# taz.de -- Kunst der Woche: Die Mieten waren klein, die Lust am Experiment total
> In der Ausstellung Next Door im Hamburger Bahnhof und in The Appearance
> of Value in der Galerie Hafen geht es um Natur, Technik und den Wert der
> Kunst.
(IMG) Bild: Sieht teuer aus: Bogdan Djukanović, Chandelier III, 2025, und Lazar Stojić, Bordering Elegance, 2024
[1][Tomás Saraceno] beeindruckt am meisten in der Ausstellung „Next Door“
im Hamburger Bahnhof. Wegen der Angst vor Spinnen? Immerhin spielt der
Künstler im Titel seiner Installation „From Arachnophobia to Arachnophilia“
darauf an. Doch es ist vor allem die Ästhetik des gewaltigen Spinnennetzes,
das Saraceno in einem Glaskubus gezüchtet und dramatisch ausgeleuchtet hat,
die in den Bann zieht.
Nicht sentimentale Zuneigung, sondern der Versuch, die Welt jenseits
menschlicher Maßstäbe wahrzunehmen, zeichnet Arachnophilia aus, die 2018
von Tomás Saraceno gegründete Gemeinschaft von internationalen
Wissenschaftlern, Künstlerinnen, Musikern, Ingenieurinnen und Architekten.
„Next Door“ blickt auf die 2000er Jahre zurück, als fünf Künstler in einer
riesigen Lagerhalle hinter den Hamburger Bahnhof Studios Tür an Tür
bezogen: Thomas Demand, [2][Tacita Dean], [3][Olafur Eliasson], Henrik
Håkansson und Tomás Saraceno. Die Mieten waren klein, die Freiräume groß
und die Lust am Experiment total. Der Erfolg setzte schnell ein.
Wohin haben diese Experimente bis heute geführt, fragt nun „Next Door“.
Thomas Demand blickt mit „Lichtung/Clearing“ noch einmal darauf zurück, wie
es anfing. Schön, die 2003 erstmals in Venedig gezeigte, aus 270.000
einzelnen papiernen Laubblättern montierte Waldlichtung wieder in
Großformat zu sehen.
## Ein Schmetterling in Zeitlupe
Olafur Eliasson arbeite damals an „The Weather Project“ für die Turbine
Hall der Tate Modern in London, wo dann 2011 Tacita Deans „FILM“ lief.
Jetzt zeigt ihre Filminstallation „Hand On“, wie Bruce Nauman eine Hand in
die Schablone der anderen einpassen will. Links und rechts kommen aber
nicht zur Deckung. Sollten sich politisch interessierte Kreise hierzulande
merken. Eliasson verführt mit Licht, Ton und Spiegeln. Henrik Håkansson hat
einen Schmetterling in extremster Zeitlupe gefilmt, was extrem
wissenschaftlich, zugleich auch sehr poetisch ausschaut. Man sollte „Next
Door“ nicht versäumen.
Auch bei Hafen stößt man auf den Schmetterling. Lazar Stojić, 1998 in
Belgrad geboren, hat zwei Autotüren so zueinander gehängt, dass er sie als
„Iridium Silver Butterfly“ identifiziert. Stojić bestreitet mit Bogdan
Djukanović die Ausstellung „The Appearance of Value“. Der Titel erklärt
auch, warum die „Chandelier III-V“ des 1996 im serbischen Aranđelovac
geborenen Künstlers den Raum erhellten, aber nicht erleuchten. Das
Kristallglas ist durch weiß lackierte Nüsse und getrocknete Früchte
ersetzt. Wert ist eben oft mehr Schein als Sein. Was nichts über das
Naturmaterial besagt, zumal es jetzt Kunst ist, was es wertvoller machen
sollte.
Die Galerie Hafen, die durch die exquisite alte Holzrahmung ihrer
Schaufenster in der Belzigerstraße auffällt, ist neu. Der Galerist
Kwanghyun Kim hat in Dresden an der Akademie studiert und dürfte reichlich
Kontakte zu jungen aufstrebenden Künstler:innen haben. Das weckt doch
große Erwartungen.
13 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Brigitte Werneburg
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