# taz.de -- Expertenkommission eingesetzt: Weniger Züge, dafür mehr Pünktlichkeit?
       
       > Die Bahn ist so unpünktlich wie nie. Eine Expertenkommission soll nun
       > nach Lösungen suchen. Dabei könnte es auch um eine Reduzierung des
       > Angebots gehen.
       
 (IMG) Bild: Nur 60 Prozent aller Fernzüge kamen im letzten Jahr pünktlich
       
       dpa | Eine von der Bahn einberufene Expertenkommission soll untersuchen,
       wie die Züge trotz des überalterten und überlasteten Schienennetzes schnell
       wieder pünktlicher werden. Ein möglicher Baustein dafür könnte auch weniger
       [1][Verkehr auf der Schiene] sein, wie der einstige Bahnbeauftragte der
       Bundesregierung, Enak Ferlemann, dem Tagesspiegel sagte: „Ein Beispiel
       könnte sein, dass zwischen Berlin und Hamburg nur noch einmal pro Stunde
       ein Fernzug fährt statt alle 30 Minuten, die Züge dafür aber zuverlässig
       unterwegs sind.“
       
       Ferlemann ist Mitglied im Aufsichtsrat der [2][für die Infrastruktur
       zuständigen] Bahntochter DB InfraGo, die die Expertenkommission einberufen
       hat. Er soll außerdem der Kommission angehören. Das geht aus Informationen
       der InfraGo für den Verkehrsausschuss im Bundestag hervor, die der
       Deutschen Presse-Agentur vorliegen. Zuvor hatte der Tagesspiegel darüber
       berichtet.
       
       ## Gremium „Robuster Fahrplan“ startet am 3. November
       
       Das Gremium mit dem Namen „Robuster Fahrplan“ soll demnach am 3. November
       die Arbeit in Berlin aufnehmen. „Die Experten werden bei mehreren Terminen
       mit viel Erfahrung und aus vielen Blickwinkeln ergebnisoffen diskutieren.
       Vorschläge für mehr Verlässlichkeit auf der Schiene sollen im neuen Jahr
       vorliegen“, teilte ein Bahnsprecher mit. „Die Ergebnisse werden zusammen
       mit Politik, Ländern und Branche gemeinsam bewertet.“
       
       Die hohe Unpünktlichkeit bei der Bahn geht [3][vor allem auf die schlechte
       Infrastruktur] zurück. Hinzu kommt eine Überlastung vor allem in den
       Verkehrsknoten. Und: „Im Jahr 2025 verkehrten mehr als 10 Prozent der Züge
       auf Strecken mit einer Auslastung von über 115 Prozent“, heißt es in den
       Informationen für den Verkehrsausschuss. „In der Folge wächst der Stau auf
       deutschen Schienen immer weiter an. In den vergangenen zehn Jahren haben
       die Stau-Verspätungen um 150 Prozent zugenommen.“
       
       ## Baugeschehen und Unpünktlichkeit auf Rekordniveau
       
       Die Bahn saniert und baut derzeit auf Rekordniveau, um das Schienennetz
       langfristig wieder fit zu machen. Fahrgäste merken davon bislang wenig. Im
       laufenden Jahr war in den meisten Monaten nahezu jeder zweite Fernzug
       unpünktlich. Geht es so weiter, dürfte am Ende des Jahres ein Negativrekord
       bei der Pünktlichkeit stehen. Schon im vergangenen Jahr kamen lediglich 60
       Prozent aller Fernzüge ohne größere Verzögerung ans Ziel.
       
       Die Expertenkommission soll nun nach Lösungen suchen, „um bereits während
       der anstehenden Jahre intensiver Bautätigkeit einen stabileren und
       verlässlicheren Bahnbetrieb zu ermöglichen“, wie es in den Informationen
       weiter heißt. Unterstützung bekommt das Gremium den Angaben zufolge von dem
       auf Fahrpläne spezialisierten Schweizer Unternehmen SMA und Partner.
       
       ## Branche reagiert kritisch
       
       Aus der Branche kam Kritik an dem Vorstoß, insbesondere mit Blick auf eine
       mögliche Angebotsreduzierung. „Weniger Züge fahren zu lassen, bedeutet
       vollere Züge und nicht automatisch pünktlichere Züge“, teilte der
       Geschäftsführer des Lobbyverbands Allianz pro Schiene, Dirk Flege, mit. „Im
       schlimmsten Fall werden die wenigen Züge noch unpünktlicher, weil sie wegen
       Überfüllung nicht abfahren können.“ Die richtige Lösung sei, mehr Kapazität
       auf der Schiene zu schaffen.
       
       Ähnlich äußerte sich der Geschäftsführer des Wettbewerberverbands Die
       Güterbahnen, Peter Westenberger. „Dem schlichten Denkansatz, pauschal
       weniger statt mehr zu fahren, hat die ganze Branche bereits vor einem Jahr
       in der ‚Taskforce zuverlässige Bahn‘ eine Absage erteilt“, teilte er mit.
       
       30 Oct 2026
       
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