# taz.de -- Nach der Stichwahl in Brasilien: Flávio Bolsonaro macht sich lächerlich
       
       > Der in die USA geflohene rechte Wahlverlierer sieht sich als legitimer
       > Präsident und will sein Land von den USA aus von einer „Diktatur“
       > befreien.
       
 (IMG) Bild: Brasiliens gescheiterter rechter Präsidentschaftskandidat Flavio Bolsonaro am Mittwoch nach der Landung in Miami
       
       Brasiliens gescheiterter Präsidentschaftskandidat Flávio Bolsonaro hat sich
       am Mittwochnachmittag aus den USA in einem offenen Brief an das
       brasilianische Volk als den „wahren gewählten Präsidenten Brasiliens“
       bezeichnet. Der Wahlverlierer war nach [1][einer abenteuerlichen Flucht
       über Argentinien und Ecuador am Morgen in Miami gelandet]. Er sei nicht
       etwa geflohen, sondern habe das Land für dessen Wohl verlassen, behauptet
       der Senator in seinem Brief.
       
       Das mehrseitige Schreiben ist mit dem Staatswappen Brasiliens versehen,
       worin das Land Brasilien mit z geschrieben ist: „Brazil“. Diese
       Schreibweise wurde 1931 vom damaligen Präsidenten Getúlio Vargas
       abgeschafft. In einer zweiten Version heißt es korrekt „Brasil“.
       
       In Brasilien stieß der Brief auf einstimmige Ablehnung. Die regierende
       Arbeiterpartei PT forderte vom brasilianischen Wahlgericht eine
       Stellungnahme zum Vorgehen Flávios. Der von Flávios Vater Jair ernannte
       Vorsitzende des Wahlgerichts, Kássio Nunes Marques, bestätigt die
       Rechtmäßigkeit der Wahlen, ohne sich direkt auf Flávios Behauptungen zu
       beziehen.
       
       „Die Wahl ist vorbei und die Stimmzettel müssen respektiert werden“,
       kommentierte der Gouverneur von São Paulo, Tarcísio de Freitas. Er hatte
       sich nach der Ausreise Flávios bereits selbst als Kandidat der Rechten für
       2030 ins Spiel gebracht. In den sozialen Medien sorgte Flávios Erklärung
       für eine Welle an Ironie und Spott: Internetnutzer präsentierten sich mit
       Präsidentenschärpe und teilten KI-generierte Videos, in denen sich der
       Wahlgewinner, Präsident Luíz Inácio Lula da Silva kaputt lacht.
       
       ## Bolsonaros Brief in drei Varianten
       
       Wenige Minuten später macht Flávio daraufhin einen Rückzieher und
       veröffentlichte auf X eine dritte Variante: Darin bezeichnete er sich nicht
       mehr als „wahren gewählten Präsidenten“, sondern als den „Anführer“
       Brasiliens.
       
       Nach einer Reihe unbewiesener Anschuldigungen gegen das Oberste
       Bundesgericht, das Wahlgericht und die Regierung Brasiliens, die von
       Wahlbetrug über Machtmissbrauch bis zur Qualifizierung der aktuellen
       Regierung als „Diktatur“ reichen, vergleicht sich der Senator auch in der
       dritten Variante mit historischen Figuren wie etwa Charles de Gaulle, die
       ebenfalls die Geschicke ihres Landes erfolgreich aus dem Ausland gelenkt
       hätten. Er werde von den USA aus dafür kämpfen, das brasilianische Volk zu
       befreien, verkündete Flávio Bolsonaro.
       
       US-Präsident Donald Trump, der Bolsonaro, dessen Ehefrau und zwei Töchtern
       eine Aufenthaltserlaubnis erteilt hat, sagte auf Nachfrage von Reportern,
       er werde sich in die Angelegenheit nicht einmischen. Kurz nach der Wahl
       hatte er diese noch als manipuliert bezeichnet, ohne Details zu nennen.
       Mehr als hundert Länder haben Lulas Wahlsieg derzeit bereits anerkannt.
       Bisher hat sich nur der ultrarechte argentinische Präsident Javier Milei
       nicht zum Wahlergebnis in Brasilien positioniert.
       
       ## Bolsonaros Partei erkennt Niederlage an, er aber nicht
       
       Flávio Bolsonaro hatte am Sonntag die Stichwahl gegen Luíz Inácio Lula da
       Silva mit 48,2 zu 51,8 Prozent verloren. In seinem Brief schreibt Bolsonaro
       die 10 Millionen Stimmen, die sein Konkurrent in der Stichwahl zugelegt
       hatte, den verlängerten Öffnungszeiten der Wahllokale um zwei Stunden zu.
       Der Oberste Richter Cristiano Zanin hatte dies bewilligt, nachdem es in
       mehreren Städten Probleme mit dem Nahverkehr gegeben hatte. Tatsächlich
       haben laut Wahlgericht nur 34.393 Menschen nach 17 Uhr in der
       Verlängerungszeit gewählt. [2][Bolsonaros Partei hatte am Dienstag seine
       Wahlniederlage anerkannt. ]
       
       Nach Bolsonaros Niederlage hatte die Bundespolizei seine Pässe wegen
       mehrerer gegen ihn anhängender Klagen annulliert und der Oberste
       Bundesrichter Alexandre de Morães ihm untersagt, das Land zu verlassen.
       
       29 Oct 2026
       
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 (DIR) Christine Wollowski
       
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