# taz.de -- Brasilien nach der Stichwahl: Lulas Sieg crasht Brasiliens Börse
       
       > Die brasilianischen Finanzmärkte reagieren fast panisch auf den
       > Wahlerfolg des linken Präsidenten. Neu ist das nicht. Was ist nun zu
       > erwarten?
       
 (IMG) Bild: Für Spekulanten erst einmal ein Problem: Brasiliens wiedergewählter Präsident Lula
       
       Während manche Brasilianer nach dem [1][überraschenden Sieg von Präsident
       Lula] noch die letzten Böllerschüsse abfeuern, gab der Leitindex Bovespa am
       Montag um bis zu rund 17 Prozent nach. Die Börse von São Paulo, BR3,
       reagierte darauf zum ersten Mal seit der Covid-Pandemie mit einer
       automatischen Handelsunterbrechung. Das Länderrisiko stieg ebenso wie die
       Werte für künftige Zinsen, der Dollarkurs erreichte ein Tageshoch von 5,60
       und Einzelhändler wie Magalu oder Vamos verloren zeitweise mehr als die
       Hälfte ihres Werts, Vamos bis zu knapp 57 Prozent. Manche Kommentatoren
       nennen den Crash „historisch“, andere sehen eine Schockreaktion.
       
       „Die größten Börsencrashs sind immer in Situationen gesteigerter
       Unsicherheit passiert, wenn internationale Begebenheiten starke
       Marktbewegungen zur Risikovermeidung provozieren“, erklärt Einar Rivero,
       Gesellschafter der Finanzberatung Elos Ayta, im Gespräch mit der
       Finanzplattform Neofeed.
       
       Nach Flávio Biolsonaros Sieg im ersten Wahlgang waren die Aktienkurse unter
       anderem des [2][Ölkonzerns Petrobras] gestiegen, weil unter dem
       Ultrarechten geringere Umweltauflagen für Erdölförderprojekte zu erwarten
       gewesen wären. Dabei hatte der Autokrat zwar einen Abbau des
       Haushaltsdefizits, Privatisierungen und niedrigere Steuern versprochen,
       aber keine konkreten Pläne für die Umsetzung vorgelegt.
       
       Der Überraschungserfolg von Lula, von dem [3][mehr Umweltschutz und
       staatliche Interventionen] zu erwarten sind, war für die Akteure auf dem
       Finanzmarkt frustrierend. Angesichts der angekündigten Milliardenausgaben
       im Sozialbereich wächst außerdem ihre Befürchtung, der Präsident könne die
       Kontrolle über die Staatsverschuldung verlieren. Sie machte nach Zahlen der
       Zentralbank im Juni 2026 81,9 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus.
       
       ## Jede Menge Déjà-vu
       
       Die fast panische Marktreaktion vom Montag erinnert an das Jahr 2002, als
       der Arbeiterführer Lula zum ersten Mal Präsident Brasiliens wurde. Damals
       traute dem Linken niemand eine solide Wirtschaftspolitik zu, es war von
       Staatsbankrott und radikalen Reformen die Rede. Als sein Sieg bestätigt
       wurde, stürzte der Indexwert Bovespa um 4,4 Prozent ab, der Euro
       verdoppelte sich im Wahljahr bis auf einen Rekordwert von knapp 4 Reais
       Ende Oktober.
       
       Lula kommentierte zunächst ironisch: „Ich habe noch nie einen so sensiblen
       Markt gesehen“, verfasste dann Tage später einen offenen Brief an die Elite
       Brasiliens, in der er Haushaltsdisziplin und eine moderate Finanzpolitik
       versprach. Die Börse erholte sich daraufhin rasch und der Kurs des Real
       stieg unter Lula um nahezu 100 Prozent.
       
       Der nächste zweitgrößte Crash kam nach der Wahl von Dilma Rousseff im Jahr
       2014. Sogar nach dem Sieg von Jair Bolsonaro 2018, von dem wirtschaftlich
       ein liberaler Kurs erwartet wurde, fielen kurzfristig die Kurse.
       
       Nun zweifeln die Anleger wie schon 2002 an Lulas Haushaltsdisziplin. Hohe
       Staatsschulden, teure Wahlversprechen und hoher Leitzins gelten als
       Risikofaktoren, der konservative Vize Geraldo Alckmin aber auch als
       positives Zeichen. Ob und wie schnell das Vertrauen der Anleger in den
       längst nicht mehr so linken Lula wieder wächst, wird wesentlich davon
       abhängen, wie sein Haushaltsplan aussieht und wen er zum Finanzminister
       macht.
       
       Im Übrigen können Anleger auch irren: In der Amtszeit von Jair Bolsonaro
       blieb das angekündigte Wirtschaftswunder aus, selbst vor der Covid-Pandemie
       wuchs das BIP nur minimal. Und Lulas erste und zweite Amtszeit führten
       nicht zu dem befürchteten Staatsbankrott, sondern zu einer der stabilsten
       und erfolgreichsten Phasen des Landes. Die Petrobras-Vorsitzende hält
       zumindest den Kursverlust der Aktie ihres Konzerns für eine Folge von
       Spekulation. Er beruhe nicht auf dem Fundament des Konzerns. Magda
       Chambriard empfiehlt: „Jetzt ist der Zeitpunkt, Aktien zu kaufen.“
       
       27 Oct 2026
       
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 (DIR) Christine Wollowski
       
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