# taz.de -- Weidehaltung von Kühen: SPD protestiert gegen Rückzug des Agrarministers
> Agrarminister Rainer will die Prämie für Weidehaltung doch nicht
> einführen. Die agrarpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion fordert ihn
> zur Umkehr auf.
(IMG) Bild: Glück gehabt: Braunvieh auf der Weide in Niedersachsen
In der SPD regt sich Widerstand gegen den Plan der Bundesregierung, den
Start einer deutschlandweiten Subvention für die Weidehaltung von Milchvieh
abzusagen. „Wir fordern unseren Koalitionspartner, den Bundesminister
Rainer, auf, sich das zu überlegen“, sagte die agrarpolitische Sprecherin
der SPD-Bundestagsfraktion, Franziska Kersten, am Donnerstag. Ihre Partei
stehe dazu, diese „Ökoregelung“ der EU-Agrarsubventionen in Deutschland
einzuführen. „Wir müssen Gemeinwohlleistungen honorieren, und da ist die
[1][Weideprämie] ein ganz wichtiger Anteil“.
Dass Kühe auf der Weide gehalten werden, sei wichtig für die
Kulturlandschaft, die Klauen und Gelenke der Rinder sowie das Tierwohl,
ergänzte die Abgeordnete. Beweidetes Grünland nützt Experten zufolge zudem
der Artenvielfalt, weil es ein vielfältigerer Lebensraum ist als Äcker oder
intensiv gemähte Wiesen. Dennoch gehe die Weidehaltung zurück, so Kersten.
Schon 2019 hatten laut Statistischem Bundesamt nur [2][31 Prozent] der
Rinder Zugang zur Weide. Jetzt sind es laut der SPD-Politikerin nur noch 25
Prozent. „Das, was mit Weidemilch zu erzielen ist, das deckt nicht die
Kosten ab“.
## SPD: Verschiebung ja, Abschaffung nein
Der Grund sei, dass Kühe auf der Weide meist weniger Milch gäben, ergänzte
Ottmar Ilchmann, konventioneller Milchbauer und Vorsitzender der
Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), die vor allem kleine
und mittlere Höfe vertritt. Denn die Tiere verbrauchten mehr Kalorien, wenn
sie sich draußen bewegen. Zudem sei das Futter nicht „so optimal
zusammengestellt“ wie im Stall.
Deshalb habe der Bundestag mit Stimmen der SPD 2024 einen Zuschlag für
Weidehalter aus den EU-Direktzahlungen beschlossen, so Kersten. 2025 hätten
die Länder mehr Zeit für die Umsetzung verlangt. „Wir haben der
Verschiebung zugestimmt, aber nie der Abschaffung“, sagte die
SPD-Abgeordnete.
## Regierung argumentiert mit „Bürokratie“
Dem Bundestag liegt nun aber ein Gesetzentwurf der Regierung vor, der den
für 2027 geplanten Start streichen soll. „Für die Verwaltungen der Länder
wird Aufbau von Bürokratie vermieden“, heißt es in der Begründung. Die
Länder würden bereits mit Zuschüssen aus Brüssel „Agrarumwelt- und
Klimamaßnahmen insbesondere zur Weidehaltung“ anbieten. Laut Kritikern ist
das jedoch nur in wenigen Ländern der Fall.
15 Oct 2026
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