# taz.de -- Ausstellung in Berlin: Brüchiger, durchlässiger vielleicht
> Die Berliner Galerie Adlershof zeigt die Schau „Die Kids sind nicht
> alright! 2“. In dieser Fortsetzung blicken junge Künstlerinnen und
> Künstler auf das Erbe der DDR.
(IMG) Bild: Dem Stern der Völkerfreundschaft geht die Luft aus. Eine Arbeit von Minh Duc Pham
Ein aufblasbarer Stern lehnt schlaff an der Wand der Galerie Alte Schule in
Adlershof. Seine Form ist dem Stern der Völkerfreundschaft nachempfunden,
einem in der DDR gern verliehenen Orden für staatlich verordneten
Internationalismus. [1][Minh Duc Pham], 1991 im sächsichen Schlema geboren,
hat ihn nachbauen lassen – und lässt ihm in der Installation programmatisch
die Luft entweichen.
Es ist ein Anblick mit Symbolkraft, in dem sich Zustände und
Befindlichkeiten des Ostens prima bündeln lassen. Der Stern erinnert an
eine Gesellschaft, die nicht mehr ist, an die sich teils nostalgisch, teils
aber auch mit Grausen erinnert wird.
Und dieser „Stern der Völkerfreundschaft“ lädt selbstverständlich auch zum
Nachdenken darüber ein, wie ausbeuterisch das einst hochgelobte Verhältnis
zu den sogenannten Bruderländern in Asien, Afrika und Lateinamerika war.
Zugleich ist der Stern ein schrilles Kontrastmittel für die Tatsache, dass
im einstigen Völkerfreundschaft-Areal die „Remigration“ von offensichtlich
sehr vielen Menschen für ein wählbares Konzept gehalten wird.
Die Ausstellung „Die Kids sind nicht alright! 2“ setzt mit Künstlerinnen
und Künstlern, die um die Wendezeit entweder noch gar nicht geboren oder
sehr jung waren, die Auseinandersetzung um das Erbe der DDR, die
innerdeutsche Teilung und die Folgen der Wiedervereinigung fort. [2][Im
ersten Teil], ebenfalls kuratiert von der Galerie-Leiterin Meta Martina
Beeck, waren die älteren Jahrgänge vertreten, vor allem die 1970er und
1980er Jahre.
## Erfahrungen von Verlust, Verfall und Veränderung
Im Unterschied dazu sind die jetzigen Arbeiten weniger direkt biografisch
geprägt. Vielmehr findet ein generelleres Auseinandersetzen mit Erfahrungen
von Verlust, Verfall und Veränderung statt. [3][Eric Meier] (Jahrgang 1989)
lässt Glasbausteine, zu Ostzeiten ein Traum für Häuslebauer, zu biomorphen
Konstellationen zerschmelzen. Er stellt auch Zaunelemente in den
Ausstellungsraum, die teils zerborsten sind. Sie trennen nicht mehr ab,
sondern sind brüchiger geworden, durchlässiger vielleicht auch für Neues.
Das ist noch der hoffnungsvollste Zugriff auf Thema und Region. Clara Maria
Bennewitz, 1999 in Bonn geboren, aber nach Dresden zum Kunststudium
gekommen, setzt in der Installation „Reine Wäsche“ ostdeutsche
Widersprüchlichkeiten ins Bild. Auf einer Wäschespindel, wie es sie als
kollektive Wäschetrockenanlage in manchen Siedlungen bis heute gibt, hängt
sie harmlose Babyhemdchen mit Hasenfiguren neben Textilien mit
Frakturschrift und eindeutig rechten Parolen. Ideologie wandert in die
Waschmaschinen und kontaminiert beim Trocknen den öffentlichen Raum.
## Befragung von Schulklassen
Bemerkenswert ist ein Archivfund aus dem Jahr 1990, der ebenfalls Eingang
in die Ausstellung fand und den Blick auf die gesamte Bundesrepublik
weitet. Im Oktober 1990 befragten Filmteams im Auftrag des Schulmuseums
Berlin und der Arbeitsgruppe Pädagogisches Museum e. V. Sechstklässlerinnen
und Sechstklässler in Schulen diesseits und jenseits der Elbe nach ihrem
Blick auf die Vereinigung. Ein Mädchen in Ostdeutschland befürchtete da
schon Jobverlust für die Erwachsenen. Ein Gleichaltriger merkte an, er habe
herausgehört, die Erwachsenen wollten gar nicht so schnell eine
Wiedervereinigung, sondern eher eine Gesellschaft, in der sie selbst
Entscheidungen treffen können.
Ein Junge aus einer westdeutschen Schule wiederum argumentierte: „Es hätte
doch gereicht, die Mauer aufzulassen. Aber sie müssen ja nicht gleich in
Massen hierherkommen.“ Die Kids von damals sind jetzt ungefähr Ende 40. Was
von den Einstellungen mag sich erhalten, was sich verändert, was sich
vielleicht auch durch eigene Lebenserfahrungen verfestigt haben?
Der halbstündige Zusammenschnitt der Schülerinterviews mit dem Titel
„Beigetreten! Dieses Wort ‚Drüben‘, das kriegt man nicht so leicht weg“
sollte zum Pflichtfilmprogramm an jeder Feier des 3. Oktober gehören.
Erhellend wäre es sicher auch, einige der „Kids“ von damals jetzt als
Erwachsene auf die damalige Zeit und ihre Aussagen zurückblicken zu lassen.
13 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Tom Mustroph
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