# taz.de -- Konzertempfehlungen für Berlin: Klang gewordene Wimmelbilder
> Der Monat der zeitgenössischen Musik feiert zum Auftakt Ensembles. Und
> die queere BIPoC-Partyreihe ¡MASH-UP! feiert Jubiläum – und zugleich
> Abschied.
(IMG) Bild: Lange//Berweck//Lorenz: Das Trio führt historische Werke der elektronischen Musik auf, aber auch zeitgenössische Art
Zum Ende der Woche gibt noch einmal die Gelegenheit, die stimmgewaltige
Sofia Jernberg zu erleben: im afrofuturistischen Musiktheater „Sunville“,
basierend auf Texten des kongolesischen Autors Fiston Mwanza Mujila. Die
improvisationsaffine Sängerin bewegt sich dabei zwischen Spiritual Jazz und
Griot-Tradition. Bezugnehmend auf Sun Ra und Karlheinz Stockhausen taucht
sie ein in eine bunte Unterwasserwelt. Es geht in dem Stück um neue Formen
des Zusammenlebens (1./2.10., 20 Uhr, [1][Tischlerei der Deutschen Oper
Berlin).]
Nicht nur bei „Sunville“: Wenn eine Bühne zum Wimmelbild wird, kann das
toll sein. Erfreulich also, dass der [2][Monat der zeitgenössischen Musik]
mit einem Ensemblefest eröffnet. An dem zum Kulturort umgewidmeten
Neuköllner Ex-Kaufhaus CANK ist die hiesige Avantgarde-Ensemble-Szene in
ihrem Facettenreichtum zu erleben – 15 Formationen sind am Start (2.–4. 10,
[3][CANK]).
Zum Auftakt (2. 10., 19 Uhr) stehen mit Lange//Berweck//Lorenz zwar
lediglich drei Menschen auf der Bühne, doch auch sie können mit ihrem
elektroakustischen Mitteln Druck erzeugen. Das Trio führt historische Werke
der elektronischen Musik auf, arbeitet aber auch mit zeitgenössischen
Komponist:innen. Das deutlich wimmeligere Schwelbrandorchester verspricht
später am Abend dagegen einen rohen, pulsierenden Sound.
Spannend verspricht auch der Sonntag (4. 10., 16 Uhr) zu werden, steht da
doch „Autumn Leaves“ (1968) von Terry Riley auf dem Programm – auf die
Bühne gebracht von der Manufaktur für Aktuelle Musik (MAN) zusammen mit der
Musiktheaterkompanie Nico and the Navigators und jungen Bewohner:innen
eines Wohnprojektes für Geflüchtete. Das Stück entstand im Kontext von
Rileys wegweisender Komposition „In C“ und wurde bisher nie in Europa
aufgeführt.
Das Ensemblefest, so spannend es klingt, sollte nicht davon ablenken, einen
Blick ins weitere [4][Programm des Monats der zeitgenössischen Musik] zu
werfen. Da trifft etwa der Klangkünstler Hardi Kurda, der sich für Sounds
interessiert, die sonst überhört werden, im Rahmen der Konzert- und
Workshopreihe Disquiet auf die libanesische Künstlerin Nour Sokhound und
Noise-Experimente von Karen Chalco (3. 10., 20 Uhr, [5][Morphine Raum).]
## Jubiläum und Abschied in einem
Zudem feiert die queere BIPoC-Partyreihe ¡MASH-UP! ihr 10. Jubiläum – und
zugleich ihren Abschied. Gegründet wurde das dahinter stehende Kollektiv
bereits vor 15 Jahren von Aktivist:innen aus Brasilien und brachte lang
vor aktuellen kulturpolitischen Debatten Künstler:innen aus dem Globalen
Süden auf hiesige Bühnen.
Ihrer Zeit voraus war auch die queere Post-Punk-Band Mercenárias aus São
Paulo, sie gründetet sich vor 44 Jahren. Zum Abschied tritt die ikonische
Band als Teil eines sehr bunten Line-ups auf (2. 10., 21 Uhr, [6][SO36]) –
übrigens im Kontext der Festivalwoche [7][„Tag der Clubkultur“]. In diesem
Jahr geht es dabei um die Frage, worin in ungemütlichen Zeiten wie diesen
der Wesenskern der Clubkultur besteht.
30 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://tickets.deutscheoperberlin.de/webshop/webticket/eventlist
(DIR) [2] https://www.field-notes.berlin/
(DIR) [3] https://www.eventim-light.com/de/a/6aa018e7333a94392954b428
(DIR) [4] https://www.field-notes.berlin/mdzm-programm
(DIR) [5] https://www.instagram.com/p/DcQVUWkjGYy/?img_index=1
(DIR) [6] https://rausgegangen.de/en/events/15-years-of-mash-up-0/
(DIR) [7] https://tagderclubkultur.berlin/
## AUTOREN
(DIR) Stephanie Grimm
## TAGS
(DIR) Sound der Stadt
(DIR) taz Plan
(DIR) Neue Musik
(DIR) elektronische Musik
(DIR) Kolumne Großraumdisco
(DIR) Sound der Stadt
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Konzertempfehlungen für Berlin: Hier schwillt es, und da ist das WLAN im Eimer
Partizipativ geht es diese Woche zu, und der Dirigent Giuseppe Sinopoli
wird gewürdigt. Herzschmerz gibt es auch.
(DIR) Legendäres Punkkonzert im Berliner SO 36: Sie sind unruhig, besessen und kennen keine Grenzen
Die Punkband the Sods gastierte 1981 im SO 36. Weil sie alte Songs nicht
mehr spielen wollte, kam es zu Tumulten. Späte Bilanz eines folgenreichen
Abends.
(DIR) Musikalischer Waldspaziergang: Der Sound des grünen Fingers
Eine Osnabrücker Wahrnehmungswerkstatt sensibilisiert für Zwischentöne – ob
nun aus der Natur kommen, dem Straßenverkehr oder Musikinstrumenten.
(DIR) Konzertempfehlungen für Berlin: Das Universum dehnt sich weiter aus
Diese Woche lässt das Aggregate-Festival automatische Orgeln die Grenzen
des Möglichen verschieben. Stockhausen ohne Spektakel gibt es auch.