# taz.de -- Gewalt in Flydubai-Maschine: Verhinderte Flugzeug-Katastrophe landet in Israels Wahlkampf
> Nach der Notlandung des Flydubai-Fluges spricht Israels
> Verteidigungsminister von einem „dschihadistischen Anschlagsversuch“ –
> ohne Belege zu nennen. Vieles ist noch offen.
(IMG) Bild: Israelische Passagiere, die an Bord des Flydubai-Flugs waren, am Mittwoch bei Ankunft auf dem Ben-Gurion-Flughafen bei Tel Aviv
Sichtlich erleichtert sind am Mittwochabend rund 170 vorwiegend israelische
Passagiere in Tel Aviv gelandet, nachdem der Flydubai-Flug FZ1073 am Morgen
nur knapp einer Katastrophe entgangen war. „Gott sei Dank bin ich am
Leben“, sagte einer der Passagiere der britischen BBC am Flughafen Ben
Gurion, wo jubelnde Menschen und Angehörige die Überlebenden begrüßten. Ein
Mensch wurde mit Brustverletzungen ins Krankenhaus gebracht, drei seien
leicht verletzt gewesen, teilte der israelische Rettungsdienst Magen David
Adom mit.
Videos von Passagieren, Flugdaten sowie Augenzeugenberichte lassen erahnen,
was sich auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv abgespielt hat. Demnach hatte
der laut unbestätigten israelischen Angaben aus Oman stammende Co-Pilot den
indischen Piloten im Cockpit mit einem Messer verletzt. Trotzdem gelang es
Letzterem offenbar, zwei Notrufe abzusetzen und die Verriegelung der
Cockpit-Tür zu lösen. Crewmitglieder und Passagiere überwältigten daraufhin
den Angreifer.
Die Maschine geriet dabei ins Trudeln und stürzte laut der Webseite
Flugradar innerhalb einer Minute mehr als 4.000 Meter ab. Einer der
Passagiere, der Israeli Yaniv Hayoun, sagte Israels Regierungschef
Netanjahu in einem veröffentlichten Gespräch am Abend, er sei ins Cockpit
geeilt und habe das Steuerhorn der Maschine nach hinten gezogen und das
Flugzeug stabilisiert. Zwei weitere Flydubai-Piloten, die sich an Bord
befanden, landeten die Boeing 737 MAX 8 anschließend im saudi-arabischen
Tabuk.
Viele Fragen zu den Hintergründen sind weiter offen: Die Identität des
Co-Piloten oder sein Motiv sind bisher ungeklärt. Israels
Verteidigungsminister Israel Katz nannte den Angriff dennoch einen
„dschihadistischen Anschlagsversuch“, ohne dafür Belege zu nennen. Auch
Israels UN-Botschafter Danny Danon sprach von einem Terroranschlag.
## Flydubai bestätigt bisher nur Kampf im Cockpit
Netanjahu sagte dem US-Sender Fox News hingegen, es sei „zu früh zu sagen“,
wer hinter dem Angriff stecke. Der mutmaßliche Angreifer werde derzeit in
Saudi-Arabien verhört und solle bald in die Vereinigten Arabischen Emirate
überführt werden. Dort würden ihn laut Netanjahu emiratische und
israelische Ermittler verhören.
Flydubai hat bisher eine Auseinandersetzung im Cockpit bestätigt, aber
keine weiteren Details genannt. Der Pilot soll unter anderem den Notrufcode
7500 abgesetzt haben, der für Flugzeugentführung steht.
Einen Tag nach der Tat wird mit der knapp verhinderten Katastrophe in
Israel bereits Wahlkampf gemacht. Das Land ist vor den Parlamentswahlen am
27. Oktober polarisiert wie nie. Am Vorabend des Angriffes veröffentlichte
Netanjahu ein Video von einem Luftwaffenstützpunkt, in dem er vage vor
einem Angriff von Feinden Israels vor den Wahlen warnte. Seine Unterstützer
sehen darin nun einen Beweis für dessen Gefühl für Bedrohungen.
Von dieser Lesart dürfte viele eingefleischte Anhänger auch nicht
abbringen, dass Netanjahu selbst dem Sender CNN sagte, er habe zu der
versuchten Entführung „keine spezifische Warnung“ erhalten. Geschweige denn
Oppositionsführer Jair Lapid, der nach einem außerordentlichen
Sicherheitsbriefing mit Netanjahu nach dessen Warnungen sagte, dieser habe
ein solches Szenario in keiner Weise erwähnt.
Selbst jüngste Enthüllungen mehrerer Medien, dass Netanjahu vor dem
Hamas-Angriff am 7. Oktober 2023 mehrfach explizite Warnungen ignoriert
haben soll, schaden ihm bisher in Umfragen kaum.
## Der Zwischenfall wirft Sicherheitsfragen auf
Der Flydubai-Zwischenfall hat auch Fragen nach Sicherheitslücken
aufgeworfen. Israelische Behörden haben bei Flügen nach Israel laut
israelischen Medien besondere Widerspruchsrechte, etwa was die Überprüfung
von Piloten oder Sicherheitskontrollen an den ausländischen Flughäfen
betrifft.
Der Co-Pilot soll laut arabischen Medien seit rund einem halben Jahr für
Flydubai gearbeitet haben. Geklärt werden muss nun, warum er während dieser
Zeit den Sicherheitsbehörden nicht auffiel, wie er ein Messer an Bord
bringen konnte und ob er Verbindungen zu extremistischen Gruppen hatte.
Bis auf Weiteres schränkt der Zwischenfall auch die Möglichkeiten für
Israelis ein, ihr Land auf dem Luftweg zu verlassen. Seit den von den USA
vermittelten Abraham-Abkommen 2020 hat sich Dubai zunehmend zu einem
Drehkreuz für Israelis auf dem Weg nach Asien entwickelt.
Flydubai hat fürs Erste für die Dauer der Ermittlungen die Flüge nach
Israel eingestellt. Hunderte gestrandete Israelis sitzen zunächst in Dubai
fest. Ab Freitag werden nach Angaben des israelischen Verkehrsministeriums
die israelischen Fluggesellschaften El Al, Arkia und Israir Israelis
zurückbringen.
1 Oct 2026
## AUTOREN
(DIR) Felix Wellisch
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