# taz.de -- Regierungsbildung: SPD-Landesvorstand stimmt für Koalitionsverhandlungen
       
       > Die Berliner Sozialdemokraten geben als erste der drei Parteien grünes
       > Licht für Koalitionsgespräche. Auch die Grünen wollen noch am Montagabend
       > eine Entscheidung treffen.
       
 (IMG) Bild: Wird die Regierungsbildung in Berlin erfolgreich sein? Die SPD hat auf jeden Fall Lust, hier der Berliner Landesvorsitzende Steffen Krach
       
       reuters/afp | Die Berliner ‌SPD hat sich für ‌Koalitionsverhandlungen mit
       den Linken und Grünen auf Basis des vereinbarten Papiers aus den
       Sondierungen ausgesprochen. Bei einer Sitzung votierten am Montagabend 26
       Vorstandsmitglieder für die Koalitionsverhandlungen, drei stimmten dagegen,
       wie die Berliner SPD mitteilte. Die Sozialdemokraten gaben damit als erste
       der drei Parteien grünes Licht für Koalitionsverhandlungen. Allerdings soll
       auch ein Mitgliederentscheid über eine rot-rot-grüne-Koalition geprüft
       werden.
       
       Die Grünen wollen am Montagabend noch bei einem kleinen Parteitag über die
       Aufnahme von Koalitionsverhandlungen abstimmen. Ein Ja gilt als
       wahrscheinlich. Bei der Linkspartei, welche die Abgeordnetenhauswahl am 20.
       September klar gewonnen hat, soll erst am 31. Oktober ein Landesparteitag
       entscheiden.
       
       Nach den Sondierungen hatten die drei Parteien angesichts des Widerstands
       sowohl bei SPD als auch bei Grünen gegen eine Koalition mit den Linken ein
       gemeinsames Papier beschlossen. Dies soll Grundlage von
       Koalitionsverhandlungen sein. Vorgeworfen wird von den Partnern der Linken
       vor allem antisemitische Strömungen sowie eine Nähe Einzelner zu
       Mitgliedern der organisierten Kriminalität.
       
       Ein zentraler Punkt der Vereinbarung ist auch die geplante
       Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände. Mitte 2028 soll ein
       entsprechendes Gesetz vorgelegt werden, das die Enteignung von Wohnungen
       privater Unternehmen wie Vonovia mit mehr als 10.000 Einheiten in
       Gemeineigentum regelt. Die ‌Entschädigungssumme für die betroffenen
       Konzerne wird bei 16 Milliarden Euro gedeckelt.
       
       ## Genehmigungen für 100.000 neue Wohnungen
       
       Zudem sollen bis 2031 die Genehmigungen für 100.000 neue Wohnungen erteilt
       werden, die vor allem im niedrigen und mittleren Preissegment liegen. Für
       die ⁠landeseigenen Wohnungsunternehmen ist eine Begrenzung der
       Mietsteigerungen auf maximal zwei Prozent pro Jahr vorgesehen. Zudem soll
       2027 eine neue „Mietenaufsicht“ aufgebaut werden, um Rechtsverstöße auf dem
       Wohnungsmarkt zu verfolgen.
       
       Die drei Parteien wollen dem Papier zufolge zudem eine Ausweitung des
       Wahlrechts. ‌So soll ‌das aktive und passive Wahlrecht auf Landes- und
       Kommunalebene für alle ⁠Menschen eingeführt werden, die seit fünf Jahren in
       Deutschland leben. Dies würde bedeuten, dass künftig auch Nicht-EU-Bürger
       an den Wahlen teilnehmen könnten.
       
       Weitere Schwerpunkte setzt das ‌Papier bei den Themen Antisemitismus und
       Sicherheit. Die Koalitionspartner ‌bekennen sich zum Schutz jüdischen
       Lebens sowie zum Existenzrecht Israels und lehnen die Boykott-Kampagne BDS
       klar ab. Für den Umgang mit antisemitischen Vorfällen in den ‌eigenen
       Reihen wurde ein gemeinsames Verfahren mit ⁠einem externen Expertengremium
       vereinbart.
       
       19 Oct 2026
       
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