# taz.de -- Berlins SPD-Chef Steffen Krach: Der Wahlversprechenbrecher
> Keine Enteignungen, hatte Steffen Krach als SPD-Spitzenkandidat
> versprochen. Nun rühmt er sich für Verhandlungserfolge gegenüber der
> Linkspartei.
(IMG) Bild: SPD-Landeschef Krach hatte sich im Wahlkampf gegen Vergesellschaftung gestellt – jetzt will er sie in einem Linksbündnis mittragen
Es war in einem Saal im Ludwig-Erhard-Haus beim Verband Berliner Kaufleute
und Industrieller (VBKI). Steffen Krach [1][war dort im Dezember
eingeladen], und wie an vielen anderen Orten stellte sich der damalige
SPD-Spitzenkandidat klar gegen Enteignungen. „Geht es der Wirtschaft
schlecht, haben wir keine Chance“, war von ihm zu hören.
„Was ist Ihr Wort noch wert, Herr Krach?“, hat jetzt der Tagesspiegel ein
Interview mit dem SPD-Landeschef bestmöglich betitelt. Auf nichts hatte der
sich im Wahlkampf so sehr festgelegt wie darauf, dass es mit ihm keine
Vergesellschaftung geben würde. Immer wieder hatte Krach die Gegenargumente
aufgelistet: schafft keine einzige neue Wohnung, nicht bezahlbar,
abschreckend für Investoren. Es war sein größtes Wahlversprechen.
Nun soll all das nichts mehr zählen? Krach sagt im Interview zwar
weiterhin, er halte die Vergesellschaftung „nicht für den richtigen Weg“.
Aber stützen will er ihn, diesen Weg. Zwar nicht als Senator in der
Landesregierung, aber als Fraktionschef. Es ist das Abgeordnetenhaus, das
alle nötigen Gesetzesänderungen und den Haushalt als Basis für
Entschädigungen beschließt.
Krach hatte nicht nur für sich selbst Enteignungen ausgeschlossen, sondern
für die Berliner SPD insgesamt. „Wenn das die rote Linie ist für die
Linkspartei, dann müssen sie gucken, mit welcher Koalition sie das umsetzen
wollen – [2][mit der SPD jedenfalls nicht]“, sagte er im August dem Stern.
Zuvor hatte Linkspartei-Bundesvorsitzende Ines Schwerdtner die
Vergesellschaftung von Immobilienkonzernen zur Bedingung für eine
Regierungsbeteiligung erklärt.
Käme Krach heute zum VBKI, gäbe es weit weniger Beifall als damals. Krach
behauptet zwar, er habe „eine starke investorenfreundliche
Wirtschaftspolitik“ durchgesetzt. Wirtschaftsvertreter klingen aber gar
nicht begeistert: „SPD und Grüne reichen der Linken die Hand für einen
Kurs, der Berlin wirtschaftlich schweren Schaden zufügen kann“, bewertet
VBKI-Präsident Harald Christ [3][das Sondierungspapier]. Die Industrie- und
Handelskammer sieht das ähnlich: „Die größte Hypothek für Berlin sind dabei
die Pläne zur Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände.“
Nun gibt es in jeder Koalition und auch innerhalb einer Fraktion
widerstreitende Meinungen. Die lassen sich über einen Kompromiss auflösen
oder über Gegengeschäfte. Anders lässt sich auf Dauer gar nicht stabil
regieren. Die Ausnahme bilden aber grundsätzliche Fragen, und dazu gehört
ohne Zweifel die Vergesellschaftung. Daran ändert auch nichts, dass [4][nun
160.000 statt 220.000 Wohnungen vergesellschaftet] werden sollen und keine
ab 2021 gebauten.
Wer sich so stark dagegen ausgesprochen hat wie Krach, muss entweder
verhindern, dass daraus Regierungspolitik wird. Oder eben vom
Verhandlungstisch aufstehen und sich zurückziehen. Das wäre ein Zeichen von
Rückgrat gewesen. Krach aber bleibt – als Chef in Partei und Fraktion und
Verhandlungsführer. Stärker lässt sich Glaubwürdigkeit von Politik gar
nicht beschädigen.
22 Oct 2026
## LINKS
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(DIR) [4] /Einigung-auf-Enteignungen-in-Berlin/!6222301
## AUTOREN
(DIR) Stefan Alberti
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