# taz.de -- Vor dem Treffen der Verkehrsminister: Warum es eine Reform der Trassenpreise braucht
       
       > Die hohen Preise im Schienenverkehr bringen die Verkehrsunternehmen in
       > Not. Die Länder fordern mehr Geld, der Bund zeigt sich zurückhaltend.
       
 (IMG) Bild: Frust kommt auf, weil die Bahn nicht kommt. Könnte an den drohenden Kürzungen liegen
       
       So mancher Nahverkehrszug rollt schon nicht mehr wie gewohnt über die
       Gleise. In Sachsen und Schleswig-Holstein wurde der Verkehr in Randzeiten
       bereits etwas ausgedünnt. In anderen Regionen könnten Verkehrsverbünden den
       Beispielen bald folgen. Davor warnen die Bundesländer kurz vor der an
       diesem Mittwoch beginnenden Verkehrsministerkonferenz. Ohne eine Reform des
       Trassenpreissystems wären Abbestellungen bundesweit unvermeidbar, sagt
       Schleswig-Holsteins Ressortchef Claus Ruhe Madsen (CDU).
       
       Der Grund für die drohende Kürzungswelle ist ein Gerichtsurteil. Bis dahin
       war der jährliche Anstieg der Schienenmaut, die Verkehrsunternehmen für die
       Nutzung des Schienennetzes zahlen, für den Nahverkehr gedeckelt. Größere
       Kostensteigerungen mussten damit vom Fern- und dem Güterverkehr aufgebracht
       werden. Das jedoch war laut dem Urteil europarechtswidrig.
       
       Nun müssen auch die Betreiber von Regionalzügen den vollen Anteil an
       Kostensteigerungen übernehmen. Das können sie nach Angaben der Länder aus
       den Zuschüssen des Bundes für den Nahverkehr nicht bezahlen. Laut einer
       [1][Berechnung des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen] müssen sie seit
       dem Entscheid 400 Millionen Euro mehr stemmen.
       
       Ansonsten bleiben den Verkehrsverbünden nur zwei Möglichkeiten. Sie können
       Züge streichen oder die Ticketpreise anheben. Das wird das große Thema auf
       der Konferenz der Länderminister sein, die am Mittwoch im bayerischen
       Hohenschwangau beginnt. Zu Gast ist auch Bundesverkehrsminister Steffen
       Bilger (CDU) – es ist jedoch nicht zu erwarten, [2][dass er dort
       Finanzierungszusagen macht]. Die Zeichen stehen schlecht für eine Lösung
       des Problems.
       
       ## Schienenmaut steigt schneller als die Förderung
       
       Der Bund finanziert den Nahverkehr mit Regionalisierungsmitteln für die
       Länder mit. In diesem Jahr sind es 11,9 Milliarden Euro. Der Betrag steigt
       zwar jedes Jahr um 3 Prozent. Doch die Erhöhungen der Schienenmaut liegen
       für 2027 mit 7,7 Prozent und 2028 noch einmal um einen hohen Prozentsatz
       deutlich höher. Daher fordern die Länder eine Anhebung der
       Regionalisierungsmittel auf bis zu 14 Milliarden Euro zum Ende des
       Jahrzehnts.
       
       Eine [3][Reform des Trassenpreissystems] fordern auch die Güterbahnen.
       Derzeit errechnen sich die Preise der Schienenmaut nach einem festen
       Schema. Zugrunde gelegt werden die von der Bundesnetzagentur genehmigten
       Gesamtkosten der Infrastruktur der Netzgesellschaft Infrago. Darin
       enthalten ist aber zum Beispiel auch eine Verzinsung des vom Bund für die
       Bahn bereitgestellten Eigenkapitals. Mit dieser Berechnungsmethode sind
       weiter steigende Trassenpreise nach Einschätzung der Bahnunternehmen
       vorprogrammiert.
       
       Schleswig-Holsteins Ressortchef Madsen hat eine alternative Methode
       vorgeschlagen. Er will alle investitionsbedingten Kosten des Netzes, für
       die grundsätzlich der Bund zuständig ist, aus der [4][Formel zur Ermittlung
       der Trassenpreise] herauslösen. Außerdem soll der Bund alle über den
       Anstieg der Regionalisierungsmittel hinausgehenden Kostensteigerungen
       ausgleichen.
       
       21 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.verkehrsrundschau.de/nachrichten/transport-logistik/vdv-fordert-trassenpreis-foerderung-zur-sicherungs-des-bahnverkehrs-3887708
 (DIR) [2] /Investitionen-im-Verkehrssektor/!6210777
 (DIR) [3] /Streit-um-Trassenpreise/!6206165
 (DIR) [4] /Trassenpreise/!6163034
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Wolfgang Mulke
       
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