# taz.de -- Jahrestag des 7. Oktober: Applaus am Bebelplatz, rote Hände am Checkpoint
       
       > Hunderte gedenken auf dem Bebelplatz der Opfer des Hamas-Massakers. Einen
       > Kilometer weiter beschwört eine Demo die „Befreiung ganz Palästinas“
       
 (IMG) Bild: Flagge zeigen: Gedenkveranstaltung zum dritten Jahrestag des Terrorangriffs der Hamas auf Israel auf dem Bebelplatz in Berlin
       
       Der 7. Oktober war ein Genozid, sagt Ron Prosor. „Ein Genozid an Juden und
       Israelis und nicht umgekehrt.“ Dafür erntet der Botschafter Israels
       tosenden Applaus. Hunderte haben sich am Mittwochnachmittag auf dem
       Bebelplatz in Berlin-Mitte versammelt, um drei Jahre nach dem Terrorangriff
       der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 der Opfer des Massakers, der
       Geiseln, der Überlebenden und der Angehörigen zu gedenken. Das Motto: „Nie
       vergessen. Niemals schweigen.“
       
       Teilnehmer*innen schwenken Israel-Flaggen, tragen Davidstern-Ketten und
       Kippas. Auf dem Unterarm einer Frau ist „7.10.23“ tätowiert, darüber ein
       Davidstern. Eine Teilnehmerin hält ein Plakat hoch: „Thank you IDF“ – ein
       Dank an die israelische Armee.
       
       Der Bebelplatz, auf dem Aktivist*innen seit 2024 mehrfach den „Platz
       der Hamas-Geiseln“ als Gedenkort eingerichtet haben, ist mit Pollern,
       Gittern und Polizeiwannen weiträumig abgesperrt. An einem Hamburger Gitter
       hängen Banner mit Bildern von Geiseln, die die Hamas am 7. Oktober
       verschleppt hatte.
       
       ## Eine Brandmauer für alle Seiten
       
       „Der Kampf um die Befreiung der Geiseln ist vorbei, aber die Bedrohung
       bleibt“, sagt die Initiatorin der Veranstaltung, Melody Sucharewicz. „Und
       deshalb geht unser Kampf weiter. Wir müssen laut werden, wenn
       antisemitische Haltungen in demokratischen Parteien geduldet werden.“
       
       Gemeint ist die Linkspartei, die im September die Berliner
       Abgeordnetenhauswahl gewonnen hat und sich seither mit
       Antisemitismusvorwürfen konfrontiert sieht. Prosor greift die Anspielung
       auf: „Eine Brandmauer gegen Antisemitismus steht entweder gegen alle Seiten
       oder sie ist eine wertlose Kulisse“, sagt der israelische Botschafter, und
       fordert: „Antisemiten dürfen niemals wieder ins Parlament einziehen!“
       
       Mit einer halben Stunde Verspätung erscheint Bundesinnenminister Alexander
       Dobrindt (CSU), laut der Initiatorin „ein langer Unterstützer des Staates
       Israel“. Auch er warnt: „Wir müssen alarmiert sein, wenn Rechtsextreme in
       Deutschland ein Landesparlament anführen. Wir müssen alarmiert sein, wenn
       in Berlin eine Partei über eine mögliche Regierungsbeteiligung spricht, die
       offen Antisemiten in ihrem Umfeld duldet.“ Am Vortag war in Sachsen-Anhalt
       mit Tobias Rausch erstmals ein AfD-Politiker zum Landtagspräsidenten
       gewählt worden.
       
       ## „Etwas soll vernichtet werden“
       
       Bei den Parolen, die man in Berlin an Hauswänden und auf Demos lese, gehe
       es nicht darum, dass etwas befreit werden solle, so der Innenminister. „Es
       geht darum, dass etwas vernichtet werden soll: ein jüdisches Volk.“ Für ihn
       ist klar: „Israel hat das Recht und die Pflicht, sich zu verteidigen.“ Und:
       „Deutschland steht fest und unerschütterlich an der Seite Israels.“
       
       Immer wieder verweisen Redner*innen auf den militanten, die Hamas
       verherrlichenden Teil der propalästinensischen Bewegung. „Noch während die
       Hamas-Terroristen mordeten, wurden hier auf dem Bebelplatz Angehörige
       beschimpft und Plakate abgerissen, während auf der Sonnenallee Baklava
       verschenkt wurde, um den Blutrausch der Hamas zu feiern“, erinnert Melody
       Sucharewicz. Unterkriegen lassen wollen sich die Anwesenden davon nicht.
       „We will dance again, auch wenn es mit Brandwunden und nur einem Bein ist“,
       sagt Ron Prosor. „Niemand wird uns daran hindern.“
       
       ## Rote Hände und eine DDR-Fahne
       
       Gut einen Kilometer entfernt, nahe dem Checkpoint Charlie, demonstriert am
       selben Nachmittag das gänzlich andere Lager. Die Kundgebung „Drei Jahre
       Völkermord“ wurde offenbar vom PFLP-nahen Aktivisten Ibrahim Ibrahim
       angemeldet, der auch zur Wahlparty der Linken in Neukölln erschienen war.
       Allerdings kommen kaum 50 Menschen. Frauen, die Kufiyas um ihre Kopftücher
       gewickelt haben, halten blutverschmierte Puppen im Arm, die getötete Babys
       darstellen sollen, und recken rot gefärbte Hände in die Höhe.
       
       Eine Aktivistin der trotzkistischen Kleinstgruppe Spartakist hält ein
       Schild in die Höhe, auf dem „Nieder mit der zionistischen Hetze gegen Linke
       in der Linkspartei“ zu lesen ist. Vertreter*innen der Linkspartei sind
       allerdings nicht auszumachen.
       
       In den Redebeiträgen heißt es etwa, der 7. Oktober 2023 habe „die Welt
       verändert“, weil an diesem Tag die moralische Maske des Westens
       heruntergerissen worden sei. „Wir stehen hier heute für eine Befreiung ganz
       Palästinas“, sagt ein Redner, der offenbar der Kleinstgruppe
       „Kommunistische Organisation“ angehört, und betont das „ganz“.
       
       Mit Blick auf die DDR-Fahne, die er eben noch hochgehalten hat, fügt er
       hinzu: Am 7. Oktober 1949 sei schließlich auch dieser Staat gegründet
       worden – und die DDR habe die PLO immer unterstützt. Auch für den Abend
       haben einige kleine, sich als links verstehende Gruppen zu einem Protest
       aufgerufen, in dessen Aufruf das Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023
       gefeiert wird.
       
       7 Oct 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lilly Schröder
 (DIR) Timm Kühn
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Kundgebung
 (DIR) Hamas
 (DIR) Gedenken
 (DIR) Antisemitismus
 (DIR) Israel
 (DIR) Gaza
 (DIR) 7. Oktober 2023
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Demos am 7. Oktober in Berlin: Blind vor Solidarität
       
       Die diesjährigen Gedenkveranstaltungen zum 7. Oktober zeigen, wie
       ideologisch verhärtet die beiden Seiten sind. Für Selbstkritik gibt es
       keinen Raum.
       
 (DIR) Gedenken an den 7. Oktober: Eine in Teilen verstörende Debatte
       
       Der Bundestag wollte am Jahrestag des 7. Oktober über den Schutz von
       jüdischem Leben debattieren. Nicht alle Abgeordneten haben das geschafft.
       
 (DIR) Schweigemarsch in Frankfurt: „Hass zeigt seine hässlichste Fratze“
       
       Am Mittwoch haben Hunderte Menschen gegen den Terror demonstriert. Michel
       Friedman warnt vor möglicher Regierungsbeteiligung der Linken in Berlin.
       
 (DIR) Antiimperialistische Demo in Berlin: Terror-Glorifizierung auf den Straßen
       
       Einem Aufruf antikolonialer Gruppen zum Jahrestag des 7. Oktobers sind in
       Berlin Hunderte Menschen gefolgt. Es war eine offene Feier des
       Hamas-Massakers.
       
 (DIR) Vorgespräche zur Regierungsbildung: Ein letztes Mal vertröstet
       
       Linke, Grüne und SPD verlassen das dritte Vorgespräch ohne Statement und
       eilen zur Gedenkfeier zum 7. Oktober. Donnerstag soll eine Entscheidung
       verkündet werden.
       
 (DIR) Dritter Jahrestag des 7. Oktober: Israel gedenkt der Opfer des Hamas-Großangriffs
       
       Drei Jahre nach dem blutigen Massaker im Süden Israels gedenkt das Land der
       Opfer. Juden und Israelis sind weiterhin konkrete Ziele von Terror und
       Gewalt, kritisieren Rabbiner.
       
 (DIR) Jahrestag 7. Oktober in Berlin: Gedenken, Gebete, Demonstrationen
       
       Zum 3. Jahrestag des Angriffs der Hamas auf Israel gibt es in Berlin viele
       Veranstaltungen. Die Demo „Down with Colonialism“ wurde von der Polizei
       verlegt.
       
 (DIR) Hamas-Unterstützer in Berlin: Die Verherrlicher des Terrors
       
       Das propalästinensische Netzwerk Samidoun feiert die Angriffe auf Israel.
       Nun mehren sich die Stimmen für ein Verbot der Gruppe.