# taz.de -- Verteidigungsetat im Bundeshaushalt: So viel Geld
> Die Bundeswehr soll 2027 über 140 Milliarden Euro verfügen. Aus dem
> Kernhaushalt bekäme sie dann jeden fünften Euro. Die Zinslast wird indes
> weiter steigen.
(IMG) Bild: Wie gut hilft das ganze Geld durch stürmische Zeiten? Bundeskanzler Friedrich Merz mit Soldaten Ende September in Saarlouis
Am Ende ihres Berichts werden die Rechnungsprüfer deutlich: „Es wird darauf
ankommen, die vom Parlament zur Verfügung gestellten Mittel wirksam und
verantwortungsvoll zu verwenden“, heißt es in einem Schreiben des
Bundesrechnungshofs an den Haushaltsausschuss des Bundestags. Die
Rechnungsprüfer [1][verweisen in ihrem Bericht zum Verteidigungshaushalt
2027] auf die Rüstungsinflation: Die erhöhte Nachfrage und der begrenzte
Wettbewerb sorgen für starke Preisanstiege in der Branche.
Diese Nachfrage spiegelt sich auch in dem hohen Wehretat wieder, den der
Bundestag derzeit auf den Weg bringt. Ende November soll das Parlament den
Haushalt für das kommende Jahr beschließen. Beim Verteidigungsbudget
handelt es sich um den zweitgrößten Posten nach dem für das
Arbeitsministerium. Laut Entwurf sollen die Ausgaben für die Bundeswehr im
Vergleich zum laufenden Jahr noch mal um 30 Milliarden Euro ansteigen und
dann insgesamt 140 Milliarden Euro betragen.
Etwa 110 Milliarden Euro stammen dabei aus dem Kernhaushalt, der insgesamt
etwa 555 Milliarden Euro umfassen soll – damit kommt jeder fünfte Euro aus
dem regulären Budget der Bundeswehr zugute. Hinzu kommen knapp 30
Milliarden Euro aus dem Sonderschuldentopf für die Bundeswehr, der 2022 in
Folge des Ukrainekriegs eingerichtet wurde.
Ein Blick in die Bücher verdeutlicht die Summen, mit denen hier hantiert
wird: Wegen eines Planungschaos zwischen einer niederländischen Werft und
dem Bundesverteidigungsministerium war schon länger klar, dass ein
zentrales Großprojekt der Marine, der Bau von Fregatten der Klasse 126,
kaum umgesetzt werden kann.
## Zwei Milliarden Euro Steuergeld wurde versenkt
Als Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) das Vorhaben im Juni
stoppte, waren bereits etwa 2 Milliarden Euro an Steuergeldern in den
Schiffbau geflossen und damit versenkt worden. Hinzu könnten noch
Schadensersatzforderungen in Milliardenhöhe kommen, mit denen die Werft
Anfang Oktober die Bundesregierung konfrontierte.
Die Ausgaben im militärischen Bereich stehen damit in hartem Kontrast zu
den Einsparungen in anderen Feldern. Zum Vergleich: Die Kürzungen beim
Wohngeld, die etwa eine Millionen Haushalte in Deutschland betreffen
könnten, sparen laut dem Gesetzentwurf bei [2][Bund und Ländern für das
Jahr 2027 jeweils 740 Millionen Euro ein].
Die Einsparungen für den öffentlichen Haushalt entsprechen damit etwa
[3][dem Wert einer Meko-Fregatte, die die Marine anstelle der gescheiterten
F126] bekommen soll. [4][Nach Bundeswehr-Angaben] soll die erste Tranche
von vier Schiffen insgesamt 6,3 Milliarden kosten.
## Die Zinslast wird steigen
Die Bundesregierung kontert Vergleiche wie diese mit ihren Haushaltsregeln:
Seit März 2025 ist die Schuldenbremse für Verteidigungsausgaben faktisch
ausgesetzt. Die Kosten für Rüstungsgüter können also durch neue Kredite
gedeckt werden und stehen vordergründig nicht in direkter Konkurrenz zu
anderen Ausgaben.
Diese Argumentation ignoriert jedoch, dass für diese immer höheren Schulden
auch immer höhere Zinsen anfallen, die den Handlungsspielraum für künftige
Ausgaben einengen. So soll laut dem Bundestag [5][die Zinslast von etwa 42
Milliarden Euro im Jahr 2027 auf 81 Milliarden Euro im Jahr 2030
ansteigen.]
Es gibt deshalb im Bundestag Stimmen, die ein Ende der Sonderschuldenregel
für Verteidigungsausgaben fordern. Deutlich kommt diese Kritik bislang vor
allem aus der Opposition. „Die schuldenfinanzierten Schattenhaushalte wie
das Sondervermögen dürfen allenfalls temporären Ausnahmesituationen
vorbehalten sein“, sagte der verteidigungspolitische Sprecher der Linken,
Ulrich Thoden.
Er kritisiert „laxe Preiskontrollen“, die für massive Gewinne bei den
Rüstungsunternehmen sorgen würden. Thoden fordert eine Übergewinnsteuer für
die Waffenhersteller „oder besser noch einen Preisdeckel, der die Gewinne
der Rüstungsunternehmen von vornherein nach oben begrenzt“.
Ein Problem hierbei wäre, dass die Nachfrage nach Waffen weltweit so stark
gestiegen ist, dass die Staaten bei den Rüstungsherstellern Schlange
stehen. Es ist üblich, dass sich die Kunden in den Orderlisten nach vorne
kaufen. Deutschland mit seinen nahezu unbegrenzten Ausgabemöglichkeiten
genießt dabei wohl längst den Status eines Premiumkunden.
Der SPD-Abgeordnete Andreas Schwarz begleitet als Haushälter für
Verteidigungsausgaben seinen Minister Pistorius dabei durchaus kritisch:
„Es geht darum, wofür das Geld ausgegeben wird und ob wir das Richtige
beschaffen. Das sind wir der Truppe und dem Steuerzahler schuldig“, sagt er
der taz.
30 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://bundesrechnungshof.de/veroeffentlichungen/einzelplananalysen-2027
(DIR) [2] https://www.bmwsb.bund.de/SharedDocs/gesetzgebungsverfahren/DE/Downloads/referentenentwuerfe/wohngeldnovelle-2026.pdf?__blob=publicationFile&v=1
(DIR) [3] /Brueckentechnologie-fuer-die-Marine/!6164177
(DIR) [4] https://www.bundeswehr.de/de/beschaffung/meko-a-200-deu
(DIR) [5] https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1205514
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(DIR) Cem-Odos Güler
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