# taz.de -- Neuer Star an der UdK: Der Sonnenprofessor
> Olafur Eliasson wird Professor an der Universität der Künste. Mit dem
> berühmten Dänen will die UdK ihr ramponiertes Image aufbessern. Zur
> Inthronisierung am Freitag kam schon mal viel Prominenz.
(IMG) Bild: Auf Olafur Eliasson ruhen große Erwartungen
Für die Universität der Künste (UdK) war es ein sonniger Freitagmorgen.
Goldenes Herbstlicht durchflutete die Atelierräume in der Christinenstraße,
in denen die Uni-Leitung gemeinsam mit Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner
(SPD) ihren neuen Star präsentierte: Der weltweit bekannte Künstler Olafur
Eliasson wird künftig in Haus 2-3 des Pfefferbergs eine UdK-Klasse in
Bildhauerei unterrichten.
Mit dem gefeierten Dänen habe man einen Künstler gewonnen, der den
transdisziplinären künstlerischen Ansatz der Hochschule weiter entwickeln
werde, sagte UdK-Präsident Martin Rennert. Der Berufung seien drei Jahre
"vertrauensvolle und intensive Gespräche" vorausgegangen, um Eliassons
Lehrkonzept mit den formalen Gepflogenheiten der Hochschule
zusammenzubringen.
Ab 1. April 2009 wird Eliasson in der dritten Etage seines Atelierhauses 15
Studierende unterrichten. Der Künstler, der sich mit raumgreifenden
Hightech-Skulpturen wie einer goldenen Sonne, einem gefrorenen Auto und
zuletzt Wasserfällen in New York einen Namen machte, begreift seinen
Lehrauftrag als gesellschaftliche Verantwortung.
Er strebt ein fünfjähriges Rechercheprojekt an, in dem die Studierenden
zusammen mit den Angestellten seines Privatateliers und Wissenschaftlern
arbeiten sollen. "Ziel der Forschung soll eine gesellschaftlich basierte
Farbtheorie sein", sagte Eliasson. Begleitend sind öffentliche Workshops,
Vorträge und Ausstellungen zusammen mit Berliner Kultur- und
Wissenschaftsinstitutionen geplant. Der Wissenschaftssenat unterstützt das
"grenzüberschreitende Exzellenzprojekt" mit einer Million Euro aus dem
Masterplan für universitäre Bildung.
Für die UdK, die schon immer stark auf bekannte Namen setzte, ist die
Berufung Eliassons ein dringend notwendiger Erfolg. Das Image der
Hochschule litt empfindlich durch den Abgang gleich dreier bekannter
Professoren in der letzten Zeit: 2006 kündigte der frisch berufene Maler
Daniel Richter aus Protest gegen verkrustete Strukturen. Der kanadische
New-Media-Star Stan Douglas, der sich mit der Verwaltung überworfen hatte,
folgte. Wenig später ging auch der britische Bildhauer und
Turnerpreisträger Tony Cragg.
Dass man nun den grenzüberschreitend arbeitenden Eliasson gewinnen konnte,
wertet Ana Dimke, Dekanin der Fakultät Bildende Künste, als Ausdruck eines
umfassenden Generationenwechsels. "Seit ein paar Jahren findet ein nötiger
Strukturwandel statt. Das Haus muss sich nach außen öffnen und gleichzeitig
seine Tradition bewahren."
Allerdings hat Eliasson die ihm angetragene Professur auf Lebenszeit
abgelehnt und auf einer fünfjährigen Befristung bestanden. Vielleicht eine
Vorsichtsmaßnahme angesichts der Erfahrungen seiner Vorgänger. Vielleicht
aber auch im Hinblick auf die eigene Karriere, die neben dem Lehrbetrieb
nun hintanstehen muss. Denn eins stellte Eliasson am Freitag klar: "Die
Schule läuft bei mir nicht nebenbei. Ich gehe in dieses Fünfjahresprojekt
wie in alle Projekte, die ich mache: Alles oder nichts."
Die nächsten Monate wird der künftige Professor dafür nutzen, die
Infrastruktur für sein neues Institut zu schaffen: Die oberste Etage seines
dreistöckigen Atelierhauses im Pfefferberg will er auf eigene Kosten in
kleine Atelier- und Werkstattbereiche unterteilen, in denen die
Studierenden arbeiten sollen. Ein Gemeinschaftsbereich mit
Multimedia-Ausstattung soll als soziale Plattform dienen. Auch einen
Austausch mit Eliassons 30 Angestellten im Büro darunter soll es geben.
Doch nicht alle Bereiche seines Ateliers werden zugänglich sein. "Meine
große Kreissäge und andere Werkzeuge bleiben tabu", sagte Eliasson. Für die
eigenen Objekte müssten die Studierenden die UdK-Werkstätten nutzen.
Wie sich der Arbeitsalltag der Eliasson-Klasse zwischen dem Pfefferberg und
dem räumlich weit entfernten Mutterinstitut in der Hardenbergstraße
bewerkstelligen lässt, wird sich zeigen. In gewisser Hinsicht werden die
fünfzehn Auserwählten, die durch eine UdK-übliche Aufnahmeprüfung
ausgesucht werden, durchaus privilegiert sein: Sie werden von den
großzügigen, liebevoll renovierten und gut ausgestatteten Räumlichkeiten
profitieren, die Eliasson 2005 von der Pfefferberg Entwicklungs-KG kaufte.
Durch die räumliche Nähe zum Mitarbeiterstab des Künstlers können die
Studierenden auf geballtes Wissen zugreifen.
Auch kulinarisch werden die Eliasson-Schüler einen beträchtlichen
Standortvorteil genießen: Im Erdgeschoss des ehemaligen Sudhauses hat der
Künstler eine Hauskantine einrichten lassen, in der jeden Tag Frisches aus
Brandenburger Bioanbau serviert wird. Könnte sein, dass die am Freitag
vielbeschworene Kommunikation zwischen Haupthaus und Pfefferberg künftig in
Form von Kantinentourismus stattfindet.
11 Oct 2008
## AUTOREN
(DIR) Nina Apin
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