# taz.de -- SPD lässt Mitglieder entscheiden: Steffen Krach stellt die Vertrauensfrage
       
       > Nach der Linken und den Grünen hat sich auch die Berliner SPD für eine
       > Mitgliederbefragung entschieden. Das Risiko, in das Steffen Krach geht,
       > ist hoch.
       
 (IMG) Bild: Alles oder nichts: SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach geht aufs Ganze
       
       Nun also doch. Um der Abstimmung mit den Füßen durch die Kreisverbände
       zuvorzukommen, haben sich die beiden SPD-Landesvorsitzenden Steffen Krach
       und Bettina König entschieden, die Flucht nach vorn zu ergreifen. Auf ihren
       Vorschlag hin hat sich der geschäftsführende Landesvorstand am
       Dienstagabend einstimmig entschieden, die Basis über einen noch
       auszuhandelnden Koalitionsvertrag abstimmen zu lassen.
       
       Zuvor hatten bereits die Kreisverbände Reinickendorf und Lichtenberg eine
       solche Mitgliederbefragung gefordert. Hätten sich dem Votum drei weitere
       SPD-Kreise angeschlossen, wäre eine Befragung auch ohne Beschluss des
       Landesvorstands gekommen.
       
       Vor allem Spitzenkandidat und Co-Landeschef Steffen Krach geht mit diesem
       Schritt ins Risiko. Anders als bei den mehrheitlich aus linken Funktionären
       bestehenden Delegierten des SPD-Landesparteitags ist die Stimmung an der
       Basis oft schwer einzuschätzen.
       
       So votierten die 18.000 SPD-Mitglieder im Mai 2024 in einer Stichwahl mit
       58,5 für die eher zur Parteirechten zählenden Martin Hikel und Nicola
       Böcker-Giannini als neue SPD-Landeschefs. Das linke Kandidatenduo um Jana
       Bertels und Kian Niroomand kam auf 41,5 Prozent. Zuvor waren der damalige
       Fraktionschef Raed Saleh und seine Co-Kandidatin Luise Lehmann in der
       ersten Runde mit 15,7 Prozent ausgeschieden.
       
       ## Giffey hat als Erste Basisvotum gefordert
       
       Knapp 60 gegen 40 Prozent: Das ist die Hoffnung, die wohl auch Franziska
       Giffey in die Basis setzt. Die Nochwirtschaftssenatorin, die im Amt bleiben
       will, lehnt ein rot-grün-rotes Bündnis ab und hatte sich bereits früh für
       eine Mitgliederbefragung eingesetzt. In einem Interview mit der Zeit hatte
       sie ein Votum der Basis über einen möglichen Koalitionsvertrag als „ganz
       große Richtungsentscheidung“ bezeichnet.
       
       Ob sich die SPD-Mitglieder für oder gegen Rot-Grün-Rot aussprechen, hängt
       natürlich auch davon ab, welche Pflöcke die SPD in den
       Koalitionsverhandlungen einrammen kann. Sollte die Partei das Innenressort
       behalten und etwa mit dem Wirtschafts- und Wissenschaftsressort
       Standortpolitik betreiben können, wäre ein Nein auch bei eher konservativen
       Genossinnen und Genossen weniger wahrscheinlich.
       
       Hinzu kommt, dass ein Nein die Partei in ein Chaos stürzen würde, dessen
       Folgen kaum abzuschätzen wären. Nicht nur Steffen Krach und Bettina König
       müssten dann zurücktreten. Bei den Neuwahlen, die dann wohl folgen würden,
       müsste sich die SPD auch eine neue Spitzenkandidatin oder einen neuen
       Spitzenkandidaten suchen.
       
       Es ist diese Furcht vor Neuwahlen, bei denen die SPD erstmals in Berlin
       einstellig werden könnte, die sicher zum Kalkül von Steffen Krach gehören.
       Denn mit der Entscheidung für eine Mitgliederbefragung stellt Krach, der
       anders als Hikel und Böcker-Giannini nur von einem Parteitag zum Landeschef
       gewählt wurde, auch die Vertrauensfrage.
       
       Folgt ihm die Basis, ist er endgültig der neue starke Mann der Berliner
       SPD. Verweigert sie ihm die Gefolgschaft, hat sich die SPD gewissermaßen
       selbst aufgelöst – und das ganz basisdemokratisch.
       
       28 Oct 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Uwe Rada
       
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