# taz.de -- Kolumne Stadtgespräch aus Tel Aviv: Was der gescheiterte Fly-Dubai-Anschlag mit Israelis macht
> Nach dem Vorfall in der Flydubai-Maschine ziehen viele Israelis
> Parallelen zum Behördenversagen am 7. Oktober. Politiker hingegen machen
> damit Wahlkampf.
(IMG) Bild: Das Flugzeug bringt die Passagiere zurück nach Israel: Der gescheiterte Fly-Dubai Anschlag ist Wahlkampfthema in Israel
Beinahe hätte die israelische Bevölkerung kurz vor dem dritten Jahrestag
des Hamas-Überfalls am [1][7. Oktober] einen neuen Terroranschlag
verkraften müssen – und nicht wenige im Land ziehen nun Parallelen. Die
einen feiern den Mut der israelischen Passagiere, die den Angreifer stoppen
konnten. Die anderen fragen, wieso es drei Jahre nach dem totalen Versagen
der israelischen Sicherheitsbehörden erneut Zivilisten sind, die das
Schlimmste verhindert haben.
Eine Woche nachdem der omanische Co-Pilot Hamam al-Hammami seinen indischen
Kollegen Smit Machchhar im Cockpit [2][offenbar mit einem Notfallbeil
angegriffen hatte], tobt im aufgeheizten israelischen Wahlkampf der Streit
darüber, wie es so weit kommen konnte.
Wie vor drei Jahren steht das vermeintlich engmaschige israelische
Sicherheitssystem im Fokus. Denn al-Hammami war kein Unbekannter. Der
29-Jährige soll zwischen 2018 und 2025 bei Oman Air gearbeitet haben, bevor
er aus Sorge vor seinen extremistischen Einstellungen Flugverbot bekam.
Bisher ist unklar, wieso er trotz dieses Hintergrunds von Flydubai
eingestellt wurde.
In der Kritik steht besonders die israelische Transportministerin Miri
Regev. Obwohl Israel von ausländischen Fluggesellschaften vorab Passagier-
und Crewlisten erhalten soll, fiel al-Hammamis Vorgeschichte dort offenbar
niemandem auf. Regev weist jede Verantwortung zurück, ganz im Stil ihres
Regierungschefs Benjamin Netanjahu, der bis heute jede Verantwortung für
den 7. Oktober ablehnt. Sie sieht die Zuständigkeit bei den Geheimdiensten.
## Zunehmende Unprofessionalität in den Ministerien
Im Raum steht aber auch die Frage, weshalb offenbar niemand in der
amtierenden Regierung der Warnung der staatlichen Aufsichtsbehörde
nachgekommen ist, die bereits 2024 vor Schwachstellen in der Überwachung
der zivilen Luftfahrt nach Israel gewarnt hatte.
„Ich sehe darin die zunehmende Unprofessionalität in den Ministerien, in
denen Stellen meinem Eindruck nach vor allem nach politischer Loyalität
besetzt werden“, sagt ein Mitarbeiter einer israelischen NGO, der anonym
bleiben möchte. Er berate israelische Behörden und Ministerien. „Das Maß an
Inkompetenz ist erschreckend.“
Kurz vor der israelischen Parlamentswahl Ende Oktober, die viele
Oppositionelle als Schicksalswahl sehen, versuchen alle Seiten, den
Anschlagsversuch politisch für sich zu nutzen. Netanjahu ließ sich noch am
Abend des Vorfalls in der Maschine mit den überlebenden Passagieren
fotografieren.
Sein wichtigster Herausforderer Gadi Eisenkot hingegen zog Parallelen zum
Verhalten der Regierung nach dem 7. Oktober: „Eine deutliche Linie
verbindet damals und heute, eine Kultur der Lügen, der Vertuschungen und
der Abwehr von Verantwortung“, sagte er. Die Aufarbeitung des knapp
verhinderten Terroranschlags versinkt damit in den Grabenkämpfen der
israelischen Parteipolitik.
## Fassungslos und erschöpft
Bestätigt sehen sich viele Israelis indes, dass die Bedrohung von Juden und
Israelis weltweit nicht ernst genug genommen werde. „Wie kann es sein, dass
wir es offensichtlich mit einem versuchten Anschlag auf 160 Israelis zu tun
haben, für den es Zeugenaussagen, Videos und Flugdaten über den
Beinaheabsturz gibt, und weltweit ziehen Menschen noch am selben Tag in
Zweifel, dass das überhaupt so passiert ist?“, fragt die 33-jährige Shir
auf dem Mahane-Yehuda-Markt in Jerusalem gegenüber der taz.
Andere sind nach drei Jahren Krieg schlicht erschöpft: „Vor ein paar Jahren
hätte mich so ein Fall Monate beschäftigt“, sagt der 37-jährige Ofer in
einem Café in Tel Aviv. „Heute verdrängt ein Fall den nächsten: die
Korruptionsermittlungen gegen Netanjahus Büro, die stille israelische
Besatzung in Libanon, Syrien und Gaza, über die kaum noch jemand spricht,
die täglichen Angriffe von Siedlern im Westjordanland und vielleicht morgen
der nächste Angriff auf Iran. Ich fühle dazu einfach nichts mehr.“
10 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Felix Wellisch
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