# taz.de -- Mögliche AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt: „Wir haben Angst“
> Migrantenorganisationen berichten von wachsender Ablehnung. Was sie
> angesichts einer drohenden AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt vom Bund
> verlangen.
(IMG) Bild: Wohnsitzauflagen für Asylsuchende abschaffen: Pressekonferenz der Migrant*innenverbände in Berlin
dpa/taz | Migrantenverbände fordern von Bund und Ländern Vorkehrungen zum
Schutz von Minderheiten [1][für den Fall einer AfD-geführten Regierung in
Sachsen-Anhalt]. „In Sachsen-Anhalt könnte in den kommenden Wochen erstmals
eine Partei mitregieren, deren Landesverband vom Verfassungsschutz als
gesichert rechtsextremistisch eingestuft wird“, heißt es in einem offenen
Brief an Kanzler Friedrich Merz (CDU) und die Regierungschefs der Länder.
„Ein Konzept zum Schutz der Menschen aber, die von einer solchen Regierung
bedroht wären, gibt es bis heute nicht.“
Absender des Schreibens, das bewusst vor der Ministerpräsidentenkonferenz
an diesem Donnerstag verschickt wurde, sind die Türkische Gemeinde in
Deutschland, die Bundeskonferenz der Migrant*innenorganisationen
(BKMO), der Dachverband der Migrant*innenorganisationen in
Ostdeutschland und [2][das Landesnetzwerk
Migrant*innenorganisationen Sachsen-Anhalt] (Lamsa).
„Die Gefährdung der Demokratie ist in aller Munde. Die Gefährdung der
Menschen, die nicht in das völkische Weltbild passen, spüren dagegen vor
allem die Betroffenen selbst, und zwar in ihrem Alltag“, warnen die
Verbände und verweisen auf Juden, Menschen, die als Muslime wahrgenommen
werden, Sinti und Roma, queere Menschen und Menschen mit
Migrationsgeschichte. Eter Hachmann, Vorsitzende des Dachverbands der
Migrant*innenorganisationen in Ostdeutschland (DaMOst) sagte: „Wir
haben Angst.“ Und „diese Angst betrifft nicht nur uns im Osten, diese Angst
betrifft die ganze Bundesrepublik“.
In dem Schreiben heißt es: „Seit den Wahlerfolgen der AfD erleben diese
Menschen und ihre Organisationen Ablehnung und Hass in einer Intensität,
die es lange nicht gab.“ In den Verbandsgeschäftsstellen gingen Hassmails
und Drohbriefe ein, Mitarbeiter würden am Telefon und auf der Straße
beschimpft. Das Netzwerk Lamsa habe allein im laufenden Jahr 85
Beratungsfälle zu rassistischen Bedrohungen verzeichnet, mehr als im ganzen
Vorjahr. Dabei würden Fragen gestellt wie: „Werden Sicherheitsbehörden,
deren Handeln die AfD politisch verantwortet, kommen, um uns zu schützen?“
## Verbände fordern Schutzfonds
Konkret fordern die Verfasser des Schreibens eine Bund-Länder-Kommission
zum Schutz von Minderheiten, die klären soll, welche Gefährdungen es für
Menschen in Sachsen-Anhalt durch eine AfD-Regierung geben könne, und
Gegenmaßnahmen entwickelt. „Sie macht vorab deutlich, wie der Rechtsstaat
reagiert, wenn eine Landesregierung die Grenzen der Verfassung zu testen
versucht.“
Zudem sollen Wohnsitzauflagen etwa für Asylsuchende aufgehoben werden,
damit diese wegziehen können, wenn sie an ihrem Wohnort rassistische Gewalt
fürchten. Der Bund müsse klarstellen: „Eine konkrete rassistische,
antisemitische, antiziganistische, antimuslimische oder rechtsextrem
motivierte Gefährdung ist ein Härtefall und ermöglicht auch einen Wechsel
in ein anderes Bundesland.“
Daneben soll der Bund mit einem Schutzfonds bedrohte gemeinnützige
Einrichtungen, Vereine, Beratungsstellen, Gemeinden und Initiativen
unterstützen, die rassistisch bedroht werden – zum Beispiel bei der
Entwicklung von Notfallkonzepten oder baulichen Maßnahmen.
Als Blaupause nennen die Verbände die 22 Millionen Euro, die der Bund nach
dem rechtsterroristischen Anschlag von Halle 2019 zur Sicherung jüdischer
Einrichtungen zur Verfügung stellte. Taylor beklagte [3][Kürzungen beim
Bundesprogramm Demokratie leben!] Dies führe unweigerlich zu weniger
Beratungsmöglichkeiten.
„Das Grundgesetz gilt in Sachsen-Anhalt wie überall in Deutschland. Damit
dieses Versprechen trägt, braucht es Vorkehrungen, bevor es auf die Probe
gestellt wird. Setzen Sie Grenzen und sagen Sie heute, wie Bund und Länder
sie durchsetzen werden“, verlangen die Absender, die um eine schriftliche
Antwort binnen 14 Tagen bitten.
19 Oct 2026
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