# taz.de -- Von Serien lernen: Wir wissen, was zu tun ist!
> Ein Passagier des Flydubai-Flugs konnte durch sein Wissen aus einer Serie
> helfen, den Flugzeugabsturz zu verhindern. Davon haben wir uns
> inspirieren lassen.
(IMG) Bild: Von Mr. Bean lernen heißt überleben lernen
Einem der Passagiere, die auf dem [1][Flydubai-Flug am 30. September nach
Tel Aviv] den Angreifer überwältigten und einen Absturz verhinderten, hat
dabei nach eigenen Angaben eine Dokuserie über Flugzeugnotfälle geholfen.
Yaniv Hayun sagte, nachdem er den Piloten überwältigt habe, habe er im
Cockpit die Steuerung ergriffen und begonnen, die Hebel zurückzuziehen. Auf
die Frage, woher er gewusst habe, was er tun sollte, verwies Hayun auf die
seit 2003 international ausgestrahlte TV-Serie „Mayday – Alarm im Cockpit“.
In den Folgen werden bekannte Flugkatastrophen untersucht und nachgestellt,
unter anderem über Stimmaufnahmen, Augenzeugenberichte und
Experteninterviews. Wir haben uns von dieser Geschichte inspirieren lassen.
Welches Wissen aus TV-Serien hat uns schon mal geholfen? Und wissen
Serienjunkies vielleicht besser Bescheid, was in Extremsituationen zu tun
ist? Vier Erfahrungsberichte vom Bildschirm ins wirkliche Leben.
## Sing doch mal ein Lied
Das ist zwar kaum auf Notfallsituationen anwendbar, aber als Kind hat mir
Miley Cyrus alias Hannah Montana als cooler Popstar bei Nacht und ganz
normales Mädchen mit Strandhaus in Malibu am Tag beigebracht, wie man sich
die Knochen im Körper merkt. In einer Folge hat sie Probleme mit ihrem
Biotest und erfindet, wie es sich für einen Showstar gehört, natürlich ein
passendes Lied, um sich eine Eselsbrücke zu bauen. Hier ein Auszug aus dem
Grammy-würdigen Song: „Wenn ich die Kühe melke, auf Onkel Earls Farm. /
Brauch ich dazu die Elle, die ist in meinem Arm.“ Oder: „Bei Stirn und
Scheitelbein / soll das das Ende sein. Das macht 206, / oh Mann wie cool,
ich check’s.“
Texte dieser lyrischen Brillanz erfordern natürlich ein wenig Kreativität,
aber um sich die Geburtsdaten der eigenen Kinder (an alle Väter), die
Getränkebestellung eines 15-köpfigen Stammtisches oder die Uhrzeit und
Adresse der nächsten drei gebuchten Pilates-Stunden zu merken, kann ein
kleines Lied doch mal helfen. Wer weiß, vielleicht ist es auch mal
lebensrettend. Anastasia Zejneli
## Immer was Neues
Im Kindergarten und zu Grundschulzeiten wohnte meine beste Freundin direkt
nebenan. Sie hatte einen tollen Garten, in dem man megagut spielen konnte.
Stundenlang konnten wir uns damit beschäftigen, wie es unseren imaginären
Pferden ging, und wir sponnen Intrigen, die kreativer waren als so mancher
Abenteuerroman. Umso mehr graute es mir davor, wenn es Winter wurde und wir
nur noch in ihrem Zimmer spielen konnten.
Egal, was wir spielten, nebenbei liefen die Hörspiele von Harry Potter,
Teil 2. Und nein, nicht die ganze Geschichte, immer und immer wieder hörten
wir eine CD des Hörbuchs. Es war der Part, in dem Harry Potter die
Schlangensprache Parsel beherrscht und Rufus Beck diese in einer –
rückblickend beeindruckenden Weise – zischend ausspricht. Damals konnte ich
es nicht mehr hören. Mir war extrem langweilig. Immerhin hatte die
CD-Tortur etwas Gutes. Ich habe über mich gelernt: Wiederholungen sind
blöd, lieber mache ich jeden Tag etwas Neues. Ich glaube, deshalb sitze ich
heute hier. Ann-Kathrin Leclère
## Gegen gesellschaftliche Codes
In einem der [2][prägendsten Serienmomente] meiner Kindheit wird Mr. Bean
in einem schicken Restaurant rohes Fleisch serviert. Er ekelt sich, ist
aber zu höflich, es zurückzugeben. Also versteckt er es überall: im
Aschenbecher, in der Blumenvase, in der Hose des Geigers, in der Handtasche
einer Fremden, bis das Chaos eskaliert. Ausgerechnet sein Bemühen,
gesellschaftlichen Codes zu genügen, hat ihn in diese Bredouille gebracht.
Die Hauptfigur Fleabag – der gleichnamigen Serie, die ich erst Jahre später
kennenlernte, denkt gar nicht daran, Erwartungen zu erfüllen; sie lehnt
sich sogar dagegen auf.
Mitten in einem Quäkertreffen verkündet sie: „Manchmal mache ich mir
Sorgen, dass ich keine richtige Feministin wäre, wenn ich größere Brüste
hätte“, und neben ihrem Freund masturbiert sie zu einer Rede Obamas. Beide
Serien zeigen mit (britischem) Humor, wie absurd es werden kann, wenn wir
gesellschaftlichen Konventionen zu strikt folgen, und wie komisch, wenn wir
es nicht tun. Sie haben mir beigebracht, weniger ernst durchs Leben zu
gehen. Rahel Bueb
## Tipps für Verbrechen und Ausschlag
Es ist zwar nicht mein Vorhaben, aber wenn es so weit käme, wäre ich
vorbereitet. Auch Naz Khan (Riz Ahmed) wollte nie in die Situation geraten,
in der Wohnung einer Fremden aufzuwachen, mit der er die Nacht zuvor
geschlafen hatte, und sie in einer Blutlache und mit einem Dutzend
Stichwunden vorzufinden. Voller Panik packt er ein blutiges Messer ein und
flieht – eine, obwohl er unschuldig ist, äußerst verdächtige Handlung. Wie
sollte er es auch besser wissen? Er hatte „The Night Of“ zuvor nicht
gesehen.
In der HBO-Miniserie von 2016 lernt man Nützliches rund um das
US-amerikanische Kriminalsystem: etwa gegenüber der Polizei von vornherein
zu schweigen und einen Anwalt zu rufen. Man erfährt, wie man sich als
Angeklagter im Gerichtssaal zu kleiden hat. Dass man sich keinen Gefallen
tut, selbst in den Zeugenstand zu gehen, auch wenn man weiß, dass man
unschuldig ist. Und dass man im Gefängnis Verbündete zu finden hat. Dabei
bleibt es jedoch nicht. Naz’ von starken Ekzemen geplagter Anwalt John
Stone (John Turturro) bringt die viel lebensnäheren Lektionen mit: Sandalen
tragen, damit die Haut atmen kann. Immer ein Essstäbchen dabeihaben, falls
es irgendwo kratzt. Steroide vermeiden. Chinesische Medizin aufsuchen.
Valérie Catil
7 Oct 2026
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