# taz.de -- Konzertempfehlungen für Berlin: Überraschende Schnittmenge
       
       > Sinem haucht traditionellem türkischem Liedgut Punk ein, und auch das
       > Ensemble Spydergum setzt auf produktive Reibung.
       
 (IMG) Bild: Matthias Muche BONECRUSHER: Densities – es spielen 12 Posaunen und Schlagzeug
       
       Sinem Arslan Ströbel, aufgewachsen in Bayern als einziges Kind weit und
       breit mit türkischen Wurzeln, inzwischen jedoch längst zwischen den Welten
       zu Hause, stellt ihr zweites Album „Hatun“ vor. Hatte sie auf ihrem Debüt
       [1][„Köşk“] neben Klassikern des Anadolu-Rock vor allem türkische
       Protestsongs und Volkslieder neu interpretiert – diese Huldigung ihres sehr
       privaten Kindheits-Soundtracks brachte sie mit viel Herzblut und
       postpunkiger Energie auf die Bühne –, gibt es beim Nachfolger auch von ihr
       geschriebene Songs.
       
       Etwa das mit schönem Drive daherkommende „Bana ne“ oder auch der Track
       „Masal“ mit seinen wuchtigen Seventies-Gitarrenriffs – was live sicher
       super kommt. Die Tradition mit Coverversionen führt sie auf dem neuen Album
       zudem weiter. Die titelgebende Hatun ist übrigens Sinems Großmutter, die
       einst allein aus der Türkei einwanderte, sich in Bayern ein Leben aufbaute
       und dann erst Mann und Kinder nachholte. Der Support kommt vom zwischen
       Neu-Delhi und Berlin arbeitenden Duo Naari ([2][31.10., 20 Uhr, Urban
       Spree]).
       
       Zudem stecken wir ja noch mittendrin im Jazzfest, das noch bis zum Sonntag
       ein ziemlich vielseitiges [3][Programm] bietet. Die Konzertabende an der
       Homebase, dem Haus der Berliner Festspiele, sind größtenteils ausverkauft.
       Doch immerhin kann ein:e jede:r im Radio dabei sein. Unter anderem am
       Freitag (30. Oktober, 20 Uhr) pünktlich zur Primetime im Deutschlandfunk
       Kultur ([4][weitere Sendetermine]).
       
       Wer auf Live-Atmo nicht verzichten mag: Es gibt durchaus auch Spannendes an
       den anderen Festival-Spielstätten zu erleben. Etwa am Sonntagnachmittag im
       sehr besonderen Ambient der Gedächtniskirche, wo gleich zwölf Posaunen das
       Stück „BONECRUSHER“ vom Komponist Matthias Muche (der selbstredend auch
       Posaune spielt) aufführen werden (1.11., 14.30, Gedächtniskirche).
       
       Präzise geschichtete Drones treffen dabei auf überbordende Bläsereinsätze.
       Und auch der Auftritt der britischen Trompeterin Laura Jurd am späten
       Samstagabend verspricht überraschende Schnittmengen zu offenbaren, bringt
       sie doch (diesmal im Quintett-Format) Post-Bop-Traditionen mit irischem und
       britischem Folk zusammen (31.10., 23 Uhr, Seitenbühne, Haus der Berliner
       Festspiele).
       
       Zum Wochenstart lädt die Volksbühne zum munteren Miteinander, schließlich
       wird dort das Album des ambitionierten Projekts [5][Spydergum] vorgestellt.
       In dem elektroakustischen Ensemble treffen höchst unterschiedliche,
       größtenteils in Berlin ansässige Musiker:innen aufeinander, von der
       experimentellen mexikanischen Musikerin und Künstlerin Concepción Huerta
       bis zum zwischenzeitlich nach Wien gezogenen Jungstötter, der ja eher für
       melancholischen Kammer-Art-Pop steht. Kein Wunder ist das Album, das auf
       Improvisationen gründet und im Rahmen einer Residency im Morphine Raum
       entstand, ein ziemlich wilder Ritt: von Neoklassik über Pop und Ambient bis
       zu Jazz ([6][2.11, 20.30 Uhr, Volksbühne]).
       
       30 Oct 2026
       
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