# taz.de -- Russlands Methoden in der Ukraine: Ein Angriff auf die Zukunft
       
       > Die russische Armee attackiert in der Ukraine nicht nur Öllager, sondern
       > auch gezielt Orte der Kultur. Was das für Städte wie das westukrainische
       > Luzk bedeutet.
       
 (IMG) Bild: Immer wieder wird der westukrainische Ort Luzk von russischen Drohnen angegriffen, am 14.10.2026
       
       Die westukrainische Stadt Luzk, die 60 Kilometer von der Grenze zur EU
       entfernt liegt, ist täglich russischen Angriffen ausgesetzt. Vier oder fünf
       Luftalarme am Tag überraschen die Einheimischen längst nicht mehr.
       
       Doch in diesem Herbst müssen die Menschen sich immer häufiger in
       Schutzräume begeben. Im fünften Jahr der [1][großangelegten Invasion]
       setzen die Russen darauf, die Bevölkerung in Städten weit hinter der Front
       einzuschüchtern. Daher führen sie dort verstärkt wahllose Angriffe durch.
       Am Mittwoch kamen in Luzk sechs Menschen ums Leben, als eine Drohne vom Typ
       „Geran-5“ in einem Wohnviertel in ein Lager-Geschäft einschlug. Fast 20
       weitere Personen wurden verletzt.
       
       „Es war ein direkter Treffer. Die Trümmerteile flogen direkt über unsere
       Köpfe hinweg. Wir haben das Blut der Verletzten mit Taschentüchern
       abgewischt und den Rettungsdienst sowie die Feuerwehr gerufen“, sagt Maria,
       eine Bewohnerin von Luzk. Nach der Explosion half sie dabei, die Verletzten
       aus dem Gebäude zu tragen.
       
       An jenem Tag hatten russische Drohnen zunächst ein Öllager in Luzk
       angegriffen und anschließend zivile Infrastruktur ins Visier genommen.
       Neben einem Geschäft wurden ein Wohnhaus, die Lagerräume einer Buchhandlung
       sowie das Museum für zeitgenössische ukrainische Kunst beschädigt.
       
       ## Weltweit größtes Gemälde in Flammen
       
       Die Inhaberin der Buchhandlung, Switlana Bohinska, lässt sich trotz des
       Schocks über den Angriff nicht aus der Ruhe bringen. Sie berichtet, dass
       einige Mitarbeiter leichte Verletzungen erlitten hätten. In den Lagerräumen
       seien Bücher und Lehrbücher im Wert von Millionen Hrywnja aufbewahrt
       worden. „Die Russen vernichten schon seit Langem ukrainische Bücher. Auch
       Lager und Druckereien des Verlags ‚Ranok‘ wurden niedergebrannt, der Markt
       ‚Petriwka‘ in Kyjiw wurde zerstört und jetzt brennt das ‚Haus des Buches‘
       in Luzk. Wir werden alles wieder aufbauen. Das Wichtigste ist aber,
       Menschenleben zu retten“, sagt sie.
       
       Trümmer einer abgeschossenen Drohne beschädigten auch das Museum für
       zeitgenössische ukrainische Kunst. Ein Teil des Kunstprojekts „Kosmogonie“
       – das weltweit größte Gemälde mit einer Fläche von mehr als 2000
       Quadratmetern – geriet in Brand.
       
       Das Projekt besteht aus sechs Teilen, die drei Fragen nachgehen: Woher wir
       kommen, wer wir sind und was aus uns werden wird. Am stärksten beschädigt
       wurde der sechste Teil – „Die Zukunft“. „Durch Angriffe auf Kunst und
       Kultur will Russland der Ukraine die Zukunft rauben“, sagt
       Museumsdirektorin Tetjana Repnyzka.
       
       Derzeit prüft das Museum zwei Optionen: das beschädigte Gemälde zu
       restaurieren oder es als Zeugnis der Kriegsfolgen so zu belassen, wie es
       jetzt ist. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Johannes Volkmann reagierte auf
       den Angriff. Er hatte das Museum im August besucht und dort mit
       ukrainischen Jugendlichen über die europäische Zukunft des Landes
       gesprochen. [2][„Russlands Terror aus der Luft richtet sich gegen die
       europäische Kultur“], schrieb er auf X.
       
       ## „Route des Todes“
       
       Bei einem anderen Angriff auf Luzk wurde ein Zug im Bahnhof getroffen.
       Opfer gab es keine, da die Fahrgäste rechtzeitig aus den Waggons evakuiert
       wurden.
       
       Die Drohnen fliegen auf zwei Routen in den Westen der Ukraine. Die „Route
       des Todes“ verläuft in der Nähe der [3][Grenze zu Belarus]. Dort gibt es
       sehr viele Wälder, in denen es für die Ukrainer oft unmöglich ist,
       Flugabwehrstellungen zu errichten. Von Russland aus legen die Drohnen eine
       Strecke von 700 bis 800 Kilometern bis nach Luzk oder Riwne zurück. Die
       andere Route führt von der besetzten Krim bis zur Grenze nach Polen. Sie
       verläuft entlang der Grenze zu Moldau und Transnistrien.
       
       Das ukrainische Verteidigungsministerium arbeite an Gegenmaßnahmen gegen
       strahlgetriebene Drohnen, teilte [4][der ukrainische Verteidigungsminister
       Jewhen Chmara] unlängst bei einem Treffen mit Journalisten mit. Ihm zufolge
       läuft die Abwehr von Bedrohungen aus der Luft nach einem System aus
       mehreren Staffeln, zu dem eine luftgestützte Komponente gehört – darunter
       auch Flugzeuge des Typs Mirage und F-16.
       
       Während Gegenmaßnahmen vorbereitet werden, müssen Schüler und Studierende
       in Luzk dreimal täglich den Unterricht unterbrechen und Schutzräume
       aufsuchen. Patienten in Krankenhäusern werden eilig per Aufzug in die
       Kellerräume gebracht. Die Luftalarme legen [5][das städtische Leben] lahm.
       Doch bislang haben sie nicht dazu geführt, dass die Einwohner von den
       Behörden fordern, sich den russischen Truppen zu ergeben.
       
       Aus dem Russischen übersetzt von Barbara Oertel
       
       16 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Nachrichten-im-Ukrainekrieg/!6221815
 (DIR) [2] https://x.com/jbvolkmann/status/2110362853161177367/photo/2
 (DIR) [3] /Warum-die-Ukraine-ihre-Grenze-nach-Norden-verstaerkt/!6186225
 (DIR) [4] /Neuer-ukrainischer-Verteidigungsminister/!6205553
 (DIR) [5] /1609-Tage-Krieg-in-der-Ukraine/!6191606
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Juri Konkewitsch
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
 (DIR) Russland
 (DIR) Schwerpunkt Krisenherd Belarus
 (DIR) Wladimir Putin
       
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