# taz.de -- Brandenburger Wandertheater: Kongenial mit Geräuschen untermalt
> Das Wandertheater Ton und Kirschen aus Werder (Havel) erzählt in
> „Pulcinella!“ mit mal poetischen und mal recht derben Mitteln die
> Geschichte des gleichnamigen Disziplinverweigerers.
(IMG) Bild: Langnasen unter sich: Eine Szene aus „Pulcinella“
Der Anfang gehört ganz den tierischen Protagonisten. Erst ist nur lautes
Blöken zu vernehmen. Dann stürzt etwa ein halbes Dutzend Ziegenböcke
meckernd und die klassischen Bocksprünge wagend auf die Bühne. Das
Ton-und-Kirschen-Ensemble hat sich neckische Ziegenbock-Masken aufgesetzt
(Maskenbau: Joséphine Biereye). Die sind mal grimmig gehalten, mal
staunend, mal fröhlich. Eines der wilden und seit der Antike für
dionysische Enthemmungen stehenden Geschöpfe entdeckt schließlich ein
großes Ei. Zwei [1][Puppenbeweger] mit langen Stäben und daran befestigten
Schnüren lassen das Ei platzen und fördern schließlich ein Pulcinella-Baby
zutage. Das trägt sogar in diesem frühen Stadium die aus der Commedia
dell’Arte bekannte lange Nase.
Das Intro war stimmungsvoll im Premierenort, dem Potsdamer T-Werk. Danach
wird episodenhaft das Leben der Figur in Szene gesetzt, teils ziemlich
derb. Auf die Upskirting-Szene mit Partnerin etwa hätte man gut verzichten
können. Stark werden Ton und Kirschen aber immer dann, wenn sie sich auf
die Bewegungsqualitäten und das musikalische Können der Ensemblemitglieder
verlassen. Dann herrscht mal Festtagsstimmung, mal wird leidenschaftlich
gezankt. Das Ganze fast komplett ohne Worte, die Handlungen sind oft
kongenial mit Geräuschen untermalt.
Der Wunsch, der dienenden Clownsfigur der italienischen Commedia dell’Arte
einen ganzen Abend zu widmen, geistert schon seit den Tagen der Gründung
des [2][in Werder (Havel) beheimateten Wandertheaters] in den Köpfen der
Gründer Margarete Biereye und David Johnston (die auch jetzt Regie führen
und mitspielen) herum. Bereits 1992 baute Tochter Joséphine Biereye die
ersten fünf Masken für die Compagnie. „Sie traten in einer Szene unserer
ersten Produktion auf und erschienen danach manchmal wieder in kleinen
Szenen anderer Produktionen. Sie sind uns in ihrer geheimnisvollen Art ans
Herz gewachsen“, beschrieb Margarete Biereye die Genese. Mehr als drei
Jahrzehnte später gibt es nun die Protagonistenrolle für Pulcinella und die
anderen Langnasen-Masken.
In der Schlussszene, als die Figur mit viel Bühnennebel und wallenden
Tüchern auf einem alten Karren in jenseitige Gefilde befördert wird und
sich das Tor nach außen öffnet, lässt sich erahnen, welch Zauber erst der
Produktion innewohnen mag, wenn sie in der kommenden Draußenspielzeit in
malerischen Open-Air-Locations wie etwa dem Hof des Jagdschlosses Grunewald
gezeigt wird.
11 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Tom Mustroph
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