# taz.de -- Milliardengrab Bundeswehr: Mit dem USB-Stick an der Front
> Projekt D-LBO ist das Codewort für ein Milliardengrab der Bundeswehr. Und
> dann sind Soldat*innen mit Geräten aus dem Technikmuseum unterwegs. Na
> dann gute Nacht!
(IMG) Bild: Armin, bitte kommen, Armin: es war nicht meine Schuld!
Es gibt im Bundeswehr-Kosmos Themen, [1][die Menschen aus unterschiedlichen
Lagern in ihrer Rage vereinen.] Kriegsgegner*innen, das
Verteidigungsministerium, Abgeordnete, Soldat*innen und sogar
Rüstungslobbyist*innen sind auf ein Problem wütend, das sich hinter
einer Abkürzung verbirgt.
Falls Sie Boris Pistorius mal auf einem E-Roller sehen, sich aber nicht
sicher sind, ob das gerade wirklich der Verteidigungsminister war, machen
Sie den D-LBO-Test! Rufen Sie ganz laut: Herr Pistorius, wie steht es um
die Digitalisierung der landbasierten Operationen beim Heer? Zuckt er
gefährlich zusammen, haben Sie richtig gesehen. [2][Falls nicht, war es nur
Armin Laschet].
Bei dem Vorhaben handelt es sich um eines dieser Milliardengräber in der
Bundeswehr, die alle sechs Monate für einen hysterischen Aufschrei sorgen
und dann wieder zwischen Beschaffungsamt und Verteidigungsministerium
vergessen werden. „Wir sind auf einem guten Weg“, ist der Satz, der meist
zu hören ist, wenn es, vereinfacht gesagt, darum geht, das Heer für
Einsätze mit dem Internet zu verbinden.
Wie immer ist dieses Projekt voller Abgründe – es scheint, dass das
Verteidigungsministerium bereitwillig in jedes einzelne hineingestürzt ist.
Nachzulesen sind diese Eskapaden in meiner stets beruhigenden
[3][wehrtechnischen Gute-Nacht-Lektüre „Europäische Sicherheit und Technik“
(ESUT):] Obwohl bereits 2016 ein softwarebasiertes Funksystem zur Verfügung
stand (dessen Entwicklung die Bundeswehr in Auftrag gegeben hatte) und das
Verteidigungsministerium im Jahr 2018 die Digitalisierung der
Landstreitkräfte als „entscheidend“ für die vernetzte Operationsführung
bezeichnete – tat das Beschaffungsamt was?
Genau, [4][es bestellte im Jahr 2021 30.000 analoge Funkgeräte.] Das
Problem, dass die Geräte auf dem technischen Stand der 80er-Jahre waren und
nicht mehr gebaut wurden, weil sie nirgendwo mehr nachgefragt wurden, wurde
für die Bundeswehr gern gelöst – es kostete nur 600 Millionen Euro.
## Eine Weinwanderung mit dem Beschaffungsamt
Während Soldat*innen also weiterhin munter mit Geräten aus dem
Technikmuseum unterwegs sind, geht das Verteidigungsministerium mutig voran
– zumindest finanziell. Gepampert mit dem neuen Sondervermögen bewilligte
der Bundestag im Dezember 2022 einen Rahmenvertrag für internetfähige und
abhörsichere Funkgeräte für 2,9 Milliarden Euro. [5][Dabei sollten allein
die ersten 20.000 Funkgeräte 1,35 Milliarden Euro kosten.]
Gleich nachdem dieser Auftrag vergeben war, muss die zuständige Abteilung
im Koblenzer Beschaffungsamt zu einer zehnmonatigen Mosel-Wanderung
aufgebrochen sein. Nur so kann man erklären, was danach passierte: Als die
Firma die bestellen Funkgeräte lieferte, war man bei der Bundeswehr so
überrascht darüber, [6][dass man sie erst einmal einlagern musste]. Das ist
kein Scherz!
Niemand hatte sich Gedanken über den Einbau der Funkgeräte in die Fahrzeuge
gemacht. Pistorius wies die Verantwortung dafür von sich. „Der Auftrag ist
erteilt worden im Dezember, also vor meiner Zeit. Ich wäre davon
ausgegangen, dass man sich vor der Bestellung, aber mindestens mit der
Bestellung Gedanken macht, wie die Integration erfolgt“, sagte er Ende
September 2023.
Heute, drei Jahre später, ist die Umstellung immer noch eine so große
Baustelle, dass eine Umrüstung der Fahrzeuge im Heer erst für Ende 2030
geplant ist. Laut einem Fachmagazin erfolgt bis dahin der Datenaustausch
zwischen digitalisierten und nicht digitalisierten Einheiten in
Gefechtssimulationen per USB-Stick. „Man muss sich das sehr rustikal
vorstellen: Ein Soldat kam mit einem USB-Stick, übergab ihn der Besatzung
des Schützenpanzers, und diese speiste die Daten ein“, heißt es bei ESUT.
Na dann, gute Nacht!
4 Nov 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Verteidigungsetat-im-Bundeshaushalt/!6223300
(DIR) [2] http://www.stern.de/politik/deutschland/armin-laschet-genervt--weil-er-mit-boris-pistorius-verwechselt-wird-35547148.html
(DIR) [3] https://esut.de/2026/10/meldungen/75902/meilenstein-d-lbo-zeit-zornig/
(DIR) [4] https://www.golem.de/news/600-millionen-euro-bundeswehr-laesst-funkgeraete-von-1982-nachbauen-2109-159853.html
(DIR) [5] https://augengeradeaus.net/2022/12/haushaltsausschuss-billigt-bundeswehr-beschaffungen-fuer-13-mrd-euro-erste-bestellungen-aus-dem-sondervermoegen/
(DIR) [6] https://augengeradeaus.net/2023/09/neue-funkgeraete-kein-einbau-viele-fragen-wenig-antworten/
## AUTOREN
(DIR) Cem-Odos Güler
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