# taz.de -- Konzertempfehlungen für Berlin: Hier schwillt es, und da ist das WLAN im Eimer
       
       > Partizipativ geht es diese Woche zu, und der Dirigent Giuseppe Sinopoli
       > wird gewürdigt. Herzschmerz gibt es auch.
       
 (IMG) Bild: Der Perkussionist Dudù Kouate macht im „ausland“ weit mehr als reichlich Wind
       
       Erst einmal was selber machen. Das KNM campus ensemble feiert am Sonnabend
       in der Baptistenkirche Wedding in Kooperation mit dem Ensemble KNM Berlin
       unter Leitung von Rebecca Lenton den viel zu selten gespielten Komponisten
       James Tenney. Dessen Musik ist sehr reduziert, könnte daher für Minimal
       Music gehalten werden. Bei ihm geht es auch häufig um schleichende
       Prozesse. In seinen „Swell Pieces“, die in diesem Fall in einem
       „partizipativen Konzert“ aufgeführt werden, schwellen die Klänge, wie der
       Titel klar vorgibt, langsam an.
       
       Die Musikerinnen schaffen dabei, unterstützt von Tänzerinnen und einer
       bildenden Künstlerin, einen „Erfahrungsraum“, in dem sich das Publikum
       bewegen und so die Musik zum Teil mitgestalten kann. Dass die Überschrift
       „Klangwellen“ lautet, braucht man nicht esoterisch zu verstehen, das ist
       einfach, was mit Klang im Zweifel passiert (Baptistenkirche Wedding, 10.
       10., 19 Uhr).
       
       Unterschiedliche Formen des Improvisierens bietet das Ausland am Sonntag in
       seiner Reihe „Biegungen“. Zu hören sind zwei Duos mit insgesamt fünf
       Musikern. Was wie ein handfester Rechenfehler klingt, verdankt sich dem
       Umstand, dass das Duo M. Takara & Carla Boregas, das Live-Elektronik mit
       Schlagzeug kombiniert, für diesen Abend Verstärkung durch den
       Perkussionisten Dudù Kouate erhält. Kouate vereint in seinem Spiel wiederum
       westafrikanische Traditionen mit Avantgardemusik.
       
       ## Erinnerung an Giuseppe Sinopoli
       
       An zwei Saxofonen sind zudem Ryoko Ono und Peter van Huffel zu erleben.
       Ihre freie Improvisation kommt ebenfalls nicht ohne einen dritten Namen
       aus, der Vollständigkeit halber zumindest. Denn van Huffel hat sich
       kurzfristig bereit erklärt, für den verhinderten Saxofonisten Alexander
       Frangenheim einzuspringen (Ausland, 11. 10., 20 Uhr).
       
       Vor 25 Jahren starb der Dirigent und Komponist Giuseppe Sinopoli unerwartet
       in Berlin. Er war erst 54 Jahre alt. Um an sein Wirken und seine Bedeutung
       zu erinnern, würdigt ihn das italienische Kulturinstitut Berlin mit der
       Reihe „Sinopoliana“. Am Donnerstag kommt aus diesem Anlass das Philharmonia
       Orchestra London unter der Leitung von Robin Ticciati in die Philharmonie,
       um neben Werken von Richard Wagner und Antonín Dvořák von Sinopoli die
       Komposition „Pour un livre à Venise“ von 1975 zu spielen, in der Sinopoli
       in Dialog mit der polyfonen Musik des venezianischen Renaissancekomponisten
       Costanzo Porta tritt (Philharmonie, 15. 10., 20 Uhr).
       
       Ganz im Zeichen der Gegenwart steht dann der Freitag. Da gibt sich die
       „One-Person-Band“ die schwimmen im WestGermany die Ehre, um ihre zweite EP
       „WIFI on ICE“ zum Besten zu geben. Die behandelt existenzielle Fragen wie
       Liebeskummer, Vereinzelung und, der Titel kündigt es wahrheitsgemäß an, die
       Tücken des WLAN in den Hochgeschwindigkeitszügen der Deutschen Bahn. Das
       Ganze stilecht im musikalischen Gewand von Heartbreak-Autotune-Pop,
       Tränen-App inklusive (WestGermany, 16. 10., 20 Uhr).
       
       9 Oct 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Tim Caspar Boehme
       
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