# taz.de -- Preise für Israel-Kritiker: Zwei Ohrfeigen für Deutschland
       
       > Die Buchpreis-Rede von Philippe Sands und der Friedensnobelpreis an Navi
       > Pillay zeigen: Die Bundesregierung steht zunehmend allein da.
       
 (IMG) Bild: Kritisiert das deutsche Schweigen zu Israels Kriegsverbrechen in Gaza: Philippe Sands bei seiner Rede in Frankfurt am Main
       
       Die Rede war eine Ohrfeige. Es sei „unanständig“, über israelische
       Kriegsverbrechen zu schweigen und „diejenigen zum Schweigen zu bringen, die
       versuchen, diese Verbrechen anzuprangern“, wandte sich der
       französisch-britische Jurist Philippe Sands an die Bundesregierung, als er
       [1][am Sonntag in der Frankfurter Paulskirche den Friedenspreis des
       Deutschen Buchhandels entgegennahm]. Das saß. Der Bundespräsident rührte
       keine Hand, als das Publikum Sands applaudierte.
       
       Erst am Freitag hatte das Nobelkomitee in Oslo mit seiner [2][Ankündigung,
       der südafrikanischen Juristin Navi Pillay den Friedensnobelpreis zu
       verleihen], Vertreter der deutschen „Staatsräson“ vor den Kopf gestoßen.
       Denn Pillay leitete zuletzt eine [3][UN-Untersuchungskommission, die Israel
       vorwarf, im Gazastreifen einen Völkermord zu verüben]. In Deutschland kommt
       so etwas nicht gut an. Bereits vor vier Jahren boykottierte Berlins
       damalige Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey eine Preisverleihung
       an Pillay in der Hauptstadt, weil diese schon damals Sanktionen gegen
       Israel forderte.
       
       Die USA und Israel gratulierten der frischgebackenen Nobelpreisträgerin nun
       prompt auf ihre Art: US-Präsident Trump verhängte [4][neue Sanktionen gegen
       den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag], Israels von diesem
       Gericht gesuchter Ministerpräsident Benjamin Netanjahu schäumte, und sein
       Außenministerium verstieg sich zu der Formulierung, NS-Propagandaminister
       Joseph Goebbels werde Pillay „aus der Hölle“ applaudieren: eine
       Entgleisung.
       
       Deutschland reagierte auf die Ausfälle Israels bisher so, wie man es kennt:
       mit betretenem Schweigen. Die Auszeichnung für Pillay und der Appell von
       Philippe Sands zeigen aber, dass die Bundesregierung zunehmend allein
       dasteht und ein großer Teil der Welt den Völkermord-Vorwurf gegen Israel
       nicht als antisemitisch, sondern als berechtigt ansieht. Das sollte der
       Bundesregierung eine Mahnung sein, sich wieder stärker auf die Seite des
       Völkerrechts zu schlagen.
       
       12 Oct 2026
       
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 (DIR) [4] /US-Sanktionen-gegen-IStGH/!6220564
       
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 (DIR) Daniel Bax
       
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