# taz.de -- Wahlverlierer CDU Berlin: SPD und Grüne wollen sich mit Konservativen treffen
       
       > Während in Berlin Linke, Grüne und SPD über eine Koalition verhandeln
       > wollen, meldet sich plötzlich die CDU und will reden. Was hat es damit
       > auf sich?
       
 (IMG) Bild: Soll ich oder soll ich nicht? Werner Graf (Grüne, rechts) und Stefan Evers (CDU) am Wahlabend
       
       dpa Inmitten der Bemühungen von Linkspartei, Grünen und SPD um eine
       Regierungsbildung in Berlin hat die CDU ein eigenes Gesprächsangebot
       gemacht. Der CDU-Landesvorsitzende Stefan Evers habe die Führungen von
       Grünen und SPD zu gemeinsamen Gesprächen über die aktuelle Lage eingeladen,
       teilte eine Parteisprecherin mit.
       
       Dieser Schritt erfolgte demnach „angesichts des besorgniserregenden
       Verlaufs der Sondierungen sowie mit Blick auf anstehende
       Entscheidungsnotwendigkeiten der nächsten Wochen“. Und: „Die Einladung
       sowie die Gespräche selbst sind vertraulich.“
       
       SPD und Grüne sagten zu. „Herr Evers hat uns zu einem Treffen eingeladen,
       und natürlich sprechen wir immer wieder miteinander“, sagte die
       SPD-Landesvorsitzende Bettina König der Deutschen Presse-Agentur. „Wir
       regieren dieses Bundesland gerade gemeinsam und haben genug zu klären, aber
       das ist keine Sondierung.“
       
       Auch die Grünen betonten, dass es nicht um eine mögliche Regierungsbildung
       mit der CDU gehe. „Dabei handelt es sich nicht um Sondierungsgespräche,
       sondern um ein Gespräch über die konstruktive Gestaltung der Übergangszeit
       bis zur Bildung der neuen Regierung“, teilte der Landesverband mit.
       
       Nach Informationen des Tagesspiegels, der zuerst über die Einladung
       berichtet hatte, soll das Gespräch am 29. Oktober stattfinden – die Linke
       als Wahlsieger hat Evers nicht dazu eingeladen. Zu den Themen dürfte nach
       dpa-Informationen angesichts einer angespannten Finanzlage die Frage eines
       Nachtragshaushalts gehören. An dem Tag kommt auch das neue Berliner
       Abgeordnetenhaus zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen.
       
       ## Rechnerisch auch Schwarz-Grün-Rot möglich
       
       Bei der Berlin-Wahl am 20. September war die Linke mit 25,7 Prozent
       stärkste Kraft geworden. Dahinter folgten CDU (18,8 Prozent), AfD (16,3
       Prozent), Grüne (14,3 Prozent) und – mit ihrem historisch schlechtesten
       Ergebnis – die SPD (12,1 Prozent). Die bisher regierende CDU-SPD-Koalition
       hat ihre Mehrheit verloren.
       
       Nun wird nach erfolgreichen Sondierungsgesprächen versucht, eine
       rot-grün-rote Regierung zu bilden. Gelingt das, könnte
       Linke-Fraktionschefin Elif Eralp erste Regierende Bürgermeisterin ihrer
       Partei in Berlin werden. Grüne und SPD haben dem Beginn von
       Koalitionsverhandlungen bereits zugestimmt. Die Linke entscheidet auf einem
       Parteitag am 31. Oktober darüber.
       
       Käme die Koalition zustande, hätte sie zusammen 91 Sitze, das wären 14 mehr
       als die absolute Mehrheit. Möglich wäre aber auch eine Koalition von CDU,
       Grünen und SPD, deren Mandatszahl allerdings nur 2 Sitze über der absoluten
       Mehrheit läge. Da es in den Reihen von Grünen und SPD viele Vorbehalte
       gegen ein Bündnis mit der CDU gibt, gilt diese Option als wenig
       wahrscheinlich.
       
       CDU-Spitzenkandidat Evers, der auch noch amtierender Senator für Finanzen
       und für Kultur ist, befindet sich mit seiner Partei seit der Wahl am 20.
       September in einer Art Wartestellung. „Die Hand der CDU bleibt ausgestreckt
       für ein Bündnis der Verantwortung und der Vernunft, das wissen die
       Führungen von Grünen und SPD aus allen bisherigen Gesprächen“, sagte er
       jetzt.
       
       „Da die Spitzen der Grünen von Anfang an und dann auch öffentlich erklärt
       haben, unter allen Umständen eine Koalition mit den Linken anzustreben und
       ein anderes Bündnis nicht in Erwägung zu ziehen, kam eine Einladung zu
       formellen Sondierungen bisher leider nicht in Betracht“, so die Berliner
       CDU.
       
       23 Oct 2026
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Rot-Grün-Rot in Berlin
 (DIR) Stefan Evers
 (DIR) SPD Berlin
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Regierungsbildung in Berlin: Der Senat der neuen Gesichter
       
       Nicht nur im Berliner Abgeordnetenhaus sitzen viele Neulinge. Auch im neuen
       Senat könnte bald frischer Wind wehen. Ein kleiner Ausblick.
       
 (DIR) Berlins SPD-Chef Steffen Krach: Der Wahlversprechenbrecher
       
       Keine Enteignungen, hatte Steffen Krach als SPD-Spitzenkandidat
       versprochen. Nun rühmt er sich für Verhandlungserfolge gegenüber der
       Linkspartei.
       
 (DIR) Grünen-Parteitag stimmt für Rot-Grün-Rot: Warten auf die Linkspartei
       
       Grüne und SPD stimmen für Koalitionsgespräche über Rot-Grün-Rot – und
       müssen jetzt 12 Tage auf die Linke warten. Die verschiebt ihre Beratung
       über Vanessa Emde.