# taz.de -- Wasserknappheit wegen Rechenzentren: Digital first, denken second
       
       > Der Wasserverbrauch von Rechenzentren verstärkt die Klimakrise. Von der
       > Bundesregierung braucht es konsequente Vorgaben für sparsame
       > Technologien.
       
 (IMG) Bild: Der Rhein führt zu wenig Wasser: Rechenzentren verbrauchen viel Wasser und sollten zum sparen animimiert werden
       
       Der Umweltminister versucht gerade im Alleingang, einen Windmühlenflügel
       festzuhalten. Ist Wasser knapp, will Carsten Schneider (SPD) die Betreiber
       von Rechenzentren mehr für ihren Verbrauch zahlen lassen. Alternativ
       sollten sie in sparsame Technologie investieren, erklärte er Anfang der
       Woche vor einem [1][EU-Gipfel zum Thema Wasser].
       
       Diese Haltung ist zwar für einen Umweltminister nicht überraschend, für
       diese Bundesregierung aber schon. Denn die ist zwar in vielen Dingen etwas
       diffus, bei einem aber sehr klar: [2][Deutschland soll mehr Rechenzentren
       bekommen]. Und zwar nicht ein bisschen mehr, sondern so richtig viel mehr.
       Bis 2030 sollen die Kapazitäten mindestens verdoppelt werden im Vergleich
       zu 2025.
       
       Die Kapazitäten von Rechenzentren werden in ihrer Anschlussleistung
       gemessen, 2025 waren es der Rechenzentrumsstrategie der Bundesregierung
       zufolge 2.980 Megawatt. Dass die Rechenzentrumsstrategie an dieser und
       anderen Stellen auf Zahlen des Borderstep Instituts verweist, deutet darauf
       hin, dass sie selbst keinen systematischen Überblick über den Stand hat,
       was auch ein Problem ist, aber ein anderes.
       
       ## Gegen die US-Abhängigkeit
       
       Dabei ist der Ansatz ja richtig: Wir kommen in Deutschland nicht um eigene
       Rechenzentren herum. Okay, kommen wir schon, wenn wir uns weiterhin von
       US-Anbietern abhängig machen wollen und die Daten von Privatpersonen, von
       Unternehmen und von Behörden fröhlich weiter in deren Clouds schieben. Und
       gleichzeitig auf Software made in USA setzen, statt darauf,
       Open-Source-Anwendungen selbst zu hosten und damit unabhängig zu sein von
       den Launen eines US-Präsidenten – und der Preispolitik der Tech-Konzerne.
       
       Die Frage ist aber: In welcher Menge und unter welchen Bedingungen werden
       diese Rechenzentren gebaut und betrieben? Und hier fährt die
       Bundesregierung leider die Strategie: digital first, denken second.
       
       Ein Symptom dafür ist das [3][Energieeffizienzgesetz], das derzeit im
       Bundestag liegt und passenderweise diese Woche Gegenstand einer
       Expert:innenanhörung war. Das Energieeffizienzgesetz sieht, anders
       als sein Name suggeriert, bei Rechenzentren eine Lockerung der Vorgaben zum
       Ressourcenverbrauch vor. Dabei bräuchte es in Zeiten, in denen [4][Flüsse
       bundesweit historisch wenig Wasser] führen, ein Sommer, in dem für die
       Landwirtschaft richtige Regenmenge zur Ausnahme wird und sich
       Anwohner:innen dort, wo Rechenzentren geplant werden, Sorgen über die
       Wasserversorgung machen, eher striktere Vorgaben als lockerere.
       
       ## Spargel oder Rechenzentrum
       
       Es wäre daher ein Leichtes, in Konkurrenzdenken zu verfallen: Brauchen wir
       das Wasser zum Beispiel für Spargel, bei dem der Anbau jedes Kilos
       verschiedenen Schätzungen zufolge Wassermengen im vierstelligen
       Literbereich benötigt? Oder für die Kühlung eines Rechenzentrums, in dem
       Behörden Daten der Bürger:innen speichern?
       
       Aber Konkurrenzdenken hilft nicht weiter. Sondern eine ehrliche
       Bestandsaufnahme. Zum Beispiel in Brandenburg, eine der trockensten
       Regionen in Deutschland. Dort baut Amazon Rechenzentren für seinen
       Cloud-Dienst AWS. Amazon hat Greenpeace zufolge versprochen, Regenwasser
       zur Kühlung einzusetzen, doch die Organisation bezweifelt, dass dafür
       ausreichend Niederschlag vorhanden ist. Aber abgesehen davon: Helfen
       AWS-Rechenzentren Deutschland und Europa weiter in Sachen Unabhängigkeit
       von US-Anbietern? Nein, auch wenn AWS in diesem Fall tatsächlich einiges an
       technischem und organisatorischem Aufwand betreibt, um so unabhängig wie
       möglich zu scheinen.
       
       Was stattdessen helfen würde: eine ehrliche Prognose der Kapazitäten, die
       gebraucht werden, um digitale Souveränität zu sichern. Sehr wahrscheinlich
       wird das deutlich unter den aktuellen Prognosen der Bundesregierung liegen.
       Und ein Ausloten der Standorte, an denen diese möglichst wenig ökologische
       Schäden anrichten. Keine wird nicht möglich sein, schließlich ist ja
       alleine schon der Flächenverbrauch ein Schaden. Vorgaben zu sparsamen
       Technologien sollten in Zeiten der Klimakrise ohnehin eine
       Selbstverständlichkeit sein – und kein einzelner Griff nach dem
       Windmühlenflügel.
       
       7 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Wasserkrise-in-Europa/!6218858
 (DIR) [2] /Neue-Rechenzentren-in-Deutschland/!6210365
 (DIR) [3] /Angriff-auf-Klimapolitik/!6190393
 (DIR) [4] /Duerre-in-Deutschland/!6201568
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Svenja Bergt
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Digitalisierung
 (DIR) Digitale Souveränität
 (DIR) Niedrigwasser
 (DIR) Trockenheit
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Social-Auswahl
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Neue Rechenzentren in Deutschland: „Am Ende muss es ein fairer Tausch sein“
       
       Der Bau von Rechenzentren sorgt für Proteste. Wie man die ernst nehmen und
       dennoch für digitale Souveränität sorgen kann, erklären zwei IT-Experten.
       
 (DIR) Ressourcenverbrauch von KI: Nimmersatt
       
       Für jedes Bild, jede Antwort im Chat, die die künstliche Intelligenz
       ausspuckt, gräbt sie an Ressourcen. Lässt sich die Gier noch zähmen?
       
 (DIR) Ingenieur*in über KI und Klima: „Die Regierung nutzt den KI-Hype für neue Gaskraftwerke“
       
       Rechenzentren haben einen immensen Strom- und Wasserverbrauch, kritisiert
       Expert*in Joschi Wolf. Schwarz-rot nutze das für Anti-Klimapolitik.