# taz.de -- Gen-Z-Protest in Berlin: Studierende blockieren Gebäude an der FU
       
       > Die Jugendproteste weiten sich in Berlin auf die erste Universität aus.
       > Studierende setzen sich gegen massive Kürzungen an den Hochschulen ein.
       
 (IMG) Bild: Studierende demonstrieren vor dem blockierten Otto-Suhr-Institut gegen Kürzungen an den Berliner Universitäten
       
       Am Mittwochmorgen stehen gegen zehn Uhr einige verwirrte Studierende vor
       dem Osteuropa-Institut der Freien Universität (FU) Berlin. Eigentlich
       wollen sie zum Tutorium, doch der Eingang ist verbarrikadiert. Bau- und
       Absperrzäune hindern sie am Reingehen. Ein Professor des Instituts erklärt
       den Verwirrten, was los ist: „Eine Gruppe von Studierenden hat die Eingänge
       blockiert. Die Veranstaltungen fallen den ganzen Tag aus.“
       
       Nicht nur das Osteuropa-Institut ist blockiert. Das Hauptgebäude des
       Otto-Suhr-Instituts für Politikwissenschaft haben Studierende ebenfalls mit
       gestapelten Mülltonnen, Fahrrädern und Holzpaletten verbarrikadiert. Über
       80 junge Erwachsene stehen vor dem Gebäude.
       
       Ihre Aktion ist [1][Teil der Gen-Z-Demonstrationen in Deutschland].
       [2][Nach zwei Schulblockaden] weitet die Initiative „Gen Z regelt“ die
       Jugendproteste damit auf die erste Berliner Universität aus. Am selben Tag
       blockieren Studierende auch Hochschulen in Hamburg und Leipzig.
       
       Auf einem Transparent fordern die Studierenden, die Kürzungen von
       Landesgeldern für die Berliner Universitäten zurückzunehmen. Außerdem
       solidarisieren sie sich mit den Schulstreiks in Frankreich und stellen sich
       gegen eine mögliche Wehrpflicht und die „Militarisierung“ in Deutschland.
       
       ## Viele Kufiyas und einige Vermummte
       
       „Wir wollen unsere kritische Lehre behalten“, fordert ein Student während
       einer Rede vor dem Eingang des Otto-Suhr-Instituts. Die Demonstrantinnen
       und Demonstranten klatschen. Viele tragen kurdische oder palästinensische
       Kufiyas, wirken internationalistisch politisiert. Einige wenige vermummen
       sich mit schwarzen Schlauchschals. Der Protest scheint bisher vor allem von
       besonders linken Studierenden auszugehen.
       
       „Hier am Institut werden Stellen der einzigen beiden wissenschaftlichen
       Mitarbeiter gestrichen, die kapitalismuskritische Theorien lehren“, erklärt
       eine Studentin. Das seien Dozierende, die mit ihren Seminaren dafür sorgen,
       dass „kritische, linke und queerfeministische Diskurse“ geführt würden,
       ergänzt „Gen Z regelt“ in einer Pressemitteilung.
       
       Der FU Berlin fehlen im Jahr 2026 Gelder in Höhe von 42,4 Millionen Euro.
       Zu verantworten hat die Kürzungen der schwarz-rote Senat. Verglichen mit
       vergangenen Jahren erhält die Universität 9,4 Prozent weniger Zuschüsse.
       Die investiven Mittel werden ihr ebenfalls um fast 25 Prozent gekürzt.
       Bisher ist laut der Pressestelle der Universität noch nicht einmal
       abzusehen, wie viele Stellen dadurch in den nächsten Jahren gestrichen
       werden müssen. Besonders treffe es jedenfalls Nachwuchswissenschaftlerinnen
       und -wissenschaftler, weil weniger Stellen nachbesetzt würden.
       
       Zwei Professoren des Instituts schauen sich den Protest aus der Ferne an.
       Beide unterstützen die Bildungsforderung der Studierenden. „Wir sind da
       alle einer Meinung. Das wird ansonsten verheerende Folgen haben“, sagt eine
       Professorin des Osteuropa-Instituts. Trotzdem stehen die beiden dem Protest
       auch kritisch gegenüber: „Ob die Aussperrung von Mitarbeitern der richtige
       Weg ist, weiß ich ehrlich gesagt nicht“, sagt Professor Robert Kindler. Die
       Studierenden könnten sich stattdessen mehr in den Universitätsgremien
       einbringen.
       
       ## Bisher keine Massenbewegung an der FU
       
       Ein Demo-Teilnehmer entgegnet der Kritik: „Nicht wir, sondern die Kürzungen
       sperren die Beschäftigten langfristig aus.“ Er kann außerdem verstehen,
       dass Studierende keine Lust auf die Gremien haben: „Erstens ist das viel
       Arbeit, und dafür haben viele Studierende keine Zeit. Zweitens können die
       Gremien die Kürzungen sowieso nicht aufhalten.“ [3][Dafür müsse sich die
       Politik auf Landesebene verändern]. „Unsere Aufgabe ist, Aufmerksamkeit auf
       die bestehenden Probleme zu richten.“
       
       Eine wirkliche Massenbewegung ist „Gen Z regelt“ an der FU Berlin bisher
       aber nicht. Die Studierenden, die auf dem Weg zu ihrem Tutorium waren,
       gehen gleich wieder nach Hause: „Wir unterstützen die Forderungen, aber wir
       haben auch Lust auf Studieren.“ Ob das am nächsten Tag wieder möglich sein
       wird, ist bisher noch unklar. Bis Redaktionsschluss besteht die Blockade.
       
       28 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Malte Steinmüller
       
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