# taz.de -- Agrarstrukturgesetz verabschiedet: Niedersachsen schützt den kleinen Acker
> Die Preise für Agrarflächen sind enorm gestiegen. Mit einem bundesweit
> einzigartigen Gesetz will die Landesregierung Bodenspekulation
> unterbinden.
(IMG) Bild: Nahrungsproduktion im Großformat: Ein Landwirt wendet das Heu auf seiner Wiese
Niedersachsens rot-grüne Landesregierung hat am Mittwoch [1][ein neues
Gesetz beschlossen], dass Ackerland bezahlbar halten und Bodenspekulationen
verhindern soll. Denn, so sagte es Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte
(Grüne) in der Debatte im Landtag, „der Zugang zu erschwinglichem Land ist
die Voraussetzung für selbstständiges Wirtschaften“.
Eben das ist [2][in den vergangenen Jahren immer schwieriger geworden], vor
allem für kleinere regionale Betriebe, weil die Kauf- und Pachtpreise für
landwirtschaftliche Flächen in Niedersachsen enorm angestiegen sind. So
haben sich die Kaufpreise für Ackerland von 2010 bis 2025 verdreifacht, wie
Staudte am Mittwoch ausführte – von rund 20.400 auf 66.400 Euro pro Hektar.
Auch bei den Pachtpreisen gibt es seit Jahren nur eine Richtung: nach oben.
Von 307 Euro pro Hektar 2010 ging es rauf auf 548 Euro pro Hektar im Jahr
2023.
„Wir wollen, dass landwirtschaftliche Betriebe auch künftig Flächen zu
fairen Preisen bewirtschaften können“, erklärt die agrarpolitische
Sprecherin der SPD-Fraktion, Karin Logemann. Dafür schaffe das neue Gesetz
verlässliche Regeln. Grob gesagt schafft das Gesetz vor allem Dreierlei:
eine Preisbremse für den Verkauf landwirtschaftlicher Flächen, eine
Obergrenze für den Besitz solcher Flächen und eine neue Genehmigungspflicht
für sogenannte Share Deals.
Die Preisbremse soll, wie der Name sagt, die stetig steigenden Kosten im
Zaum halten helfen. Denn „Kaufpreise und Pachten sind so gestiegen, dass
viele Betriebe schlicht nicht mehr mithalten können“, sagte der
agrarpolitische Sprecher der Grünen, Pascal Leddin, in der Debatte am
Mittwoch.
## Obergrenze bei Zukäufen
Liegt der Verkaufspreis einer landwirtschaftlichen Fläche 35 Prozent über
den vor Ort üblichen Preisen, können die Mitglieder des
Grundstücksverkehrsausschusses, die in den Landkreisen für die Kontrolle
des Verkaufs landwirtschaftlicher Flächen zuständig sind, nun das Geschäft
stoppen.
Diesen Kontrollmechanismus gibt es zwar schon eine Weile, neu ist aber die
Preisbremse und neu ist auch, dass fortan erst die Verkaufspläne für
Flächen von mehr als einem Hektar bei den Landkreisen angezeigt werden
müssen. Vorher lag diese Grenze bei einem halben Hektar.
Die neue Obergrenze wiederum legt fest, dass demjenigen, der bereits mehr
als das Achtfache eines niedersächsischen Durchschnittsbetriebes
bewirtschaftet, ein Zukauf weiterer Flächen verwehrt werden kann.
Dieser Durchschnittsbetrieb ist laut [3][Agrarstrukturerhebung des
Landesamtes für Statistik Niedersachsen] 76 Hektar groß. 2020 waren es noch
3 Hektar weniger. Gleichzeitig ist die Zahl der Betriebe zwischen 2020 und
2023 um 3,7 Prozent auf 34.040 Betriebe gesunken. Der Trend ist also
bisher: weniger, aber größere Betriebe.
Bei der [4][Genehmigungspflicht für sogenannte Share Deals geht es um die
meistens branchenfremden Investoren], die nicht die landwirtschaftlichen
Flächen selbst kaufen, sondern in die Gesellschaften einsteigen, denen die
Flächen gehören. Bisher bleiben solche Geschäfte den Behörden oft
verborgen; kein Landwirtschaftsbetrieb aus dem Ort kann um die Flächen
mitbieten, es gibt keinen Grundbucheintrag, oft wird für den Investor nicht
mal Grunderwerbssteuer fällig.
Eine solche Prüfung von Share Deals gibt es bisher in keinem anderen
Bundesland, darum griff Staudte in ihrer Rede im Landtag am Mittwoch
kommunikativ auch gleich ins oberste Regal: „Wir schreiben mit diesem
Gesetz agrarpolitische Geschichte.“
Tatsächlich hat [5][Baden-Württemberg eine ähnliche Regelung]
verabschiedet, aber da ging es darum, [6][gezielt Landkäufe durch Bauern
aus der benachbarten Schweiz] in einem ganz bestimmten Gebiet einzudämmen.
Auch in [7][einigen ostdeutschen Ländern] gab es solche
Regulierungsversuche. Sie scheiterten, kurz gesagt, an der Bauernlobby.
Durchgesetzt haben sich die großen Betriebe.
## Reaktionen durchaus positiv
Die Reaktionen [8][auf das neue Gesetz] fallen durchaus positiv aus – und
zwar lagerübergreifend. Der BUND Niedersachsen etwa sieht die Notwendigkeit
eines solchen Gesetzes, um Natur, Artenvielfalt und Klima zu schützen.
Steigende Flächenpreise erhöhten den Druck, die Produktion zu
intensivieren, um rentabel wirtschaften zu können. „Das erschwert
nachhaltiges Wirtschaften, belastet Böden und Gewässer; gefährdet
Artenvielfalt und Lebensräume“, kommentiert die Vorsitzende Susanne
Gerstner. Das neue Gesetz könne dazu beitragen, den Zugang zu
landwirtschaftlichen Flächen gerechter zu gestalten und Preisanstiege zu
begrenzen.
„Wir hoffen, dass so auch insbesondere junge Betriebsleiterinnen und
Betriebsleiter künftig bessere Chancen erhalten, Flächen zu erwerben oder
zu pachten“, sagt Eberhard Prunzel-Ulrich, stellvertretender Vorsitzender
der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL)
Niedersachsen/Bremen. So könnten sie eine langfristige Zukunftsperspektive
für ihre Höfe aufbauen. Entscheidend werde nun sein, wie das Gesetz in der
Praxis umgesetzt werde.
Transparenzhinweis: Wir haben geschrieben, dass für Investoren bei Share
Deals oft keine Gewerbesteuer anfällt, gemeint ist natürlich
Grunderwerbssteuer. Wir haben das korrigiert.
7 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.ml.niedersachsen.de/Agrarstrukturgesetz/agrarstrukturgesetz-fur-niedersachsen-234977.html
(DIR) [2] /Agrarreform-in-Niedersachsen/!6107946
(DIR) [3] https://magazin.statistik.niedersachsen.de/betriebsgroessenstruktur-und-bodennutzung-in-niedersachsen/
(DIR) [4] /Immer-weniger-Hoefe-in-Brandenburg/!6180448
(DIR) [5] https://www.landtag-bw.de/resource/blob/265656/3b828f42cf7e56097ac9b05eda5eef2f/17_6274_D.pdf
(DIR) [6] https://www.landtag-bw.de/resource/blob/265656/3b828f42cf7e56097ac9b05eda5eef2f/17_6274_D.pdf
(DIR) [7] /Ausverkauf-der-Landwirtschaft/!5498480
(DIR) [8] https://www.landtag-niedersachsen.de/Drucksachen/Drucksachen_19_12500/11501-12000/19-11732.pdf
## AUTOREN
(DIR) Ilka Kreutzträger
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