# taz.de -- Antiimperialistische Demo in Berlin: Terror-Glorifizierung auf den Straßen
       
       > Einem Aufruf antikolonialer Gruppen zum Jahrestag des 7. Oktobers sind in
       > Berlin Hunderte Menschen gefolgt. Es war eine offene Feier des
       > Hamas-Massakers.
       
 (IMG) Bild: Bei einer Demonstration in Berlin wurde auch das Massaker der Hamas am 7. Oktober gefeiert
       
       Zur „Down with colonialism!“-Demonstration am Abend des Jahrestages des
       Hamas-Massakers vom 7. Oktober 2023 sind mehr Menschen gekommen als
       erwartet. Statt der angemeldeten 150 Teilnehmer:innen waren es laut
       Polizei 700 Menschen, die dem Aufruf von sich links positionierenden
       antiimperialistischen Gruppen gefolgt sind. [1][Um 19 Uhr setzte sich die
       Demonstration] von Oranienplatz aus in Bewegung.
       
       Redebeiträge gibt es keine, mit der taz reden will auch niemand. Wie man
       sich hier die Befreiung Palästinas vorstellt, daran lassen aber die
       Sprechchöre und Transparente keinen Zweifel. „All oppressed people have the
       right to violence“, steht auf einem Banner, das von Aktivist:innen
       kommunistischer Jugendgruppen hochgehalten wird. Auf anderen Bannern stehen
       Sprüche wie „Death to zionism“ und „Glory to the resistance“. Auch ein
       rotes Dreieck, ein Symbol, das immer wieder von der Hamas benutzt wird, war
       auf Transparenten zu sehen. Eine Frau hielt ein Schild mit der Aufschrift
       „Israel has the right to go fuck itself“ in die Höhe.
       
       Bereits im Vorfeld der Demonstration hatte die Mobilisierung deutlich
       gemacht, dass hier [2][die Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023] zelebriert
       und gefeiert werden sollten. Bei dem Angriff der Hamas und anderen Gruppen
       wurden 1.200 Menschen getötet, die meisten davon Zivilist:innen, 250
       Menschen wurden verschleppt. Die Ereignisse waren der Ausgangspunkt für
       Israels brutalen Krieg in Gaza, der von Menschenrechtsorganisationen und
       einer Untersuchungskommission des UN-Menschenrechtsrats als Völkermord
       gewertet wird.
       
       Im Aufruf hieß es etwa, der 7. Oktober sei ein „Leuchtfeuer der
       Standhaftigkeit“ gewesen. In weiteren Texten in sozialen Medien hieß es, an
       diesem Tag sei „dem siedlerkolonialen Projekt ein Schlag ins Herz“ verpasst
       worden. Der „Mythos der Unbesiegbarkeit des Zionismus“ sei dabei
       zusammengebrochen. Die Polizei ermittelt wegen Gewaltverherrlichung.
       
       Auf der Auftaktkundgebung tauchte auch die schwedische Klimaaktivistin
       Greta Thunberg auf. Kurz ließ sie sich von einem augenscheinlich dem
       Demoumfeld zugehörigen Fotografen ablichten, dann tauchte sie in die Menge
       ab. Von dort gab eine Gruppe Männer den Takt für ununterbrochene
       Sprechchöre an. „Death to Israel“, „Glory to the resistance“,
       „Kindermörder, Frauenmörder Israel“ oder „What solution? Intifada
       revolution“ hallte es auch während der Demo in ohrenbetäubender Lautstärke
       über die Straße. Auch „Israel verbrennt Kinder, Deutschland steht dahinter“
       wurde skandiert.
       
       ## Linke Szene reagiert mit Ablehnung
       
       Das Existenzrecht Israels ist auf der Auftaktkundgebung derweil nicht das
       Einzige, was geleugnet wird. Unweit der selbsterklärten
       Antiimperialist:innen stehen zwei Vollvermummte, die ein Schild
       „Free Narnia“ in die Höhe halten. Ob man mit dieser Anspielung auf ein
       fiktives Land das Existenzrecht Palästinas leugnen wolle? „Das ist gut auf
       den Punkt gebracht“, sagt einer der zwei, der die Aktion als „Satire“
       verstanden haben will. Mehr will er der Presse nicht sagen. Ebenfalls neben
       der Demo, auf einer eigenen Gegenkundgebung, halten eine Handvoll Personen
       die Flaggen des israelischen Staates, des iranischen Schah-Regimes und ein
       Plakat der FDP-Politikerin Karoline Preisler in die Höhe. Mit der taz reden
       will aber auch hier niemand. „Nicht nach dieser Scheiße, die ihr schreibt“,
       sagt eine Frau.
       
       In der linken Szene war [3][die Demo auf Ablehnung gestoßen]. „Am Jahrestag
       des Hamas-Überfalls und der Tötung, Vergewaltigung und Entführung von
       Zivilist:innen so eine Veranstaltung durchzuführen, ist falsch und
       lässt jeglichen moralischen und politischen Kompass vermissen“, erklärte
       etwa die des Antideutschtums unverdächtige Nachbarschaftsinitiative
       Wrangelkiez United. Es sei zwar „legitim, richtig und notwendig“, gegen
       „Vertreibung, Besatzung, Rassismus, Apartheid und Genozid“ auf die Straße
       zu gehen, dabei sollten „zentrale emanzipatorische Grundsätze“ wie die
       „Ablehnung sexualisierter Gewalt und die Ablehnung religiösen
       Fundamentalismus sowie die Ablehnung der Tötung und Entführung von
       Zivilist*innen“ nicht einfach über Bord geworfen werden, so die Gruppe.
       
       In den Seitenstraßen neben der Demo stehen immer wieder
       Gegenprotestierende, die Israelflaggen in die Höhe halten. „Haltet die
       Fresse – gegen antisemitischen Terror und den Hass auf Israel“, steht auf
       einem ihrer Transparente. Ein älterer Mann mit Kippa sagte der taz: „Zum
       zweiten Mal findet jetzt diese Schande statt“ – bereits im vergangenen Jahr
       waren linke Gruppen an dem Tag auf die Straße gegangen. Er sei öfter auf
       solchen Gegenprotesten unterwegs, sagt er, da erlebe man einiges. „Das hier
       ist aber besonders heftig. Früher dachte ich, ich bin links, aber bei
       diesen Leuten weiß ich es nicht mehr“, sagt er.
       
       Überraschend lässt sie Polizei die Kundgebung lange ziemlich ungestört
       laufen. Erst am Kottbusser Tor stoppt sie den Zug, angeblich wegen
       verknoteter Transparente. Nachdem sie in die Menge geht, um zwei
       Protestierende festzunehmen, wird es kurz tumultartig. Anschließend läuft
       die Demo noch einige Meter weiter, bis sie auf dem Kottbusser Damm
       endgültig von der Polizei aufgelöst wird – wegen rechtswidriger Parolen und
       Angriffen auf Einsatzkräfte, wie durchgesagt wird. Beim Auflösen der Demo
       geht die Polizei immer wieder rabiat in die Menge und nimmt Menschen fest.
       
       7 Oct 2026
       
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 (DIR) Timm Kühn
       
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