# taz.de -- Göttinger Jugendzentrum unter Druck: Finanzamt droht Juzi mit Entzug der Gemeinnützigkeit
> Wegen Hinweisen auf „Antifa“-Bezüge droht dem Juzi Göttingen der Entzug
> der Gemeinnützigkeit. Der Verein sieht sich einem politischen Angriff
> ausgesetzt.
(IMG) Bild: Macht antifaschistische Jugendarbeit, weil die Jugendlichen von rechten Anfeindungen betroffen sind: Göttinger Juzi
Das selbstverwaltete [1][Jugendzentrum Innenstadt (Juzi) in Göttingen]
sieht sich einem „politischen Angriff auf unabhängige Jugendarbeit und
Kultur, auf Antifaschismus und Selbstorganisation und auf unser Haus“
ausgesetzt. Grund ist die schriftliche Aufforderung des örtlichen
Finanzamtes an den Juzi-Trägerverein, zwecks Überprüfung der
Gemeinnützigkeit detaillierte Auskünfte über die Jugendarbeit und
politische Betätigung des Zentrums im vergangenen Jahr vorzulegen.
Die Behörde habe Hinweise auf politische Diskussionsveranstaltungen im Juzi
und auf der Internetseite angekündigte Termine „mit Bezug zur ‚Antifa‘“.
Verlangt wird eine genaue Darstellung, welche Angebote 2025 der Jugendhilfe
dienten, in welchem Umfang sie stattfanden und wie die politische
Betätigung des Vereins aussah.
Nach Angaben des Finanzamts kann die Gemeinnützigkeit und damit
Steuerbegünstigung wegfallen, wenn etwa Stellungnahmen zu allgemein- oder
parteipolitischen Zielen ohne Bezug zum gemeinnützigen Zweck abgegeben
werden. Die Satzung des Vereins nennt als Vereinszweck die Förderung der
Jugendhilfe. „Der Verein ist auf demokratischer Grundlage aufgebaut“, heißt
es darin. Zugleich verweist die Satzung darauf, dass der Verein politisch
und konfessionell unabhängig sei und nicht einzelnen politischen oder
religiösen Gruppen zur Durchsetzung ihrer Ziele dienen dürfe.
In dem Brief würden „Sätze aneinandergereiht, die keine klare
Argumentationskette bilden, aber mit etwas Interpretationsbemühungen
Folgendes zu meinen scheinen“, [2][erklärt das Juzi in einer
Stellungnahme]: „Politische Diskussionen, erst recht, wenn diese in Bezug
zu ‚der Antifa‘ (wer auch immer das sein soll) stehen, widersprechen dem
Vereinszweck. Solch suggestiv dahingeschwurbelte Formulierungen, die ‚die
Antifa‘ als einheitliche politische Gruppierung konstruieren und zum
Feindbild aufbauen, kennen wir üblicherweise von rechtsextremen Parteien.“
„‚Antifa‘“ ist schlicht die Abkürzung für Antifaschismus, heißt es weiter.
Jugendliche, die ins Juzi kämen, berichteten und litten zunehmend unter
Problemen mit rechten Mitschüler:innen und Lehrer:innen, die
menschenfeindliche Ansichten verbreiteten und tolerierten.
„Eine Auseinandersetzung mit diesen Herausforderungen und den
zugrundeliegenden Thematiken ist ihre selbstbestimmte Antwort darauf“,
schreibt das Juzi. „Unsere antifaschistische Jugendarbeit orientiert sich
somit unmittelbar an ihren Interessen. Die Jugendlichen, die ins Juzi
kommen, sind betroffen von der Zunahme rechter Gewalt, organisieren sich
gemeinschaftlich und versuchen, sich selbstbestimmt gegenseitig gegen
Menschenfeindlichkeit zu unterstützen.“
## 1986 stürmte die Polizei das Juzi
In der [3][Definition des Sozialgesetzbuches] soll Jugendarbeit zur
„Selbstbestimmung befähigen und zu gesellschaftlicher Mitverantwortung und
zu sozialem Engagement anregen.“ Zu den Schwerpunkten außerschulischer
Jugendbildung zählen demnach allgemeine, politische, soziale,
gesundheitliche, kulturelle, naturkundliche und technische Bildung. „Wie
großartig, dass das Juzi mit Holzwerkstatt, Siebdruck, Bandproberäumen,
Jugendcafés, gewinnfreien Konzerten und Partys, Vorträgen und Workshops all
dies bietet“, so das Juzi.
Während sich der Juzi-Verein aktuell anwaltliche Hilfe holt, bekommt er
politische Unterstützung. Der Stadtjugendring Göttingen fordert das
Finanzamt auf, die Gemeinnützigkeit des Vereins zu erhalten. Im städtischen
Haushalt sind für das Juzi 147.400 Euro für 2025 und 152.000 Euro für 2026
vorgesehen. Vonseiten der CDU und FDP gab es in den vergangenen Jahren
hingegen [4][immer wieder Vorstöße], dem Jugendzentrum die öffentliche
Förderung komplett zu streichen oder das Haus zu schließen.
Das Juzi war insbesondere in den späten 1980er Jahren wiederholt das Ziel
von Angriffen und Belagerungen durch Neonazis und rechtsextreme Skinheads.
[5][Am 1. Dezember 1986 sorgte ein Polizeiüberfall auf das Juzi für
bundesweites Aufsehen]. Beamte stürmten und umstellten das Haus, in dem
eine öffentliche Veranstaltung über Wohnungsnot und die polizeiliche
Räumung dreier besetzter Häuser stattfand. Mehr als 400 Teilnehmende wurden
über Stunden festgesetzt, durchsucht und erkennungsdienstlich behandelt.
Die Aktion, die als „Göttinger Kessel“ bekannt wurde, hatte ein langes
juristisches Nachspiel. [6][Gerichte erklärten die Razzia und das
massenhafte Festsetzen der Personen für rechtswidrig]. Sie urteilten, dass
die Maßnahme unverhältnismäßig war, da kein konkreter Tatverdacht gegen die
Teilnehmer der friedlichen Versammlung vorlag.
20 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Plan-zur-Haushaltssicherung/!6051098
(DIR) [2] https://juzi.de/2026/10/finanzamt-goettingen-attackiert-das-juzi-wir-wehren-uns-gegen-die-infragestellung-der-gemeinnuetzigkeit/
(DIR) [3] https://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbviii/11.html
(DIR) [4] https://www.goettinger-tageblatt.de/lokales/goettingen-lk/goettingen/cdu-opfert-unschuldsvermutung-4FKB2XL6VIF62DUHZYCNFIJ46Y.html
(DIR) [5] /Goettinger-Kessel-war-rechtswidrig/!1814904/
(DIR) [6] /Goettinger-Kessel-war-rechtswidrig/!1814904/
## AUTOREN
(DIR) Reimar Paul
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