# taz.de -- Film über Bundeswehr-Spezialeinheit: Geheime Krieger im ARD-Vorabend-Streichorchester
       
       > Eine Dokumentation über das Kommando Spezialkräfte fällt reichlich düster
       > aus. Die entscheidende Frage fehlt: Braucht es diesen Verband überhaupt?
       
 (IMG) Bild: Beim KSK-Auswahlverfahren, Anwärter Florian
       
       Am Ende des Films darf sich das Kommando Spezialkräfte (KSK) noch mal
       beweisen: Die Schlussszenen der neuen ARD-Dokumentation über die
       Spezialeinheit der Bundeswehr zeigen die Soldaten in den letzten Momenten
       des Afghanistan-Einsatzes. [1][Nachdem die deutsche Politik den Vormarsch
       der Taliban über Monate aktiv wegignoriert hatte,] mussten im August 2021
       noch mal die Spezialkräfte antreten, um in einer hastigen Aktion
       internationale Entwicklungshelfer*innen aus Kabul zu retten.
       
       Man kann KSK und Bundeswehr dafür loben, in diesen chaotischen Tagen, in
       denen Afghanistan nach 20 Jahren brutalem Krieg wieder seinen
       islamistischen Herrschern überlassen wurde, zumindest etwa 5.000 Menschen
       aus dem Land geschafft zu haben. Doch man könnte sich auch um ein
       umfassenderes Bild bemühen: Hier wurden Soldaten erneut in einen
       gefährlichen Einsatz geschickt und Tausende Ortskräfte in Afghanistan
       zurückgelassen, nur weil sich die Bundesregierung nicht früher um eine
       politische Lösung [2][der sich abzeichnenden Vollkatastrophe] bemühen
       wollte.
       
       Man muss dazu wissen, [3][dass es auch deutliche Warnungen gerade aus der
       Bundeswehr] über den anstehenden Fall Kabuls gab, doch auch dort drang man
       nicht bei der Regierung durch. Wer also das KSK lobt, die Kritik aus den
       eigenen Reihen aber nicht erwähnt, trägt zur Geschichtsverklärung bei. Es
       ist politisch opportuner, mutmaßliche Helden zu feiern, anstatt über die
       Fehler zu sprechen, die dieses Heldentum scheinbar notwendig machten.
       
       Die anderthalbstündige Dokumentation über das KSK aus der Produktion des
       Mitteldeutschen Rundfunks tappt sehr bereitwillig in diese Kitsch-Falle.
       Die verklärte Afghanistan-Evakuierung muss als eine Art Happy End
       herhalten, nachdem die vorangegangene Filmpassage eine wohldosierte Auswahl
       aus KSK-Skandalen und – nennen wir es KSK-Humor – beleuchtet: Ein Soldat
       berichtet von der Verabschiedungsfeier eines Vorgesetzten, bei der
       Schweinsköpfe in Eimer geworfen wurden, weil man einen „römisch
       angehauchten“ Hindernislauf betreiben wollte. „Zwischendrin gab es
       reichlich Met, den der Kompaniechef zu sich nehmen musste.“
       
       ## Die wollen nur spielen
       
       Weniger witzig ist der Fall des KSK-Ausbilders Philipp Schaaf, der 6.500
       Schuss Munition und 2 Kilo Sprengstoff in seinem Garten verbuddelt hatte,
       um diese, wie er in der Dokumentation betont, in der Einheit regulär für
       Übungszwecke zu benutzen. Dass zudem Nazi-Liedgut und Ausgaben eines
       Magazins ehemaliger Angehöriger der Waffen-SS (Der Freiwillige) bei ihm
       gefunden wurden, erwähnt die Dokumentation zwar. Andere Abgründe kommen in
       der Dokumentation aber nicht vor; etwa dass das KSK auch mit dem
       [4][rechtsextremen Schießtrainer Frank T.,] der dem [5][Nordkreuz-Netzwerk]
       zugerechnet wurde, zusammenarbeitete.
       
       Düstere Streicherklänge untermalen den ganzen Film und sollen den Szenen
       zusätzliche Schwere verleihen, klingen aber nach ARD-Vorabendserie.
       Immerhin liefert die Dokumentation Einblicke in die kollektive Psyche des
       KSK, die einer der Soldaten und auch Militärhistoriker Sönke Neitzel als
       eine Art chronischen Cockblock bezeichnen: Er habe nach dem harten
       Aufnahmeverfahren und der Ausbildung inständig auf seinen ersten Einsatz
       gewartet. Doch im entscheidenden Moment habe einer seiner Kameraden den
       Vortritt bei einer Mission erhalten – enttäuscht kehrte der Soldat dem KSK
       den Rücken.
       
       Neitzel äußert in der Doku den Verdacht, dass das KSK eine hochgradig
       kampfbereite Truppe sei, die aber die meiste Zeit dazu verdammt wäre, die
       Kaserne zu hüten. Während er dafür plädiert, die Jungs doch mehr spielen zu
       lassen, wird die Frage, warum es diesen Verband überhaupt noch braucht, in
       der Dokumentation nicht mal angeschnitten. Schade eigentlich.
       
       21 Oct 2026
       
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