# taz.de -- Journalistin über Nachrichtenkompetenz: „Vielen jungen Menschen fehlt das Vertrauen in die Medien“
> Woran erkennt man, ob eine Meldung falsch ist? Journalistin Lena Marie
> Haring gibt Workshops, um junge Menschen im Umgang mit Fake News zu
> schulen.
(IMG) Bild: Woran erkennt man, ob sich Falschmeldungen als Wahrheit verkleiden? Feiernde als Fake News beim Marner Karneval
taz: Frau Haring, was verstehen Sie unter Nachrichtenkompetenz?
Lena Marie Haring: Vor allem, Nachrichten nicht blind zu lesen, sondern zu
hinterfragen und mehrere Quellen einzubeziehen. Dazu gehört auch, in das
eigene Umfeld zu schauen und sich zu fragen, „Kann das sein?“, wenn etwas
unglaubwürdig erscheint.
taz: Was kann denn passieren, wenn man [1][Falschmeldungen] vertraut?
Haring: Wenn mich eine Nachricht emotional stark mitnimmt oder mich
vermeintlich privat angreift, kann das im schlimmsten Fall zu einer
Radikalisierung beitragen. Man kann auch den Bezug zur Realität verlieren,
wenn man nur auf Social Media scrollt und ungefiltert annimmt, dass alles
stimmt, was einem dort begegnet. [2][Auch im Wahlkampf kann es schlimme
Folgen haben], wenn etwa eine Partei eine Falschmeldung verbreitet und ich
diese an mein Umfeld weiterleite.
taz: Warum ist es für Jugendliche besonders wichtig, Nachrichtenkompetenz
zu haben?
Haring: Gerade in Zeiten von künstlicher Intelligenz werden wir überflutet
mit Nachrichten aus diversen Social-Media-Kanälen, sodass es diesen Filter
braucht, eine Unterscheidung zwischen dem, was stimmt, und dem, was nicht
stimmt. Ich muss aber sagen, dass Jugendliche meiner Erfahrung nach ein
geschultes Auge im Umgang mit KI haben und diese schneller erkennen, als
ältere Leute. Wenn ich in unseren „NewsCamps“, also Workshops zur
Nachrichtenkompetenz, Falschmeldungen zeige, erkennen die Jugendlichen
diese in neun von zehn Fällen.
taz: Woran erkennt man denn eine Falschmeldung?
Haring: Das ist durch KI deutlich schwieriger geworden. Bei Bildern kann
man sich anschauen, ob das Gezeigte wirklich Sinn ergibt und die
Körperformen stimmen. Bei dem Inhalt der Meldung muss man schauen, [3][ob
es seriöse Quellen gibt], die das belegen. Damit meine ich vor allem
öffentlich-rechtliche Medien. Da sollte es dann mindestens zwei bis drei
unterschiedliche Quellen geben, die die Meldung belegen. Und man sollte
sich den Kontext vor Augen führen. Auch bei politischen Meldungen hilft
das. Wenn die AfD sagt, sie möchte mehr für die untere soziale Schicht
machen, dann kann man fragen: Ergibt das Sinn? Gibt es dafür wirklich
Belege?
taz: Welche Falschmeldung hat Sie zuletzt richtig sauer gemacht?
Haring: Die Meldung, [4][Wolodymyr Selenskyj hätte Hitlers Parade-Mercedes]
gekauft. Wenn man ein bisschen Hintergrundwissen hat, ist ja eigentlich
schon völlig klar, dass das natürlich nicht stimmt. Da steckte eine
russische Desinformationskampagne dahinter.
taz: Wie erreichen Sie die Jugendlichen am besten?
Haring: Tatsächlich nicht über Social Media, wie viele erst mal denken. Der
direkte Kontakt ist viel ergiebiger und nachhaltiger. Jugendliche brauchen
Vertrauen, um sich zu öffnen. In unseren NewsCamps merke ich, wie viele
Nachfragen kommen. Und auch, wie viel Bock die Kids haben, ein eigenes
Video zu drehen oder einen Fotoworkshop zu machen.
taz: Worüber sprechen Sie dann mit den Jugendlichen?
Haring: Ich stelle oft einfach Fragen zu dem, was sie von sich aus sagen.
Manchmal rede ich eine Stunde lang mit Jugendlichen, die denken, dass die
AfD uns regieren sollte, weil ihre Freunde das sagen. Und ich frage dann,
warum sie das eigentlich denken. Es ist wichtig, die Meinung nicht zu
verurteilen, sondern ernst zu nehmen und ins Gespräch zu gehen. Vielen
jungen Menschen fehlt das Vertrauen in die Medien. Deswegen ist es wichtig,
ihnen in den Workshops das Vertrauen wieder zu ermöglichen, und dafür muss
man zuhören. Dann merkt man auch, wie groß der Redebedarf ist.
13 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Fake-News/!t5325634
(DIR) [2] /So-versucht-mutmasslich-Russland-die-Wahlen-im-Herbst-ueber-Social-Media-zu-beeinflussen/!6201726
(DIR) [3] /Fact-Checking/!t6061064
(DIR) [4] https://faktencheck.afp.com/doc.afp.com.36KL3NC
## AUTOREN
(DIR) Antonia David
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