Rassemblement National [2][Jordan Bardella] befeuerte
den Rassismus immer wieder, nannte Trappes die „islamische Republik im
Kleinen“. Der linke Bürgermeister der Stadt kritisiert, Trappes sei immer
wieder zur Zielscheibe gemacht worden.
## Das Kernversprechen
Wie gravierend die zunehmende Verbreitung von rassistischer Hetze ist,
scheint immer noch nicht wirklich angekommen zu sein. So fährt der
französische Präsident Emmanuel Macron noch am Freitag nach Trappes. Er
nimmt das Attentat ernst, nennt es einen „rassistischen Terroranschlag“ und
einen Wendepunkt für Frankreich, er will es wohl richtig machen – und
versagt dann doch: Er erklärt in seiner Rede, es sei das „erste Mal, dass
es einen Terrorakt gibt, der darauf abzielt, unsere Landsleute, unsere
Kinder, aufgrund ihrer Hautfarbe oder der Religion, die man ihnen
zuschreibt, zu töten“.
Damit verkennt er die Geschichte der rassistischen Gewalt in Frankreich.
Zumal auch Politiker seines Lagers und Konservative immer wieder selbst
Begriffe aus einer rechtsextremen Vorstellungswelt nutzen. Kommt einen auch
mit Blick auf Deutschland irgendwie bekannt vor, nicht?
Die Narrative hängen zusammen, darauf müssen Medien achten, insbesondere
angesichts der [3][anstehenden Proteste von Gen Z regelt.] Auch deutsche
Politiker*innen, allen voran der CDU, haben sich der rassistischen
Interpretation angeschlossen und auf die Proteste hierzulande projiziert.
Und natürlich bleibt die Sorge, dass das nur der Anfang war. Diese
Gemengelage könnte sich bis zur Präsidentschaftswahl in Frankreich im April
weiter zuspitzen; sodass Schwarze, Muslime und alle, die als solche gesehen
werden, Angst haben müssen, vor zunehmender Feindseligkeit in der Sprache
oder vor körperlicher Gewalt. Deshalb ist es nur richtig, die Proteste auch
als antirassistisch zu begreifen und als Bollwerk gegen die extreme Rechte.
Es geht um das Kernversprechen der égalité, der Gleichheit, in jeder
Hinsicht. Bei einer der Demonstrationen am Montag verspricht Benjamin Ball,
einer der Organisatoren der Gelbwesten, dass bei den kommenden
Demonstration, angefangen an diesem Sonntag, die „Feministinnen,
Antirassisten (…) an der Spitze der Demonstrationen stehen werden“.
30 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] http://az.de/Schuesse-aus-Auto-in-Frankreich/!6224379&s/
(DIR) [2] /Frankreich-vor-Praesidentschaftswahlen/!6217288
(DIR) [3] /Angriffe-auf-Gen-Z-regelt-Proteste/!6225340
## AUTOREN
(DIR) Adefunmi Olanigan
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