# taz.de -- Bundestag diskutiert Sabotage: Mehr Sicherheit und die Sache mit den Grundrechten
> Die größte Gefahr für hybride Angriffe gehe von Moskau aus, betonen Union
> und SPD und verteidigen ihre Reformpläne für die Nachrichtendienste.
(IMG) Bild: Immer wieder musste zuletzt nach Drohnensichtungen an europäischen Flughäfen der Flugbetrieb temporär eingestellt werden
Eine Woche nachdem die Präsident:innen der Nachrichtendienste in einer
öffentlichen Anhörung über Deutschlands Sicherheit gesprochen haben, haben
die Abgeordneten am Donnerstag in einer Aktuellen Stunde im Bundestag über
Spionage, Sabotage und hybride Angriffe debattiert. „Wir werden jetzt
angegriffen, nicht erst 2029“, wiederholt der Unionsabgeordnete David
Preisendanz die Worte des BND-Chefs Sinan Selen und verweist als Beispiel
auf den [1][Anschlagsversuch auf den Flughafen Leipzig/Halle].
Am 4. August 2026 wurde neben einem ukrainischen Frachtflugzeug, das für
den Transport von Rüstungsgütern genutzt wurde, eine mit Sprengstoff
gefüllte Drohne entdeckt. Sie explodierte nicht, weil der Zünder offenbar
defekt war. „Wir sind ganz knapp einer Katastrophe entgangen“, sagt Detlef
Seif, Abgeordneter der CDU, am Donnerstag im Plenum. Die Bundesregierung
macht Russland für den Anschlagsversuch verantwortlich, auch
Verfassungsschutzpräsident Selen zieht diese Verbindung.
## Fiedler: Klar benennen, woher Bedrohung kommt
Russland sei der „aktivste Akteur, was hybride Kriegsführung gegen die
Bundesrepublik Deutschland“ anginge, sagt Seif. Das habe er mit keinem Wort
erwähnt, wirft Seif dem AfD-Abgeordneten Maximilian Krah vor, der nach
Unruhe aus seiner Fraktion beim Thema Russland auf eine Zwischenfrage
bestanden hatte. Auf die Vorwürfe gegen Moskau reagieren die
AfD-Abgeordneten empfindlich, Bundestagsvizepräsidentin Andrea Lindholz
muss ermahnen.
Es sei wichtig, mit klarer Sprache zu benennen, woher die Bedrohung kommt,
sagt auch SPD-Politiker Sebastian Fiedler. Die Situation sei deshalb so
ernst, „weil Putin uns mit der Gefahr überzieht“. Zur gleichen Zeit
forderten BSW und AfD in Sachsen-Anhalt, Sanktionen gegen Russland
zurückzunehmen, ärgert sich Fiedler. Diese hatten im Landtag in Magdeburg
einen [2][gemeinsamen Antrag eingebracht,] in dem die geschäftsführende
Landesregierung unter anderem dazu aufgefordert wird, eine entsprechende
Bundesratsinitiative anzustoßen.
## Reform der Nachrichtendienste
Weiteres Thema: Die Reform der Nachrichtendienste. Dass die deutschen
Nachrichtendienste nur Informationen sammeln dürften, das passe nicht mehr
zur aktuellen Bedrohungslage, sagt CDU-Mann Preisendanz. Es könne nicht
sein, dass Deutschland sich auf die US-amerikanischen Geheimdienste
verlassen müsse. Die Bundesregierung hat einen [3][umfangreichen
Gesetzentwurf zur Reformierung vorgelegt], der am 24. September 2026 in
erster Lesung im Bundestag beraten wurde.
Die schwarz-rote Koalition will dem Bundesamt für Verfassungsschutz und dem
Bundesnachrichtendienst auch „operative Befugnisse“ geben. Der
Verfassungsschutz soll etwa heimlich in Wohnungen eindringen und
Onlinedurchsuchungen vornehmen, der BND in fremde IT-Systeme eindringen und
Hackerangriffe abwehren dürfen. Grüne und Linke kritisieren den
Gesetzentwurf unter anderem wegen der harten Eingriffe in die Grundrechte
der Bürger:innen.
Der Linken-Abgeordnete Jan Krampe widmet sich auch am Donnerstag der
Verteidigung der Grundrechte der Bürger:innen. Er sieht ein wiederkehrendes
Muster. „Kaum wird eine neue Bedrohung beschrieben, folgt die Forderung
nach neuen Überwachungsmaßnahmen: mehr Datensammlung, mehr biometrische
Überwachung, mehr Eingriffe in Grundrechte“, sagt Krampe. „Mehr Überwachung
schafft nicht mehr Sicherheit“, ergänzt er, und: „Grundrechte sind kein
Sicherheitsrisiko.“
16 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Annika Danielmeier
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