# taz.de -- Wahl in Brasilien: Lula rettet die Demokratie
> Der Wahlsieg von Brasiliens linkem Präsidenten zeigt, was digitale
> Massenmobilisierung bewirken kann. Das macht Hoffnung in Zeiten des
> Rechtsrucks.
(IMG) Bild: Der Demos und Lula, eine demokratische Symbiose
Lula macht’s noch einmal: Der fast 81-jährige linke Staatschef von
Brasilien hat [1][mit seinem überraschenden Sieg] über den ultrarechten
Autokraten und Milizenfreund Flávio Bolsonaro seine vierte Amtszeit
gesichert und damit wieder einmal die Demokratie im größten
südamerikanischen Land gerettet.
Aber Lulas Sieg weist weit über Brasiliens Grenzen hinaus. Er erhält das
Land als Bollwerk gegen den von den USA unterstützten Rechtsruck in
Lateinamerika. Er kann eine Inspiration für die [2][Midterms in den USA]
Anfang November sein. Er hat gezeigt, dass die alternde Arbeiterpartei PT –
oder zumindest ihre Themen – massenweise junge Leute auf die Straßen locken
kann.
Und er ist ein Beweis dafür, was eine gleichzeitig digitale und analoge
Massenmobilisierung bewirken kann: mehr als zehn Millionen Stimmen mehr in
nur drei Wochen und die niedrigste Enthaltungsrate seit 20 Jahren. Die
Mobilisierung hat nicht nur den politischen Gegner besiegt, sondern auch
die Taktik der Falschmeldungen, die mögliche [3][Einmischung der
Big-Tech-Unternehmen] und die tendenziöse Berichterstattung in Print und
TV.
Bei [4][den TV-Auftritten der Kandidaten] war der Unterschied zwischen
einstudierter Marketingperformance und authentischer Begeisterung für das
eigene Land offensichtlich. Und auf den Demonstrationen für den Erhalt der
Demokratie im Vorfeld der Wahl war die Kraft, die entsteht, wenn
Hunderttausende für die gleiche Sache kämpfen, deutlich zu spüren. Dass im
Jahrhundert der Individualisierung so noch ein Wahlkampf gewonnen werden
kann, weckt Hoffnung.
Lula wird es nicht leicht haben. Er wird mit einem Kongress regieren, der
zu zwei Dritteln rechts dominiert ist und seine Vorhaben leicht aushebeln
kann. Und er hat so viele Sozialprogramme angekündigt, dass er
wirtschaftlich unter Zugzwang gerät.
Andererseits hat der Amtsinhaber in den vergangenen Wochen reichlich
Gelegenheit gehabt, dazuzulernen. Digitale Kommunikation lehnt er nach dem
[5][Erfolg seiner Whatsapp-Kampftruppe] nicht mehr ab. Seit weniger als
einer Woche besitzt der Oldschool-Kommunizierer sogar ein eigenes Handy. In
Zukunft will er mehr auf die Jugend hören, sagt er, und die Bevölkerung
mehr in Entscheidungen einbeziehen. Nicht die schlechtesten Voraussetzungen
für einen Wandel.
26 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Christine Wollowski
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