# taz.de -- Leseschwäche bei Jugendlichen: Ob die Erwachsenen besser sind?
> Die KI hilft oft weiter, aber lesen können sollte man trotzdem. Ob die
> Eltern der leseschwachen Kids da besser sind? Das bleibt zu prüfen.
(IMG) Bild: Camping-Urlaub 1962 – heute würden die beiden an ihren Smartphones spielen
Mein 20-Jähriger sagt, „KI regelt.“ Mit Blick auf [1][die aktuelle
Pisa-Studie] hatte ich ihn gefragt, wie Jugendliche so durchs Leben kämen,
wenn jedeR Fünfte nicht mal mehr einfachste Texte sinnerfassend lesen kann.
Bei den Tests der Kompetenzen im Lesen und Rechnen haben die Jugendlichen
in Deutschland in diesem Jahr so schlecht abgeschnitten wie nie zuvor.
Wie lesen diese jungen Leute eigentlich den Beipackzettel eines
Medikaments? Oder ihren Ausbildungsvertrag – falls sie denn überhaupt einen
bekommen? Mein Sohn ist da pragmatisch. Gibt ja noch genug, die das selber
schaffen. Und alle anderen nutzen halt die Technik. Anders sieht das
[2][Bildungsministerin Karin Prien]. Muss sie auch, ist schließlich ihr
Job. Sie nennt die Ergebnisse „besorgniserregend“. Viel besorgniserregender
finde ich allerdings, dass es genau solche Politikerstatements schon in den
Vorjahren gab. Weil die Pisa-Ergebnisse da auch grottenschlecht waren.
Hier hätte jetzt Bundeskanzler Friedrich Merz die Chance gehabt, sich
beliebt zu machen beim Wahlvolk. Vollmundig hätte er eine „Zeitenwende“
ausrufen und die „Bildungs-Bazooka“ auspacken können. „Es muss ein Ruck
durch Deutschlands Schulen gehen!“, hätte er mit markiger Kanzlerstimme in
die Mikrofone der JournalistInnen rufen können. Hat er aber nicht.
Stattdessen geben sich Lehrkräfte und Eltern gegenseitig die Schuld. Und
den sozialen Medien. Ohne die 15-Jährige natürlich viel mehr lesen würden,
ganz klar.
Aufhorchen ließ mich neulich [3][ein kurzer Beitrag im Deutschlandfunk].
Die Uni Basel hat das Leseverhalten von 6.000 Erwachsenen im
deutschsprachigen Raum untersucht. Den ernüchternden Ergebnissen nach liest
ein Viertel der Befragten gar keine Bücher. Und nur ganze 4 Prozent kamen
auf mehr als 11 Lesestunden pro Woche. Im Durchschnitt lesen Erwachsene in
Deutschland übrigens 27 Minuten täglich. Das reicht etwa für zwei
Zeitungsartikel, ein paar Chatnachrichten und eine Gutenachtgeschichte fürs
Kind.
Gäbe es eine Pisa-Studie, die Lesegewohnheiten Erwachsener untersuchen
würde, wäre das gesellschaftliche Entsetzen wohl deutlich größer. Denn die
würde vielleicht zeigen, dass viele sich gar nicht mehr auf längere Texte
konzentrieren können. Wem gäbe man dann wohl die Schuld? Und hätte es
Konsequenzen?
24 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Pisa-Studie/!t5017798
(DIR) [2] /Karin-Prien/!t6095097
(DIR) [3] https://www.deutschlandfunkkultur.de/hauptsache-spannend-studie-bringt-neue-erkenntnisse-zum-leseverhalten-100.html
## AUTOREN
(DIR) Gaby Coldewey
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