# taz.de -- Neue Pisa-Studie veröffentlicht: Tiktok ist schlecht für die Kondition
> Die Lesekompetenz erreicht neue Tiefstwerte und das Schulsystem ist
> weiterhin sehr ungerecht. Deutschland bleibt bei Pisa schlechter
> Durchschnitt.
(IMG) Bild: Jugendliche mit Smartphone im Dauereinsatz
Das Smartphone, speziell: Social Media ruiniert die Lesekompetenz, die
Schere zwischen stärkeren und schwächeren Schüler*innen vergrößert sich
– und was dabei alles andere als hilfreich ist: ein früh aussortierendes
Schulsystem. Das sind vielleicht die bemerkenswertesten Ergebnisse der
neuen Pisa-Studie der Gesellschaft für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung, OECD. Deutschland schneidet in den drei getesteten Feldern
Mathematik, Naturwissenschaften und Lesekompetenz, wie auch schon bei der
letzten Pisa-Erhebung 2022, in etwa beim Durchschnittswert der rund 90
teilnehmenden Länder ab – am schlechtesten mit Platz 26 in Mathematik.
Allerdings sind die Ergebnisse so schlecht wie noch nie: Rund 20 Prozent
der 15-Jährigen erreicht in allen drei getesteten Kompetenzen nicht mal
mehr ein Basisniveau – also etwa das Verstehen einfacher Texte. In den
Naturwissenschaften liegt man erstmals seit 2006 knapp unter dem
OECD-Durchschnitt.
„So schlecht wie noch nie“, fasste Studienleiter Samuel Greiff von der
Technischen Universität München die Ergebnisse am Dienstag zusammen. In
Mathematik bedeuteten fehlende Basiskompetenzen etwa, dass „Jugendliche
keine einfache Prozentrechnung mehr durchführen können, zum Beispiel, um
herauszufinden, ob sich ein Rabatt im Supermarkt lohnt“.
„Ohne Zweifel besorgniserregend“ nannte auch Bildungsministerin Karin Prien
(CDU) die Ergebnisse. Aus deutscher Sicht sei insbesondere beunruhigend,
dass es einen anhaltend stabilen „Trend nach unten“ gebe und „die soziale
Schere weiter aufgehe“. Auch für Bildungsforscher Greiff war das die
„zentrale Botschaft“: „In kaum einem anderen OECD-Staat prägen die
familiären Voraussetzungen so stark den Bildungsweg wie in Deutschland.“
Eine Tatsache, die man eigentlich nach dem ersten „Pisa-Schock“ 2000
angehen wollte – offensichtlich ist man damit bisher aber weiterhin nicht
erfolgreich. Als wesentlichen Grund machte Prien aus: „Wir haben uns zu
spät um eine heterogene Schülerschaft gekümmert.“
Der Vorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft GEW formulierte es
etwas härter: „Ein Vierteljahrhundert Pisa-Maßnahmen haben unterm Strich
nichts gebracht“, so Anja Bensinger-Stolze.
Alle drei Jahre führt die OECD die Pisa-Erhebung durch. 760.000
Schüler*innen in 91 Ländern haben 2025 teilgenommen – repräsentativ für
33 Millionen 15-Jährige weltweit. Erstmals 2000 durchgeführt, will die
Studie seitdem herausfinden, wie gut Jugendliche erworbenes Wissen anwenden
können, um Alltagsprobleme zu lösen.
Die Antwort im Jahr 2025: Es geht so. Insbesondere die Leseausdauer bei
längeren, komplexen Texten und damit auch die Fähigkeit, Informationen und
Zusammenhänge tatsächlich zu verstehen, habe gelitten, schreiben die
Forscher. Francesco Avvisati vom OECD-Pisa-Team verwies am Dienstag auf die
gesellschaftlichen Konsequenzen: „Junge Leute lassen sich leichter in die
Irre führen.“ Angesichts von zunehmender Desinformation sei das „etwas, das
uns als Gesellschaft beunruhigen sollte“. Auch Prien sagte etwas wolkig mit
Verweis auf die politische Lage im Land, man müsse sich „Sorgen machen um
die Kritik- und Beurteilungskompetenz“.
## Die „hastigen Leser“
Interessant dabei: Die Schere zwischen den Geschlechtern und zwischen
Schüler*innen mit und ohne Migrationshintergrund ist dabei nicht weiter
aufgegangen. Allerdings stellen die Studienautor*innen, wenn auch
vorsichtig, [1][einen Bezug zu Social-Media-Konsum] her. „Das Überfliegen
von Social-Media-Feeds und das schnelle Verarbeiten von Informationen
könnte zu einer verschlechterten Fähigkeit führen, sich mit komplexen
Zusammenhängen auseinanderzusetzen“, heißt es in dem Bericht. Insbesondere
in Bildungssystemen, wo Schüler*innen eine hohe Ablenkung durch digitale
Medien angaben, war auch die Zahl der „hastigen Leser“ besonders hoch.
Prien verwies einmal mehr darauf, dass man nun mit „großer Spannung“ auf
die Empfehlungen auf EU-Ebene zu Altersverifikationen für
Social-Media-Plattformen warten wolle, die in den nächsten Wochen erwartet
werden. Im Oktober will sie dem Kabinett Eckpunkte für ein deutsches
Social-Media-Gesetz vorlegen. Eine Expert*innenkommission hatte
[2][im Frühsommer bereits Empfehlungen erarbeitet], sich allerdings nicht
klar für eine Altersgrenze ausgesprochen.
## Wenige profitieren, viele verlieren
Am größten sind die Leistungsunterschiede – sprich: am ungerechtesten sind
die Schulsysteme – in Luxemburg und den USA. Aber auch Deutschland kommt
nicht gut weg: Es gehört zu den zehn Ländern – neben etwa den Niederlanden,
der Türkei und Rumänien –, in denen die Wahl der Schule zu 50 Prozent über
den Lernerfolg entscheidet. „Wo eine solche akademische Auslese mit
[3][sozialem Hintergrund in Verbindung steht, können Ungerechtigkeiten
verstärkt werden]“, schreiben die Studienautor*innen. „Einige profitieren,
aber in einem solchen Bildungssystem können keine guten Lernbedingungen für
alle sichergestellt werden.“
Als Gegenbeispiel nennen die Bildungsforscher*innen Finnland oder
Island, wo die Schulwahl fast überhaupt keinen Einfluss auf das Abschneiden
der Jugendlichen hat. In beiden Ländern lernen Kinder, [4][im Gegensatz zum
deutschen Schulsystem], lange gemeinsam.
Ein bisschen Licht im langen Pisa-Schatten 2025 wollte die
Bildungsministerin dann aber doch noch erkennen: Anders als vor 25 Jahren
sei man „nicht mehr überrascht“ von den schlechten Ergebnissen und wisse,
was zu tun sei. Ihr kürzlich vorgelegter [5][Gesetzentwurf zu
verpflichtenden Sprachstandsfeststellungen in der Kita] sei eine zentrale
Maßnahme. Man müsse außerdem dem [6][„Startchancenprogramm“ – also der
gezielten Förderung von Brennpunktschulen] – weiter Zeit geben, zu wirken.
Bei der Lehrkräftebildung sei allerdings noch Luft nach oben in der
Zusammenarbeit von Schulen und Unis. Denn, auch das ein Befund: Die
Schüler*innen seien durchaus interessiert, etwa in den
Naturwissenschaften. Nur leider gelinge es den Schulen nicht, dieses
„Potenzial zu heben“. Avvisati formulierte es so: „Ein Drittel hört den
Lehrkräften nicht zu.“
Schließlich nähert sich die Pisa-Studie auch noch mit aller Vorsicht der
Smartphone-Verbots-Frage: Verbieten während der Schulzeit oder nicht? Kommt
drauf an, ist die diplomatische Antwort. Immerhin gebe es ja sinnvolle
Lern-Apps, und Online-Recherche sollen die Kids heutzutage auch lernen.
Allerdings: Auf die Dosis komme es an. Erlaubten Schulen das Handy, müsse
es auch Regeln dafür geben. Ein einleuchtender Rat – dessen Umsetzung in
die Praxis allerdings viele Elternabende derzeit ausdauernd beschäftigt.
8 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Anna Klöpper
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