# taz.de -- Verkehrsminister über zugänglichen ÖPNV: „Der Gelegenheitstarif spart auch für die Verkehrsbetriebe Geld“
       
       > Das NRW-ÖPNV-Ticket für Gelegenheitsnutzer ist auf die ganze
       > Bundesrepublik übertragbar, sagt Landesverkehrsminister Oliver Krischer.
       > Und sei auch gerecht.
       
 (IMG) Bild: NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne): Zur Ministerkonferenz reiste er mit dem Elektroauto an
       
       taz: Herr Krischer, in NRW gibt es ein spezielles Bus- und Bahnticket für
       Leute, die nur selten mit dem ÖPNV fahren. Wie funktioniert das? 
       
       Oliver Krischer: Sie müssen sich einmal mit dem Handy registrieren.
       Anschließend können Sie damit an jedem Bahnhof und an jeder Bushaltestelle
       in NRW ein- und auschecken. Das System erkennt, welche Luftlinie Sie
       zurückgelegt haben und berechnet automatisch den Preis. Berechnet wird
       höchstens das günstigste Einzelticket, das Sie sonst für die Strecke gelöst
       hätten.
       
       taz: Wieso haben Sie in NRW den Bedarf für ein neues Ticket gesehen? 
       
       Krischer: Wir hatten eine unglaublich komplexe Tarifvielfalt, Tausende
       verschiedene Tickets. Das ist für alle abschreckend, besonders für die, die
       nur gelegentlich Bus oder Bahn fahren. Wir wollten ein System, das maximal
       einfach und im ganzen Land einheitlich ist. Damit ist es auch gerecht.
       
       taz: Wie wird dieses „eezy.nrw“ angenommen? 
       
       Krischer: Super. Im September hatten wir 1,4 Millionen Fahrten. Ein neuer
       Rekord! Beim Verkehrsverbund Rhein-Ruhr gibt es inzwischen eigentlich nur
       noch zwei Produkte: das Deutschlandticket für die Vielfahrer und eezy.nrw
       für diejenigen, die vielleicht einmal pro Woche oder alle zwei Wochen mit
       dem öffentlichen Nahverkehr unterwegs sind.
       
       taz: Für die Nutzung braucht man ein Smartphone. Wie beteiligen Sie Ältere,
       Kinder oder arme Menschen, die keines haben? 
       
       Krischer: Es stimmt: Wer kein Smartphone hat, kann das Angebot nicht
       nutzen. Das Ticket ist aber ja auch keine Zwangsmaßnahme, sondern ein
       Angebot. Die meisten Menschen haben inzwischen ein Handy. Es kann also
       nicht mehr als Totschlagargument gelten, dass man hier bestimmte
       Bevölkerungsgruppen ausgrenzen würde.
       
       taz: [1][Ihre Kollegen aus den anderen Bundesländern sind nicht überzeugt],
       sie haben das Thema Gelegenheitsticket gerade von der Tagesordnung der
       Verkehrsministerkonferenz gekippt. Warum? 
       
       Krischer: Eine inhaltliche Begründung habe ich von den Kollegen von Union
       und SPD nicht gehört. Die Idee, einen digital gültigen Tarif für
       Gelegenheitsfahrer für ganz Deutschland einzuführen, steht aber jetzt im
       Raum. [2][Warum sollte nicht für ganz Deutschland funktionieren, was in
       Nordrhein-Westfalen für 18 Millionen Einwohner funktioniert?]
       
       taz: [3][Weil es zu teuer ist?] 
       
       Krischer: Der Gelegenheitstarif kostet kein zusätzliches Geld, sondern er
       spart Geld. Der digitale Vertriebsweg ist für die Verkehrsunternehmen
       deutlich günstiger, als wenn sie an jeder Bushaltestelle und jedem Bahnhof
       aufwendig Fahrkartenautomaten unterhalten. Das ist ja auch der Grund, warum
       die Verkehrsunternehmen in NRW ein Interesse daran haben, eezy.nrw
       voranzutreiben. Neben der Kundenzufriedenheit natürlich.
       
       taz: Die Kosten für die Nutzer von eezy.nrw sind gedeckelt und bleiben
       immer unter denen des Deutschlandtickets. Machen Sie damit das
       Deutschlandticket überflüssig? 
       
       Krischer: Nein. Den Deckel haben wir in NRW als Anreiz eingeführt, damit
       das Angebot angenommen wird. Nur rund fünf Prozent stoßen überhaupt an
       diesen Deckel. Alle anderen sind also tatsächlich Gelegenheitsfahrer.
       Irgendwie ist das Gerücht entstanden, wir wollten den Preisdeckel für ganz
       Deutschland einführen. Das stimmt aber nicht, so stand es nicht im Antrag.
       Wir wollen das Deutschlandticket nicht konterkarieren.
       
       taz: Vor welchen technischen Herausforderungen steht der Gelegenheitstarif? 
       
       Krischer: Jede Haltestelle muss klar mit Geokoordinaten hinterlegt sein,
       damit das Handy sofort erkennt, wo man ist. In Gegenden mit großen Lücken
       in der Mobilfunkabdeckung wäre es schwierig, das zu nutzen. In NRW haben
       wir aber wenige Ecken, wo das der Fall wäre. Und ich glaube, auch im Rest
       der Republik ist das inzwischen so. […]
       
       taz: Hallo? 
       
       Das Gespräch bricht ab. 
       
       taz: Herr Krischer? 
       
       Krischer: Ich spreche über das Mobilnetz und genau in dem Moment ist es
       verschwunden. Ich sitze im Auto und wir sind gerade durch einen bayerischen
       Tunnel gefahren.
       
       taz: Sie sprachen über die Herausforderungen. 
       
       Krischer: Alle Haltestellen müssen erfasst und mit Geodaten hinterlegt
       werden. Die Verkehrsverbände sollten aber eigentlich schon wissen, wo ihre
       Haltestellen sind. Am aufwendigsten war es, den neuen Tarif wirklich
       verlässlich in die Apps der Kunden zu integrieren. Dieses System gibt es
       aber jetzt schon und wir würden es dem Rest der Republik zur Verfügung
       stellen.
       
       26 Oct 2026
       
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