# taz.de -- Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Die Zivilgesellschaft bereitet sich auf die AfD vor
> Die AfD hatte ihr Wahlprogramm mit Versprechen gegen Migrant:innen und
> Zivilgesellschaft gefüllt. Die wappnen sich nun mit Recht und
> Solidarität.
(IMG) Bild: „Zeit zum Handeln“ war das Motto einer Protestaktion in Dresden nach dem Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt
[1][Seit dem Wahlabend] klingelt ständig das Telefon beim Landesnetzwerk
Migrantenorganisationen in Sachsen-Anhalt (Lamsa). Menschen mit
Migrationsgeschichte seien durch den Sieg der AfD verunsichert, so erzählt
es Undra Dreßler, Geschäftsführerin des Netzwerks, am Dienstag bei einer
Pressekonferenz im Landtag von Sachsen-Anhalt. Angst und Unsicherheit
verbreiteten sich. Täglich gehe es etwa um die Frage, ob Menschen mit
Migrationsgeschichte [2][noch eine Zukunft in dem Bundesland] hätten. Lamsa
hat deshalb eine Seelsorge-Hotline eingerichtet.
Neben Dreßler sitzen an diesem Dienstag bei der Pressekonferenz noch
Vertreter:innen der Wohlfahrtsverbände Diakonie und Arbeiterwohlfahrt
(AWO) sowie der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands und der
Gewerkschaft Verdi. Alle fünf berichteten von einem [3][veränderten
sozialen Klima in Sachsen-Anhalt] seit der Landtagswahl.
Annett Flachshaar, stellvertretende Geschäftsführerin vom nördlichen
Verdi-Bezirk in Sachsen-Anhalt, berichtete zum Beispiel, in den Betrieben
von Sachsen-Anhalt herrsche Stille. „Jeder ist argwöhnisch, ob vielleicht
der Kollege neben sich die Partei gewählt hat, die einen selbst nicht mehr
will.“
Vor etwas mehr als einer Woche bekam die AfD in Sachsen-Anhalt 43,8 Prozent
der Stimmen. In ihrem Programm warnte die Partei schon ganz vorn,
Einwanderung bringe viele Probleme mit sich. Sachsen-Anhalt solle auf
„kulturfremde Fachkräfte“ verzichten, im Pflegesektor seien die unter
anderem eine Gefahr für die Patienten.
## Der Widerstand soll weitergehen
Wer künftig in Sachsen-Anhalt die Landesregierung stellt, das ist am
Dienstag weiterhin unklar. Das Wahlergebnis reicht für die AfD nicht, um
allein zu regieren. CDU, SPD, Grüne und Linke haben ausgeschlossen, mit der
nationalautoritären Partei Sondierungsgespräche zu führen. Das BSW führt
hingegen Gespräche mit der AfD, bislang allerdings ohne Ergebnisse.
Barbara Höckmann, Präsidentin des AWO‑Landesverbandes in Sachsen-Anhalt,
erklärte, in den vergangenen Monaten habe sich gezeigt, dass eine
„lautstarke und kreative Zivilgesellschaft“ den AfD-Zielen entgegenstehe.
„Dieser Widerstand ist ungebrochen. Wir machen weiter.“ Höckmann betonte,
die AWO habe eine „sozialanwaltliche Position“ und stehe für die Interessen
verwundbarer Gruppen ein.
Parallel zur Pressekonferenz im Landtag ging die Website „Recht
solidarisch“ online. Wenn zivilgesellschaftliche Akteure unter Druck
geraten, finden sie dort juristische Gutachten und Kontakte. Darunter
findet sich etwa ein „Rechtscheck“, ob die Kinder von Geflüchteten
dauerhaft in Sonderklassen unterrichtet werden dürfen. Das fordert die AfD
in ihrem Programm. Ausführlich steht bei „Recht solidarisch“, weshalb das
rechtlich unzulässig ist und welche Handlungsmöglichkeiten Betroffene
haben.
Bei der Pressekonferenz im Landtag von Magdeburg ging es auch um die Frage,
ob es wegen des starken AfD‑Ergebnisses bereits Kündigungen gebe. „Es ist
noch zu früh“, antwortete darauf Christoph Stolte, Vorstandsvorsitzender
der Diakonie Mitteldeutschland. Er höre allerdings, dass vermehrt nach
Zwischenzeugnissen gefragt werde. Daraus leite er ab, dass einige mit dem
Gedanken spielen, sich anderswo in Deutschland zu bewerben.
## Sachsen-Anhalt drohen Abwanderungen
Johann Schneider, Regionalbischof der Evangelischen Kirche in
Mitteldeutschland, erzählte, früher habe er Bewerbungen aus dem ganzen
Bundesgebiet bekommen. „Das hat dramatisch abgenommen.“ Letztens habe eine
Bewerberin aus der Slowakei doch abgesagt, weil sie „so viel Schlechtes von
diesem Land gehört“ habe.
AWO Präsidentin Höckmann sagte: Falls Menschen mit Migrationsgeschichte
keine Zukunft in Sachsen-Anhalt sehen würden, habe das bald Folgen für den
Pflegebereich. 40 Prozent der Azubis in diesem Sektor hätten
Migrationsgeschichte. „Wir brauchen ganz dringend ein wertschätzendes
Miteinander.“
15 Sep 2026
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(DIR) David Muschenich
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