# taz.de -- Proteste in Frankreich: Lektion in Sachen Demokratie
> Hunderttausende sind in Frankreich trotz Demonstrationsverboten auf die
> Straße gegangen. Statt sie anzuhören, fährt die Regierung eine
> Verleumdungskampagne.
(IMG) Bild: Die Sozialproteste in Frankreich gehen unverzagt weiter
Trotz [1][vieler Kundgebungsverbote] und aller möglicher Behinderungen
durch die staatliche Obrigkeit haben am Wochenende in Frankreich erneut
Hunderttausende demonstriert. Sie haben Mut und Besonnenheit bewiesen und
damit der autoritären Staatsführung eine Lektion in Sachen Demokratie
erteilt.
Diese Obrigkeit hat das Demonstrationsrecht in gravierender Weise
eingeschränkt und mit Unterstützung eines Teils der Medien alles getan, um
die Protestierenden einzuschüchtern. Diese sind demnach von einer nebulösen
„Ultralinken“ manipuliert, [2][nützliche Idioten der Wahlkampagne von La
France insoumise], Komplizen von Randalierern sowie mitverantwortlich für
den Schaden bei den Plünderungen, ja sogar für Frankreichs Imageverlust auf
den Finanzmärkten, was das Land wegen höherer Zinslasten teuer zu stehen
komme.
Die Plünderungen und die [3][Gewalt bei den Demonstrationen] kann durch
nichts gerechtfertigt werden, auch nicht mit der schockierenden
Polizeigewalt und den verbalen Provokationen. Die Randale hat keinen
politischen Sinn und nützt letztlich der repressiven Ordnungspolitik. Die
Argumentation der Staatsführung hält einer näheren Betrachtung jedoch nicht
stand und ist eine Verleumdungskampagne einer schwachen und von der
Krisenbewältigung überforderten Regierung.
Darüber könnte man spotten, wäre das nicht alles [4][Wasser auf die Mühlen
der extremen Rechten], die bei den Präsidentschaftswahlen in sechs Monaten
mit Marine Le Pen an die Macht kommen könnte. Den gegenwärtigen
Präsidenten, Emmanuel Macron, scheint das nicht groß zu stören. „Falls er
der extremen Rechten zur Macht verhelfen wollte, könnte er das nicht besser
machen“, schreibt die französische Zeitung Libération.
Mit seiner repressiven Politik hat Macron Frankreich in eine Krise
gestürzt. Die Eskalation kam von der Staatsführung. Macron hatte die Wahl:
Er hätte die Schüler:innen und die Gelbwesten endlich ernst nehmen
können, über Kredite für die Schulen und Maßnahmen für die Steigerung der
Kaufkraft der Schwächsten diskutieren oder wenigstens [5][die Forderungen
anhören können]. Doch seine Antwort waren Tränengas und
Demonstrationsverbote. Er muss sich nicht wundern, dass die unverzagt
weiter Protestierenden seine Absetzung verlangen.
25 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Antifademo-gegen-RN-Kongress-in-Orleans/!6223999
(DIR) [2] /Eskalationen-in-Frankreich/!6223418
(DIR) [3] /Krawalle-statt-Demos-in-Frankreich/!6222308
(DIR) [4] /Ausschreitungen-in-Frankreich/!6218304
(DIR) [5] /Eskalation-in-Frankreich/!6218255
## AUTOREN
(DIR) Rudolf Balmer
## TAGS
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Schwerpunkt Frankreich
(DIR) Sozialproteste
(DIR) Demonstrationsverbot
(DIR) Demonstrationen
(DIR) Schwerpunkt Emmanuel Macron
(DIR) Rechtsruck
(DIR) Marine Le Pen
(DIR) GNS
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Proteste in Frankreich: Tanzen, Tränengas, Barrikaden
In Marseille reißen die Proteste gegen das teure Leben auch dieses
Wochenende nicht ab. Die Polizei fährt Panzer auf, erneut brennen etliche
Barrikaden.
(DIR) Eskalationen in Frankreich: Die Schuld der Macht
Laut Regierung und rechter Presse ist die Linkspartei La France insoumise
für die Unruhen in Frankreich verantwortlich. Unser Autor findet den Fehler
woanders.
(DIR) Nach Protesten in Frankreich: Mindestens 1.000 Festnahmen
In Frankreich gehen Hunderttausende Menschen friedlich auf die Straßen. Es
gibt aber auch wieder Gewalt – trotz eines Großaufgebots der Polizei.
(DIR) Schulproteste in Frankreich: Woher kommt die Wut?
Frankreichs Schüler*innen protestieren für eine bessere Bildungspolitik.
Wer sind ihre Unterstützer*innen? Und wer stellt sich ihnen in den Weg?