# taz.de -- Jugendproteste am 31. Oktober: Wer ist „Gen Z regelt“ und was wollen sie?
> Die Initiative ruft bundesweit zu Demos auf. Obwohl sie Gewalt
> ausschließt, werden Verbote gefordert. Grüne Jugend und Linksjugend
> solidarisieren sich.
(IMG) Bild: Warum genau „Gen Z regelt“ ein Eichhörnchen als Symboltier hat bleibt noch zu beantworten
Kann man gerade einer neuen sozialen Bewegung beim Entstehen zusehen? Seit
vergangener Woche explodieren die Zahlen der angekündigten
Teilnehmer:innen für die Proteste unter dem Motto „Gen Z regelt“, die
am kommenden Samstag in bislang 24 Städten bundesweit geplant sind. Waren
es am vergangenen Mittwoch noch kaum 10.000, sind es am Dienstag dieser
Woche bereits über 140.000.
Auf der [1][Website mit einem Eichhörnchen als Logo] können Interessierte
ihre Teilnahme für die Demo in ihrer jeweiligen Stadt ankündigen und den
Wettbewerb anheizen: Wo gehen mehr Leute auf die Straße?
Aktuell führen Stuttgart und Köln die Liste mit je etwa 12.000
angekündigten Teilnehmer:innen an. Aber auch in Hamburg, Frankfurt
(Main) oder Berlin wollen sich Tausende an den Protesten beteiligen. Zwar
ist die Zusage unverbindlich, trotzdem hat „Gen Z regelt“ offensichtlich
einen Nerv getroffen, wenn sie schreiben: „Wir sind junge Menschen, die
nicht länger zusehen wollen, wie über unsere Zukunft entschieden wird, ohne
dass wir gehört werden.“
Ist der Funke der Schüler*innen-Proteste aus anderen europäischen Ländern
übergesprungen? Erlebt Deutschland am kommenden Samstag einen „Fridays for
Future“-Moment? Und wer steckt dahinter?
## Schutz
Anruf bei Akram Selo, nach eigenen Angaben 18 und Abiturient. Er war der
Erste, der für die Organisation mit der Presse sprach. Sein Name steht im
Impressum der Website, die Adresse hat sich mehrmals geändert, lag erst in
Süddeutschland, nun in der Schweiz. Das müsse man verstehen, sagt er. „Wir
sind junge Leute, möchten auch irgendwo unsere Privatsphäre schützen, uns
auch vor Leuten schützen, die unsere Bewegung vielleicht nicht so feiern.“
Die Website habe er aufgesetzt, sagt er – auch mithilfe von KI. Sie hätten
nicht damit gerechnet, dass sich so viele Leute anmelden. „Wir haben es
natürlich gehofft, weil wir wissen, dass es sehr vielen jungen Menschen
ähnlich geht wie uns, dass sie sich vernachlässigt fühlen und Angst um ihre
Zukunft haben.“
Mit „Wir“ meint er das Orgateam, das aktuell aus etwa 30 Personen besteht,
er sei der Jüngste. Sie seien zwischen 18 und 28 Jahre alt, gingen zur
Schule, studierten oder arbeiteten, wohnten in verschiedenen Städten und
hätten sich erst über Social Media kennengelernt. „Wir kannten uns vorher
nicht, aber haben alle dasselbe Problem“, sagt Selo. Den Slogan hätten sie
aus Social Media übernommen, wo er schon vorher kursierte.
Inhaltlich macht „Gen Z regelt“ eine breite Palette auf. Die Initiative
stellt sich gegen Kürzungen der Bildungsausgaben, gegen die Wehrpflicht und
steigende Lebenshaltungskosten, „während Großunternehmen weiter profitieren
und Milliarden in Aufrüstung fließen“. Außerdem fordert sie konsequenten
Klimaschutz und tritt gegen den Ausbau staatlicher Überwachung ein. „Wohin
wir auch schauen, sehen wir Krisen und kaum eine Perspektive für uns“,
steht auf der Website. Welches Thema am wichtigsten ist, kann Selo nicht
sagen. „Wir wollen eine Zukunft, in der wir junge Menschen einen Platz
haben und deswegen sind alle wichtig.“
Friedlich solle ihr Protest sein, das betont er mehrmals am Telefon. Das
steht auch in der Erklärung der Initiative: „Wir sind gegen jede Form von
Gewalt“ und: „Gewalt gegen Menschen oder Sachen widerspricht allem, wofür
wir stehen“. Warum sie sich noch vor dem Protest zu dieser Erklärung
entschieden haben, erklärt Selo so: „Weil wir die Erfahrung gemacht haben,
dass die Medien uns vorwerfen, dass unser Ziel Krawalle sind und wir das so
machen wollen, wie in Frankreich, deswegen mussten wir uns distanzieren,
weil wir nichts unterstellt bekommen wollen.“
## 5 aus 24
Bislang wirkt es nicht so, als stünden hinter dem Orgateam von „Gen Z
regelt“ etablierte Akteur*innen der linken oder linksradikalen Szene
oder potente Geldgeber aus Nichtregierungsorganisationen. Es entsteht eher
der Eindruck einer kleinen Gruppe, die sich gerade erst zusammengefunden,
eine Stimmung aufgenommen und etwas losgetreten hat. Doch nur 5 der 24
Demos, die parallel um 14 Uhr starten sollen, werden von der Initiative
selbst betreut. In einer offiziellen Telegram-Gruppe sucht das Team noch
Organisator:innen und Ordner:innen für die anderen Städte.
Hier wächst etwas ziemlich schnell und irgendwie organisch – was nicht alle
Beteiligten gut finden. In der kurzen Zeit ihres Bestehens hat die Gruppe
schon einen prominenten Sprecher verloren. Der Student und Influencer
Gianni Matheja, der auf Instagram als [2][„giannistudiert“ Uni-Content]
macht, hat die Rolle als Pressesprecher nach nur einem Tag wieder
abgegeben. Auf Instagram begründete er das damit, dass er „einen
gemeinsamen friedlichen Rahmen […] nicht mehr ausreichend abgesichert“
sehe, da unter dem Namen „Gen Z regelt“ unterschiedliche Gruppen
zusammenkämen, „deren Vorstellungen über Ziele und Formen des Protests
auseinandergehen“.
Auch die Bundesschüler*innenkonferenz distanziert sich von den
Protesten. In einer Pressemitteilung schreibt die Vertretung, sie
unterstütze die Forderungen der Initiative, halte die
Organisationsstrukturen allerdings für undurchsichtig. Obwohl „Gen Z
regelt“ sich ausdrücklich von Gewalt distanziert, schreibt die Konferenz:
„Gewalt und Gewaltaufrufe lenken von den eigentlichen Problemen im
Bildungssystem ab.“
Dazu sagt Selo, man distanziere sich nicht nur von Gewalt, sondern grenze
sich auch „sowohl von Rechtsextremismus als auch von Linksextremismus“ ab.
„Ich kann mit reinem Gewissen und vollstem Vertrauen sagen, dass das nicht
stimmt, dass wir unterwandert wurden oder das Extremisten im
Organisationsteam sind.“ Auch wolle man sich keiner Organisation oder
politischen Partei zuordnen.
Doch ganz so einfach ist es mit der Abgrenzung zu etablierten politischen
Akteuren, besonders zu linksradikalen, marxistisch-leninistischen und
antiimperialistischen Kreisen nicht. Kein Wunder, unterstützen doch Gruppen
aus genau diesen Kreisen seit Monaten die Proteste gegen die Wehrpflicht.
## Berichte
So gibt es aus verschiedenen Städten Berichte darüber, dass Kadergruppen
wie der Kommunistische Aufbau an der Organisation beteiligt sind. Der erste
Instagram-Beitrag des Berliner Accounts von „Gen Z regelt“ ist ein
Co-Posting mit der Neuköllner Jugendorganisation der Linkspartei. Bei einem
Vernetzungstreffen von Schulstreik gegen die Wehrpflicht in Berlin
vergangene Woche hing eine Flagge mit der Aufschrift „Gen Z regelt das –
Berlin“. Bei einer Schulblockade am Andreas -Gymnasium in Friedrichshain
wehte die Flagge ebenfalls. Eine Schulblockade am Montag in Leipzig lief
auch unter dem Banner von „Gen Z regelt“ und wurde prominent über deren
Kanäle verbreitet – auch hier waren etablierte linke Akteure involviert.
Für eine drohende Gewalteskalation bei den Demos am Samstag sprechen diese
Überschneidungen nicht. Auch die Proteste gegen die Wehrpflicht waren
bislang ausnahmslos friedlich. Und dennoch ist der Gegenwind, ja, die
Panikmache schon jetzt riesig. Noch vor der ersten Protestaktion
überschlägt sich die Politik mit Prognosen von Gewaltexzessen, teils in
rassistischer Manier, und Drohungen, mit aller Härte dagegen vorzugehen.
Immer wieder wird vor französischen Zuständen gewarnt.
Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Alexander Throm, erzählt
dem Handelsblatt von einer Kaperung durch linksextremistische und
kriminelle Kräfte aus dem migrantischen Milieu. Baden-Württembergs
Innenminister Manuel Hagel, ebenfalls CDU, will „mit aller Härte des
Rechtsstaats“ zurückschlagen. Die Gemeinderatsfraktion der CDU in Stuttgart
fordert die Prüfung eines Versammlungsverbots.
Falls das nicht klappt, hat die CDU-Jugendorganisation in Berlin-Mitte den
Einfall, die Bundeswehr heranzuziehen. Sie schreibt, Paris habe gezeigt,
was „die Hasser der freiheitlichen, demokratischen Ordnung“ anrichten. Auf
Instagram posten sie ein KI-generiertes Foto von Kindern mit Schulranzen am
Brandenburger Tor, davor Soldaten mit kugelsicheren Westen und Kampfhelmen.
Auch die Polizei beteiligt sich an der Kampagne gegen die Jugendproteste.
Der Bundesvorstand der Gewerkschaft der Polizei, Jochen Kopelke (SPD),
spricht gegenüber Bild davon, dass sich unter friedliche Schülerinnen und
Schüler „Krawallmigranten“ mischen würden, die „Bock auf Gewalt gegen die
Polizei“ hätten. Diese sollten von der Polizei „keine Gnade erwarten“.
Unterstützung bekommt die Initiative dagegen von den Jugendorganisationen
von Grünen und Linken. Der Bundesverband der Linksjugend kritisiert die
Vorverurteilung der als friedlich geplanten Proteste. „Als [3][Linksjugend
['solid]] begrüßen wir es, dass junge Menschen gegen die Kürzungspolitik
der Merz-Klingbeil-Regierung auf die Straße gehen.“
Auch die Grüne Jugend unterstützt die Proteste. Ihr Sprecher Luis Bobga
nennt es „richtig und wichtig, dass unsere Generation jetzt auch Druck auf
der Straße macht“. Beide Parteiorganisationen rufen zum Internationalen
Jugendstreiktag auf, der parallel in verschiedenen europäischen Ländern für
den 20. November geplant ist.
Für den 31. Oktober wünscht sich Akram Selo „friedlichen Protest“. Was er
unter darunter versteht? „Dass wir nur das machen, was das Grundgesetz
erlaubt.“
27 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://genz-regelt.de/
(DIR) [2] https://www.instagram.com/giannistudiert/?hl=de
(DIR) [3] https://www.linksjugend-solid.de/
## AUTOREN
(DIR) Amira Klute
(DIR) Malte Steinmüller
(DIR) Erik Peter
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