# taz.de -- Nach dem Rekordsommer: Wie die Klimakrise Mobilität und Transport schadet
       
       > Die Bundesregierung weiß wenig über die Folgen des Hitzesommers für
       > Deutschlands Verkehrswege. Die Zahlen, die es gibt, bieten aber Grund zur
       > Sorge.
       
 (IMG) Bild: Durch den Druck bei den hohen Temperaturen der Hitzewelle zerbrachen die Betonplatten an den Übergängen, hier auf der A2
       
       Der extrem heiße Sommer hat Schienen, Straße und Wasserwege vielerorts
       beschädigt und unbenutzbar gemacht. Wie teuer der Schaden die deutsche
       Wirtschaft zu stehen kommt, weiß die Bundesregierung aber nicht. Das geht
       aus der Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine Kleine Anfrage der
       Grünen-Bundestagsabgeordneten Swantje Michaelsen hervor. Die Antwort liegt
       der taz vor.
       
       Allein im ersten Halbjahr hat die Hitze demnach 42 Autobahnabschnitte
       [1][durch Aufwölbungen oder Abbruchstellen im Beton beschädigt]. Das sind
       32 Stellen mehr als im bisherigen Rekordjahr 2019. Bis 2012 kam es
       überhaupt nicht zu Schäden aufgrund von Hitze.
       
       Wie teuer die Reparaturen sind und welche wirtschaftlichen Folgen die
       Unterbrechungen zum Beispiel für den Güterverkehr haben, weiß das
       Verkehrsministerium nicht.
       
       „Die Bundesregierung argumentiert beim Neubau von Autobahnen immer mit
       deren Nutzen für die Volkswirtschaft“, sagt Michaelsen. Aber wenn sie nicht
       in der Lage ist, die Hitzeschäden einzubeziehen, „kann sie die Folgen der
       Klimakrise für neue Straßen auch nicht einpreisen“.
       
       Statt an Neu- und Ausbauplänen für Autobahnen festzuhalten, müsse die
       Bundesregierung klar priorisieren, sagt Michaelsen: „Die bestehende
       Infrastruktur muss erhalten und saniert werden und so ertüchtigt werden,
       dass Straßen, Schienen und Brücken auch extremer Hitze standhalten.“
       
       ## Hitze verursachte bei der Bahn Verspätungen
       
       An wie vielen Stellen im deutschen Schienennetz aufgrund von Hitze oder
       Böschungsbränden Störungen auftraten, will die Bundesregierung überhaupt
       nicht beantworten. „Infolge einer Abwägung der Informationsrechte des
       Deutschen Bundestags mit den Belangen des Staatswohls sind die erbetenen
       Informationen als ‚Verschlusssache, vertraulich‘ eingestuft“, schreibt das
       Verkehrsministerium.
       
       „Was daran sicherheitsrelevant sein soll, erschließt sich mir nicht“, sagt
       Michaelsen, schließlich habe sie nicht nach besonders vulnerablen
       Schienenabschnitten, sondern nur nach der Menge der Vorfälle gefragt. „Wir
       sehen ein Muster, Antworten als sicherheitsrelevant einzustufen, wenn das
       Ministerium nicht antworten will.“
       
       Laut DB InfraGo, der Infrastruktursparte der Bahn, wurden an besonders
       heißen Tagen Weichen in bestimmten Abschnitten temperaturbedingt nicht
       verstellt, wodurch Verspätungen entstanden. Mit diesem Vorgehen soll
       InfraGo zufolge „verhindert werden, dass während des Umstellens der Weiche
       ein hitzebedingter Defekt entsteht, der das Befahren gänzlich ausschließen
       würde“.
       
       Auch die deutschen Wasserstraßen litten unter dem heißen und trockenen
       Sommer. Bis Mitte September wurde am Rheinpegel Kaub an 70 Tagen
       Niedrigwasser gemessen, am Oderpegel Hohensaaten Finow sogar an 111 Tagen.
       Auch hier erfasst die Bundesregierung [2][den entstehenden wirtschaftlichen
       Schaden] nicht. Frachtschiffe sind bei Niedrigwasser dazu gezwungen,
       weniger beladen oder gar nicht zu fahren. Allein am Rhein führt das
       [3][laut dem Beratungsinstitut Prognos] zu Einbußen von knapp 1 Milliarde
       Euro.
       
       ## Grüne: „Wir haben es in der Hand“
       
       „Die Daten der Bundesregierung sind zwar knapp, aber sie geben einen
       Hinweis darauf, dass wichtige Teile der deutschen Infrastruktur bei Hitze
       nicht zuverlässig funktionieren“, sagt Michaelsen. Neben
       Anpassungsmaßnahmen müsse die Bundesregierung auch endlich konsequent in
       Klimaschutz investieren. „Wir haben es in der Hand, die Schäden nicht noch
       größer werden zu lassen.“
       
       Der Sommer 2026 war [4][laut Deutschem Wetterdienst] (DWD) heißer als alle
       Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen mit Ausnahme der heißen Monate
       des Jahres 2003. Im Deutschlandmittel kam es demnach an 22 Tagen zu über 30
       und an 5 Tagen über 35 Grad – „beispiellos“ nennt der DWD die Zahl der
       Extremtage.
       
       18 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Rekordschaeden-an-den-Fahrbahnen/!6194639
 (DIR) [2] /Zu-wenig-Wasser-im-Rhein/!6203483
 (DIR) [3] https://www.prognos.com/de/wirtschaftliche-schaeden-niedrigwasser-rhein
 (DIR) [4] https://www.dwd.de/DE/presse/pressemitteilungen/DE/2026/20260831_deutschlandwetter_sommer_news.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jonas Waack
       
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