# taz.de -- Neue Pisa-Studie: Wer diesen Text lesen kann, ist klar im Vorteil
> Deutschlands Jugendliche lesen immer schlechter. Das gefährdet ihre
> Urteilskraft. Die Erwachsenen müssen endlich ihre Verantwortung ernst
> nehmen.
(IMG) Bild: Zu viel Zeit bei Tiktok und Co: Altersgrenze ja oder nein?
Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Eine etwas altväterliche Redewendung,
bei der man als Jugendliche gerne an die Decke gehen wollte. Zum Beispiel,
wenn Lehrer ungefragt mit diesem unlustigen Satz spotteten, weil man die
blöde Textaufgabe nicht gleich kapiert hatte: Na ja, es ist wohl doch ein
bisschen was dran. Jedenfalls muss man diesen Satz vor dem Hintergrund der
[1][jüngsten Pisa-Ergebnisse] doch noch mal hervorkramen.
Die Jugendlichen in Deutschland, so hat die große internationale
Vergleichsstudie nämlich festgestellt, können immer weniger gut lesen. Sie
haben, um es ganz konkret zu machen, schlicht keinen Bock mehr, sich durch
lange Texte zu quälen, wobei „lang“ nicht definiert wird, aber in etwa
meinen könnte: alles, was länger ist als ein Social-Media-Feed.
Denn Tiktok und Co, auch das ein Befund, ruinieren die
Anstrengungsbereitschaft, sich auf komplexere Informationen einzulassen.
Zumindest ziehen die Forscher einen möglichen Zusammenhang zwischen viel am
Smartphone verbrachter Zeit und nur noch gering vorhandener Neugierde, sich
selbst eine Meinung zu bilden. Mehr noch: Jugendliche sind immer leichter
in die Irre zu führen. Sie glauben, um es überspitzt zu sagen, was ihnen
ein Algorithmus oder vielleicht auch eine KI serviert.
Nun ist es langweilig, der Jugend mangelnde Anstrengungsbereitschaft
vorzuwerfen. Welche Generation Erwachsener hat das nicht getan?
Zum Glück sind die Jugendlichen auch gar nicht selbst schuld. Die
Erwachsenen sind es, die viel zu lange [2][keinen Umgang mit der
Social-Media-Frage] gefunden haben. Altersgrenze ja oder nein? Oder gleich
das Smartphone komplett vom Schulhof verbannen? Im Herbst will
Bildungsministerin Karin Prien (CDU) endlich einen Gesetzentwurf vorlegen.
Bis dahin wurstelt jeder Elternabend vor sich hin, jede Schule macht, wie
sie denkt – und manche Schulleitungen denken einfach gar nicht drüber nach,
weil auch das stimmt: Gerade im Bereich Medienkompetenz besteht in der
Lehrkräfteausbildung noch großer Nachholbedarf. Das betonte auch Ministerin
Prien am Dienstag noch einmal.
Im Lichte der Wahlergebnisse in [3][Sachsen-Anhalt] muss das besonders
alarmieren. Das Verhetzungspotenzial der Rechten gerade auf Social Media
ist bekanntermaßen enorm und leider auch enorm erfolgreich – AfD-Wahlsieger
Ulrich Siegmund hat sein Publikum vor allem auch auf Tiktok bedient. Sollte
die AfD in Sachsen-Anhalt an die Macht kommen, hat sie bereits angekündigt,
[4][die Lehrpläne zu reformieren]. Ziel sei „die Entwicklung einer stabilen
Nationalidentität“. Weniger Nationalsozialismus, mehr Bismarck, so in etwa.
Da belese sich, wer kann.
8 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Anna Klöpper
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